Vor zweitem Heimspiel: Hamburgs Handballer haben ein Zuschauer-Problem
Aller Anfang ist schwer. Im zweiten Anlauf wollen Hamburgs Handballer ihren ersten Heimsieg der neuen Bundesliga-Saison feiern, wenngleich die sportliche Hürde hoch ist. Die umformierte Mannschaft des HSVH mit fünf Zugängen muss sich erst noch einspielen. Die ersten beiden Partien haben gezeigt, was möglich ist – im Guten wie im Schlechten. Der Kapitän sieht die Mannschaft aber auf Kurs. Was dem Verein weiterhin Sorgen bereitet, sind die Zuschauerzahlen.
Der Start in die Saison: okay. Ein Sieg, eine Niederlage. Dem offensiv furiosen 36:33-Auftaktsieg in Stuttgart folgte am Mittwoch eine vermeidbare 29:33-Heimniederlage gegen Hannover-Burgdorf (mit dem vom HSVH gekommenen und überragend aufspielenden Leif Tissier), bei der die Hamburger 13 technische Fehler produzierten – eine toxische Mischung aus mangelnder Konzentration und Präzision sowie Abstimmungsschwierigkeiten.
4:0 Punkte wären Niklas Weller „lieber gewesen“
„Die zwei Punkte auf der Habenseite sind schon mal wichtig, 4:0 Punkte wären mir lieber gewesen“, sagt Kapitän Niklas Weller. „Wir haben es hervorragend gemacht gegen Stuttgart, da hat man schon sehr viel gesehen, was wir können. Gegen Hannover hatten wir ein paar Probleme, weil die sich gut auf uns eingestellt haben.“ Sein Leistungs-Check gegenüber der MOPO: „Ich bin sehr zufrieden, wie wir als Mannschaft auftreten und eingespielt sind, dafür, dass wir viele neue Jungs haben und es erst der zweite Spieltag war.“
Am Sonntag (18 Uhr) steigt in der Sporthalle Hamburg das zweite Heimspiel in Serie. Gegner: die Rhein-Neckar Löwen, die trotz eines großen Umbruchs im Sommer erstaunlich rund laufen, 4:0 Punkte auf dem Konto haben und mit einem beachtlichen Auswärtssieg in Melsungen in die Saison gestartet sind.
„Wir freuen uns auf ein geiles Heimspiel“, betont Weller. „Wir wollen noch ein bisschen mehr geben, auch mehr Emotionen hineinbringen und die Halle hinter uns bringen. Wir sind alles andere als der Favorit – aber das ist eine Position, aus der wir gerne angreifen und auch schon Punkte geholt haben.“
HSVH-Trainer Torsten Jansen beschreibt einen „Prozess“
Nicht nur der Gegner wird den HSVH voll fordern. Die Hamburger kämpfen phasenweise auch noch mit sich selbst. Die fünf Neuzugänge Nicolaj Jørgensen (SönderjyskE), Oliver Norlyk (KIF Kolding), Elias Kofler (VfL Potsdam), Einar Olafsson (Fredericia HK) und Kaj Geenen (VfL Lübeck-Schwartau) müssen sich erst richtig mit den neuen Kollegen einspielen, Abläufe verinnerlichen und automatisieren – und sich mit Ausnahme von Kofler an die Liga gewöhnen.
„Das ist ein Prozess“, sagt Trainer Torsten Jansen. „Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, denn den Wettkampf kann man in der Saisonvorbereitung und im Training nur sehr bedingt simulieren.“
Leistungsschwankungen bei Neuzugängen sind normal. Bestes Beispiel: Jørgensen, Torschützenkönig der dänischen Liga in der vergangenen Saison. Gegen Stuttgart explodierte er mit elf Toren, gegen die gewarnten Hannoveraner (drei Tore) lief bei ihm kaum etwas zusammen. Zur ganzen Wahrheit gehört, dass auch einige etablierte Kräfte schwächelten.
Kapitän Weller glaubt an Klasse und Charakter der Neuen
Kapitän Weller glaubt an Klasse und Charakter der Neuen, die Potenzial und passende Profile sowie frischen Elan mitbringen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass uns die Neuzugänge weiterbringen werden“, sagt der Routinier. „Alle haben ihre Qualitäten und sind gute Jungs. Wir haben einen neuen Mix, aber wir werden diese Saison wieder eine überragende Einheit bilden.“ Sie muss noch wachsen. Sportlich und emotional.
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Alt sind dagegen die Probleme des Vereins, regelmäßig die Sporthalle Hamburg vollzumachen, was das erklärte Ziel des Vereins ist und auch sein muss angesichts einer Kapazität von 3750 Plätzen. Gegen Hannover waren es nur 2758 Zuschauende, für das Löwen-Spiel sind derzeit knapp 2500 Tickets verkauft. Was diese Zahlen angeht, ist der Saisonstart nicht okay. Der Kampf um Fans muss intensiviert werden.