„Kein Platz für Gefühlswelten“: Schwalbs brisante Rückkehr zum HSVH
Böses Blut? Das bestätigt keiner der Beteiligten, zumindest nicht offiziell. Schmutzige Wäsche wird auch nicht gewaschen. Beide Seiten bemühen sich um Normalität. Es ist eine Schein-Normalität. Denn an dem Duell der Hamburger Handballer gegen den HC Erlangen mit dem ehemaligen Hamburger Titel-Trainer und Vize-Präsidenten Martin Schwalb ist so gut wie gar nichts normal. Und so geht es am Sonntag entgegen aller Beteuerungen um viel mehr als zwei Punkte. Für den HSVH ist es das brisanteste Heimspiel der Saison. Für Schwalb die brisanteste Auswärtsreise. Ein Duell, auf das die ganze Liga schaut.
Was beide Seiten eint: Sie brauchen die Punkte. Die Gastgeber wollen den überraschenden Punktgewinn gegen die Füchse Berlin mit einem Heimsieg gegen ein Team aus dem Tabellenkeller vergolden – und alles andere als ein Sieg wäre auch rein sportlich eine Enttäuschung. Die Gäste wiederum brauchen dringend jeden Zähler im Abstiegskampf. Das allein reicht schon für ein heißes und umkämpftes Spiel.
Martin Schwalb steht vor brisantem Spiel beim HSVH
„Natürlich birgt das Spiel eine gewisse Brisanz – aber das gilt sportlich“, sagt HSVH-Sportchef Johannes Bitter zur MOPO. „Der Blick auf die Tabelle macht deutlich: Das ist ein Spiel, was wir unbedingt gewinnen wollen.“ Schwalb betont im Gespräch mit der MOPO: „Im Vordergrund steht, mit Erlangen ein gutes Spiel zu machen und möglichst zu punkten.“
Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, maximal. Schwalb hatte im August mit dem gesamten Präsidium des HSVH die Ämter niedergelegt. So hieß es offiziell. Tatsächlich war der Abgang nicht freiwillig. Vorangegangen waren konfliktreiche Wochen und Monate. Anfang Oktober sorgte Schwalb für einen Paukenschlag, indem er den Trainerposten beim abstiegsbedrohten HCE übernahm – ausgerechnet einem Klub, dessen Führung sich im Frühsommer auf die Seite des Bergischen HC geschlagen hatte, der mit allen Mitteln die Lizenzerteilung für die Hamburger verhindern wollte. „Das, was im Sommer war, blende ich aus“, versichert Bitter (42). „Da hatte jeder Verein seine Gründe. Das ist abgehakt.“
Brisant ist auch, dass der langjährige Keeper-Riese Bitter mittlerweile Vize-Präsident und Sportdirektor des HSVH ist – und damit den Job macht, den zuvor Schwalb innehatte. Der Vorwurf, der 61-Jährige habe in seiner Doppelfunktion zu wenig getan für den Verein und mehr an sich gedacht, war schon lange hinter vorgehaltener Hand zu hören. Schwalb wiederum sieht das ganz anders, fühlt sich vom Hof gejagt und seine Verdienste um die Wiederauferstehung des HSVH aus Liga vier nicht ausreichend gewürdigt.
Das Verhältnis ist belastet. Zwischen dem HSVH und Schwalb herrscht Funkstille. Und was auch nicht zu hören ist, sind die vor einem solchen Spiel üblichen Bekundungen der Vorfreude auf das Wiedersehen.
Schwalb will keine Gefühle in Hamburg zulassen
„Das ist keine Vergnügungstour. Ich bin zum Arbeiten da. So muss man das sehen und so sehe ich das auch“, antwortet Schwalb der MOPO, angesprochen auf seine Emotionen angesichts der Rückkehr an die langjährige Wirkungsstätte. „Ich drücke da alles weg. Da ist kein Platz für Gefühlswelten.“ Und manchmal ist erhellend, was nicht gesagt wird. „Ich freue mich auf viele gute Freunde in der Halle, die Tickets gekauft haben, auf meine Familie und auf die Fans“, so Schwalb, der in Kürze mit Ehefrau Gabi eine Wohnung in Erlangen beziehen wird (Sohn Max studiert in Hamburg). Nicht erwähnt werden Spieler, Trainer und Funktionäre des HSVH, bei dem die Gremien runderneuert worden sind.
Bitter gibt sich vor dem heiklen Wiedersehen mit Schwalb diplomatisch. „Er ist ein erfolgreicher Trainer, der mit uns viele Titel gewonnen hat.“ Mit den Spielern Bitter und Torsten Jansen, längst Trainer des HSVH, hatte Schwalb unter anderem die Meisterschaft und die Champions League gewonnen. „Wir wissen, dass er ein hervorragender Coach ist, der hoffentlich nicht genug Zeit hatte, seine Mannschaft so einzustellen, dass sie uns schlagen kann.“
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Es braucht kein abgeschlossenes Psychologiestudium, um zu verstehen: Eine Niederlage gegen den HC Erlangen, der seit Schwalbs Amtsantritt erst eines von sechs Spielen gewinnen konnte, wäre für die Hamburger viel mehr als der Verlust von zwei Zählern. Und für Schwalb wiederum wäre ein Punktgewinn viel mehr als ein sportlicher Erfolg seines Teams. Das garantiert ein heißes Spiel, in dessen Rahmen einige Begegnungen kühl bis eiskalt ausfallen dürften.