Handball Hamburg
Neuer HSVH-Boss war „schockverliebt“: Er kommt aus dem Fußball – und kennt Krisen
Hamburgs Handballer stellen ihre Führung neu auf: Markus Rejek (58) kommt aus dem Profifußball und tritt an die Seite von Johannes Bitter. Was der neue kaufmännische Geschäftsführer jetzt vorhat.
Der HSVH stellt sich weiter für die Zukunft auf. Nachdem bereits verkündet worden war, dass Ex-Kapitän Niklas Weller das Präsidentenamt übernimmt und der vorherige Sportdirektor Johannes Bitter zum Geschäftsführer Sport aufrückt, stellte der Verein nun auch dessen Partner vor: Als neuer kaufmännischer Geschäftsführer kommt Markus Rejek, ein Experte aus dem deutschen Profifußball, zu Hamburgs Handballern. Das Trio hat klare Zukunftsvorstellungen und muss wirtschaftliche Herausforderungen meistern.
Rejek folgt auf den bisherigen Geschäftsführer Christian Hüneburg, der zum 30. Juni ausschied, und war schon nach den ersten Gesprächen mit den Hamburger Verantwortlichen um Weller „schockverliebt“ in die Aufgabe beim HSVH, wie er am Montag sagte. „Es war immer mein Wunsch, im Handball zu arbeiten.“ Der 58-Jährige kommt aus Mülheim an der Ruhr und machte sich als Manager im Fußball einen Namen.
Markus Rejek arbeitete lange für den BVB
Von 1999 bis 2013 verantwortete er das Marketing bei Borussia Dortmund und begleitete den Identitätsprozess hinter dem Slogan „Echte Liebe“. Beim TSV 1860 München (2014 bis 2017), dem kürzlich die Lizenz für die 3. Liga verweigert wurde, und bei Arminia Bielefeld (2017 bis 2022) arbeitete Rejek bereits als Geschäftsführer im kaufmännischen Bereich. Zuletzt war er von November 2022 bis Februar 2025 beim 1. FC Köln tätig. Seine Leidenschaft für den Handball („Das ist mein Sport“) rührt aus der Kindheit: Rejek spielte 20 Jahre lang selbst, ehe eine Verletzung die Karriere stoppte: „Dann habe ich mir meine beiden Knie zerdeppert.“
Rejek ist krisenerprobt, daran ließ er bei seiner Vorstellung in einer Umkleidekabine der Barclays Arena keine Zweifel. „Es war ein sehr intensiver, enger, vertrauensvoller Prozess“, sagte Neu-Präsident Weller über die Suche nach dem zweiten HSVH-Geschäftsführer. Er sei „überrascht“ gewesen, wie viele Personen Interesse an dem Job signalisiert hätten. Über Rejek sagte Weller: „Wir sind zu 100 Prozent überzeugt von einer tollen Entscheidung – und davon, dass Markus uns an der Seite von Jogi nach vorn bringen wird.“
„Noch mehr Verantwortung“ für Johannes Bitter beim HSV Hamburg
Bitter, der sich als Sport-Geschäftsführer fortan „über noch mehr Verantwortung“ freut, bezeichnete seinen neuen Kollegen als den finalen „Wunschkandidaten“, der beinahe eigeninitiativ auf den HSVH zugekommen sei. Der 43-jährige Ex-Torwart berichtete: „Ich hatte ein super Gefühl. Wir haben uns vom ersten Tag an gut verstanden und eine ähnliche Art und Weise, mit Menschen umzugehen.“ Bitter versicherte: „Wir wissen, was auf uns zukommt.“ Das ist eine Menge. Denn es geht bei Weitem nicht nur darum, dass Hamburgs Handballer nach Platz zehn in der Vorsaison langfristig in der Bundesliga bestehen.
