Neustart mit neuen und alten Hindernissen: Was sich beim HSV Hamburg alles ändert
Um ein Haar wären sie gar nicht mehr da. Erst vor dem Schiedsgericht hatten Hamburgs Handballer Anfang Juni nach wochenlangem Kampf und großer Existenzangst doch noch die zunächst entzogene Lizenz für die jetzt beginnende Bundesliga-Saison zugesprochen bekommen. Rettung im allerletzten Moment. Eine Chance zum Neuanfang, die der HSVH unbedingt nutzen will. Der Verein hat die komplette Führungsetage umbesetzt, eine personelle Revolution. Vor dem ersten Saisonspiel an diesem Freitag in Göppingen sind es personelle Probleme der Mannschaft, die dem Klub Kopfzerbrechen bereiten. Die MOPO sagt, was neu ist, was bleibt und was Hamburgs Handballfans vor der neuen Spielzeit wissen müssen.
Zugänge: Moritz Sauter (21/Rückraum Mitte/Füchse Berlin und VfL Potsdam), Robin Haug (26/Tor/Elverum), Mohamed El-Tayar (28/Tor/Balingen-Weilstetten), Ben Levermann (18/Rückraum/THW Kiel U19), Levin Unbehaun (19/Rechtsaußen/HSV Hamburg U21)
HSV Hamburg startet mit angespannter Verletztensituation
Abgänge: Dani Baijens (Paris Saint-Germain), Jens Vortmann (Karriereende), Thies Bergemann (UHK Krems), Dino Corak (vorläufiges Karriereende), Martin Risom (Ziel unbekannt), Alexander Pinski, Lennard Benkendorf, Max Niemann (alle TSV Ellerbek)
Verletztensituation: Sehr angespannt. Gleich beide neuen Torhüter fehlen zum Saisonstart. Haug ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht einsatzfähig, was auch für El-Tayar gilt, der schon länger an einer Sehnenverletzung im Oberschenkel laboriert und noch wochenlang ausfallen wird. „Das ist eine schwierige Situation“, sagt Trainer Torsten Jansen zur MOPO. Deshalb wird Johannes Bitter seinen Rücktritt verschieben und die Übergangs-Nummer-eins sein – und hoffentlich ein stabiler Rückhalt. Auch das neue Rückraum-Talent Levermann (Außenbandriss) ist vorerst außer Gefecht, war aber auch nicht voll bei den Profis eingeplant.
Kapitäne: Die offizielle Mannschaftsführung teilen sich weiterhin Kreisläufer Niklas Weller und Rückraumspieler Leif Tissier.
Führung des HSV Hamburg ist komplett neu aufgestellt
Vereinsführung: Alles neu in den Gremien. Am 19. August legten der langjährige Präsident Marc Evermann, Vize Martin Schwalb und Schatzmeister Stephan Harzer ihre Ämter nieder – und das nicht ganz freiwillig (MOPO berichtete). Sven Hielscher blieb als einziges Präsidiumsmitglied im Amt. Neuer Präsident ist der vorherige Aufsichtsrat Kay Spanger, als Vize fungiert Johannes Bitter und wird im Laufe dieser Saison hauptamtlicher Sportchef. Schatzmeisterin ist Jana Fuhrmann. Die Umbesetzung des Präsidiums ist eine Folge der großen Struktur-Analyse des Ende Mai neugewählten Aufsichtsrats mit Investor Philipp J. Müller (rettete mit insgesamt 7,1 Millionen Euro die Lizenz), dem Vorsitzenden Wilken Möller, André van de Velde und Timo Glawe. Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH bleibt Sebastian Frecke.
Etat: ca. 6,5 Millionen Euro.
Tickets: Knapp 1500 Dauerkarten hat der HSVH bislang verkauft, strebt in dieser Saison laut Frecke insgesamt 80.000 verkaufte Tickets (im Schnitt 4700 pro Spiel) an. Die Preise wurden in einigen Kategorien erhöht, laut Verein „den gestiegenen Kosten angepasst“.
Einzelne HSVH-Spiele wieder in der Barclays Arena
Spielorte: Die meisten Heimspiele finden wie gewohnt in der Sporthalle Hamburg (3800 Plätze) sowie ausgewählte Partien, in der Regel die absoluten Topspiele, in der Barclays Arena (13.000) statt, voraussichtlich vier.
Hallensprecher: Torben Pöhls geht in seine zweite Spielzeit als Stimme bei den Heimspielen.
TV: Streamingdienst Dyn wird weiterhin alle Spiele der Bundesliga und im DHB-Pokal übertragen. Darüber hinaus können ARD (mit den dritten Programmen) und ZDF bis zu zwölf Partien live zeigen.
Saisonstart: Die ersten und fest terminierten Liga-Spiele bestreitet der HSVH an diesem Freitag in Göppingen, zu Hause gegen Magdeburg (15.9.), bei Aufsteiger Potsdam (20.9.), gegen Lemgo (28.9.), bei den RN Löwen (7.10.), gegen den THW Kiel (11.10.), in Wetzler (17.10.), gegen Hannover (24.10.) und in Gummersbach (3.11.).
Saisonziel: Wie immer gibt Jansen keinen Tabellenplatz und auch keine Tabellenregion als Ziel aus. „Wenn man nicht gerade oben mitspielt, ist das in einer so engen Liga unseriös“, sagt der Coach. „Wir wollen so schnell wie möglich punkten, uns von unten fernhalten und eine möglichst stabile Saison spielen. Es gibt einige Fragezeichen, aber auch viel Hoffnung. Wir sind froh, dass es endlich losgeht!“ Frecke betont, dass das Hauptaugenmerk nach der wirtschaftlichen Notlage und dem Lizenz-Chaos darauf liege, „den Verein weiterzuentwickeln und Vertrauen zurückzugewinnen“. Eine wegweisende Saison.