Handball Hamburg
„Oh mein Gott!“ Hamburgs neuer Riese macht die ganze Familie stolz
Leon Nowottny ist zurück in seiner Heimatstadt – und startet beim HSVH mit einer klaren Mission. Der junge Torwart hat beim THW Kiel von Andreas Wolff gelernt. Nun fordert er Robin Haug heraus.
Jogi Bitter ließ vor dem Trainingsauftakt von Hamburgs Handballern keine Zweifel daran, dass der Norweger Robin Haug (27) als klare Nummer eins in die neue Saison startet. Zugleich schwärmte der Sportgeschäftsführer aber vom neuen Backup-Keeper für das Tor des HSVH. „Ihm gehört die Zukunft“, sagte Bitter – und meinte Leon Nowottny, einen gebürtigen Hamburger, der vom THW Kiel kommt und seine ganze Familie stolz macht.
„Ich bin sehr happy, wieder in Hamburg zu sein“, sagt Nowottny im Gespräch mit der MOPO, denn hier wurde er im August 2005 geboren. Zwischen 2014 und 2019 reifte er bei dem Rahlstedter Verein AMTV Hamburg zu einem großen Handball-Talent, auf das schließlich der THW Kiel aufmerksam wurde. Nach mehreren Jahren im Jugendbereich des deutschen Rekordmeisters feierte Nowottny im Dezember 2024 sein Bundesliga-Debüt – mit 19.
Nowottny lernte „ganz, ganz viel“ von den THW-Stars
In Kiel lernte der 2,00-Meter-Riese von den ganz Großen. Zu Beginn der vergangenen Saison war er sogar die Nummer zwei des THW hinter DHB-Star Andreas Wolff (35), weil sich dessen Stellvertreter Gonzalo Pérez de Vargas verletzt hatte (35). „Mit diesen großen Spielern zu arbeiten, hat mir gezeigt, was das Profisein von einem verlangt, auch abseits des Feldes – diese Arbeit, die man wirklich hineinstecken muss“, erklärt Nowottny. „Es wäre zu viel, aufzulisten, was ich alles gelernt habe.“ Es sei jedenfalls „ganz, ganz viel“ gewesen.
Nowottny wird in wenigen Wochen 21, wirkt aber gereift. „Ich war früher immer sehr ungeduldig und wollte schnell Erfolge erzielen“, berichtet er. „Ich habe aber gelernt, dass ich nicht immer so hart zu mir sein darf und mir ein bisschen Zeit geben muss, weil es nicht von einem auf den anderen Tag super läuft.“ Die neue Rolle als Ersatztorwart beim HSVH gehe er „total offen“ an, ganz ohne Druck. Hinter ihm lauert Eigengewächs Norwin Pein auf Chancen.
Nummer zwei hinter Haug und doch „sehr glücklich“
„Ich konzentriere mich gar nicht so auf dieses: Nummer eins? Nummer zwei? Ich will einfach Gas geben und weiß, dass man sich immer selbst vertrauen muss. Nur so kann man die nächsten Schritte machen“, ist sich Nowottny sicher. Er stellt klar: „Ich will nicht so viele Ausreden suchen, sondern Spaß haben und alles für die Mannschaft geben. Dann kommt der Erfolg.“ Für den Moment ist der Rechtshänder überglücklich. Und mit ihm seine Liebsten.
„Als ich Mama und Papa erzählt habe, dass es was mit Hamburg werden könnte, meinten sie: Ja? Oh mein Gott! Sie haben sich sehr gefreut“, erzählt Nowottny, dessen Wechsel zum HSVH bereits im März verkündet wurde. Jetzt und in Zukunft sieht er seine Eltern, seinen Bruder und die anderen Familienmitglieder wieder deutlich öfter als in den vergangenen Jahren. „Das ist ein bisschen zu kurz gekommen zuletzt“, sagt Hamburgs Neuzugang, der aber nicht wieder zu Hause einzieht. Seine Eltern wohnen im Osten der Stadt, er nun deutlich dichter am Volkspark.
„Für mich ist es gefühlt wie im Urlaub. Ich bin relativ früh nach Kiel gezogen – jetzt wieder in Hamburg zu sein, fühlt sich ein bisschen komisch an, aber ich genieße es sehr“, betont Nowottny. Seine Karriereplanung sah nicht vor, irgendwann unbedingt zum HSVH wechseln zu müssen. „Ich habe mir nie einen festen Verein vorgenommen oder gesagt: Ich will unbedingt dahin“, beschreibt er. „Aber je älter ich wurde, desto mehr ist mir meine Heimatstadt Hamburg ans Herz gewachsen. Und bisher bestätigen sich alle Erwartungen. Ich bin sehr glücklich.“
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