Fußball-WM
Hat sich Norwegen Deutschland aus dem Weg rotiert? Frankreich macht schon Angst
Norwegen nach XXL-Rotation gegen Frankreich chancenlos. Star-Ensemble dreht auf und würde im Achtelfinale auf Deutschland warten. In dieser Form eine sehr große Hürde.
Es hätte ein spannender Showdown um den Gruppensieg zweier bisher überwiegend überzeugender Teams sein können. Doch die Partie zwischen Norwegen und Frankreich in Foxborough bei Boston wurde zum Schaulaufen des potenziellen deutschen Achtelfinalgegners Frankreich, weil Norwegen auf zehn(!) Positionen durchtauschte und Stars wie Erling Haaland schonte. Die Skandinavier begünstigten damit zumindest den vermeintlich einfacheren Turnierverlauf. Frankreich zeigte offensiv vor allem im ersten Durchgang die gesamte Offensiv-Power und schlug Norwegen hochverdient mit 4:1 (3:1).
Norwegen hätte Frankreich schlagen müssen, um die WM-Gruppe I als Erster abschließen zu können. Beide hatten zwei Siege auf dem Konto, die Franzosen das um einen Treffer bessere Torverhältnis. Auf dem Papier hätten die Norweger eine echte Hürde für das Star-Aufgebot des Weltmeisters von 2018 werden können, doch mit der Veröffentlichung der Startaufstellung war klar: Trainer Staale Solbakken zog den Weg der Belastungssteuerung dem Verlangen nach dem Gruppensieg vor. Zehn Wechsel in der Anfangsformation, kein Haaland, kein Martin Ödegaard.
Norwegen trifft auf die Elfenbeinküste, Frankreich-Gegner noch offen
Das gute Recht des Trainers, seine Spieler für das bereits sichere Sechzehntelfinale zu schonen, aber die XXL-Rotation verhinderte auch ein Spiel auf Augenhöhe mit Frankreich, wodurch das Duell mit Deutschland mit Achtelfinale schon vor Anpfiff unwahrscheinlich wurde. Ob Absicht oder nicht wird spekulativ bleiben. Auf Norwegen wartet nun am Dienstag die Elfenbeinküste und im Anschluss Brasilien oder Japan. Frankreich bekommt es ebenfalls am Dienstag mit einem Gruppendritten zu tun und im Achtelfinale dann mit Deutschland oder doch mit Paraguay, Schottland oder Schweden.
Dafür sorgte im Spiel um den Gruppensieg vor allem ein Mann. Der ehemalige Dortmunder und frischgebackene Champions-League-Sieger Ousmane Dembélé drehte auf, traf früh mit seinem rechten Fuß (7.) und später zwei Mal sehenswert mit seinem linken (20., 32.). Es war der zweitschnellste Dreierpack der WM-Geschichte. Schneller war nur Erich Probst 1954. Der Österreicher war im Gruppenspiel gegen die Tschechoslowakei (5:0) in der vierten, 21. und 24. Minute erfolgreich. Dembélé Hattrick war aber kein lupenreiner. Zwischendurch hatte Thelo Aasgaard für Norwegen verkürzt (21).
Senegal setzt sich deutlich gegen den Irak durch und muss warten
Im zweiten Durchgang ließen es die Franzosen, bei denen Trainer Didier Deschamps von seinem Co Guy Stephan vertreten wurde, weil er zur Beerdigung seiner Mutter nach Frankreich gereist war, gemächlicher angehen. Kurze Hoffnung auf eine engere zweite Halbzeit machte Keeper Mike Maignan zunichte, als er einen schwachen Strafstoß von Jörgen Strand Larsen parierte (50.). Den 4:1-Schlusspunkt setzte PSG-Star Desiré Doué per Kopf (90.+4).
„Wir wollen jedes Spiel gewinnen und werden einfach konzentriert bleiben – denn die nächsten Spiele sind noch wichtiger“, sagte Matchwinner Dembélé wohlwissend, dass die Herausforderungen größer werden. „Die Gegner werden immer schwerer“, meinte auch Interimstrainer Stephan. Damit Deutschland ein solch schwerer Gegner werden kann, muss die DFB-Elf nicht nur ihr Sechzehntelfinale gewinnen, sondern sich auch erheblich steigern.
Im anderen Spiel der Gruppe I gewann Senegal deutlich gegen den Irak. Dank des 5:0 wahrte der am Grünen Tisch verhinderte Afrikameister noch Restchancen auf die K.o.-Phase. Der Senegal ist mit nur drei geholten Punkten nun abhängig von den Ergebnissen und Konstellationen der anderen Gruppen.
Sie sind bereits M+ Abonnement?