Rejek steht für Werte und bringt sie mit zum HSVH. „Bei all meinen Aufgaben habe ich gelernt: Das Thema Identität ist mit das Wichtigste – gerade in einer Weltstadt wie Hamburg mit dieser Strahlkraft.“ Die Hansestadt sei schon immer ein Wunsch-Wohnort seiner Familie gewesen, jetzt erfülle sich dieser Traum. Rejek hat drei Kinder, zieht mit der gesamten Familie aus Köln in den Norden und stellte zum Amtsantritt klar: „Wir wollen hier nicht nur ankommen.“ Sondern länger bleiben. Eine Vertragslaufzeit kommunizierte der HSVH nicht, Weller machte aber ein paar Andeutungen: „Markus hat nicht von ein paar Monaten gesprochen. Wir haben absolut das Interesse, es lange gemeinsam zu machen. Und so, wie ich Markus kennengelernt habe, ist er keiner, der zur Hälfte seiner Aufgabe aufhört.“
Finanzen: Rejeks Erfahrungen sollen helfen
Rejek sieht den familiären Umzug nach Hamburg auch als ein persönliches Commitment zu seinem neuen Arbeitgeber. Der Manager weiß, dass hinter dem HSVH schwierige Zeiten liegen, Stichworte Lizenz-Kampf und Schuldenschnitt. „Wir können ehrlich sein: Wir reden nicht über einen Verein, der alles mit Geld zubomben kann“, beschrieb er. „Wir haben das große Glück, dass wir im Dezember diesen Schuldenschnitt hatten und noch mal ein Leben geschenkt bekommen haben. Jetzt haben wir die große Chance, in den nächsten Jahren nach vorn zu arbeiten, um uns idealerweise in eine Situation zu bringen, in der wir uns selbst erwirtschaften. Das ist die große Aufgabe.“
Um diese zu bewältigen, sollen Rejeks Erfahrungen aus dem Fußball-Business helfen. Der neue HSVH-Boss erzählte: „Ich kenne beim Ankommen Situationen, die schwierig sind. In Dortmund hatten wir eine schwere Krisenzeit, in der wir morgens teilweise nicht wussten, ob unser Chip noch funktioniert und die Türen aufgehen. Bei 1860 München war es zweieinhalb Jahre Krise. Und bei Arminia Bielefeld hatte ich mir vorher alles angeschaut bei den Zahlen, außer den Kontostand – der hätte mir beinahe den Teppich unter den Füßen weggezogen, wenn denn noch einer dagelegen hätte. Es gab aber gar kein Geld für einen Teppich.“
Investor Philipp Müller bleibt wichtig für den HSVH
Rejek ist sich bewusst, dass es für die finanziellen Herausforderungen, vor denen der HSVH steht, externe Unterstützung benötigt. „Natürlich brauchen wir die Hilfe von Unternehmen und von Menschen, die ihre Liebe zum Handball entweder zum Ausdruck bringen – oder wir schaffen es, sie zu begeistern.“ Rejek zeigte sich „begeistert von der Offenheit“ der Vereinsmitarbeiter, die er genauso wie die größten HSVH-Partner bereits kennengelernt hat, und wird die nächsten Wochen dafür nutzen, die Vermarktung zu optimieren. Er will „in relativ kurzer Zeit möglichst effektiv arbeiten“ und die Sichtbarkeit des Vereins stärken, denn die neue Bundesliga-Saison beginnt bereits Ende August.
Zum Vermarktungsvertrag mit der devonSPORT GmbH, der noch bis 2029 läuft, äußerten sich die HSVH-Chefs nicht konkret. „Ich habe am Freitag erst mal telefonisch Hallo gesagt. Es wird zeitnah ein Treffen geben mit den Verantwortlichen“, verriet Rejek, hielt sich ansonsten aber bedeckt: „Da muss ich mich erst einmal reinarbeiten. Ich bin nicht geneigt, irgendwelche Wasserstandsmeldungen abzugeben.“
Geldgeber Philipp J. Müller, der den Bundesliga-Handball in Hamburg gerettet hatte, hat Rejek bereits kennengelernt. „Es war ein offener, ehrlicher Austausch“, berichtete der neue Geschäftsführer, der dabei „sehr viel Wertschätzung“ und „von Anfang an Sympathie“ verspürt habe. „Der Handball braucht eben noch diese Förderer. In einer Stadt wie Hamburg, die Sportstadt sein will, kann man das nur begrüßen“, befand Rejek und betonte, sich mit den derzeitigen Strukturen rund um den HSVH wohlzufühlen.
Präsident Weller: „Ziel ist, dass wir uns selbst tragen“
„Aber wir wissen, dass das nicht selbstverständlich ist“, ergänzte er. Rejek will „aus dem Quark kommen“ und benannte die wirtschaftlichen Ziele so: „Wir wollen unsere Erlöse im Bereich Sponsoring deutlich steigern. Wir wollen auch andere Themen größer machen. Wir wissen aber auch, dass es kein Sprint ist.“ Die Frage sei: „Wie können wir es auf breitere Schultern stellen?“ Investor Müller habe nicht den Anspruch, der alleinige Förderer zu sein.
Weller bekräftigte: „Unser gemeinsames Ziel ist, dass wir uns als Verein mit tollen Partnern selbst tragen können. Wir haben eine super Basis, es geht aber darum, das auszubauen und die Partner zu überzeugen, den Weg langfristig mitzugehen.“ Müller werde „sicherlich“ einer der wichtigsten Partner bleiben, so Weller. „Aber es werden auch andere dabei sein.“ Rejek soll diesen Prozess entscheidend vorantreiben.
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