„Ich will immer höher und weiter“: Er ist Hamburgs neuer Handball-Shootingstar
Er ist eines der großen Talente im deutschen Handball mit einer vielversprechenden Zukunft. Doch Moritz Sauter ist jemand, der sich vor allem mit dem Hier und Jetzt beschäftigt. Bei seinem neuen Verein, dem HSV Hamburg, will sich der U21-Weltmeister so schnell wie möglich als Bundesligaspieler etablieren und zum Leistungsträger seines Klubs entwickeln. Es sollen die entscheidenden Schritte in einer Karriere sein, die Sauter schon früh und mit viel Mut begonnen und noch mehr Ehrgeiz vorangetrieben hat. Eine schwierige Hürde für jeden Profisportler, der neu in Hamburg ist und Fuß fassen will, hat er dagegen schon genommen.
Angekommen. Eingelebt. Vergleichsweise schnell hat Sauter in seiner neuen Wahlheimat eine schöne Wohnung gefunden, noch dazu in einem beliebten Stadtteil, Eimsbüttel. Natürlich mit freundlicher Unterstützung seines Vereins. Andere suchen ewig – und nicht wenige verzweifeln daran. Er weiß es zu schätzen.
HSVH-Zugang Moritz Sauter fühlt sich wohl in Hamburg
„Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Sauter, der Anfang Juli mit Freundin Sophie aus Berlin in die Elbmetropole gezogen ist, im Gespräch mit der MOPO. Seine Eindrücke bislang: „Eine schöne Stadt, nicht so groß und trubelig wie Berlin. Und wer die typische Berliner Schnauze kennt, dem fällt auf, dass die Hamburger ein bisschen ruhiger, zurückhaltender und entspannter sind.“ Eine Feststellung, keine Wertung. Auch in seinem neuen Team fühlt er sich gut aufgenommen.
Nur eines fehlt ihm gerade. „Ich will so schnell wie möglich mit der Mannschaft den ersten Sieg der Saison holen“, betont der 21-jährige Mittelmann im Hinblick auf das Remis zum Saisonstart in Göppingen und die folgende klare Heimniederlage gegen Meister Magdeburg. Auf dem Weg zu diesem nicht nur für ihn wichtigen Ziel wird er ausgerechnet mit seiner Vergangenheit konfrontiert.
Der HSVH tritt an diesem Freitag (20 Uhr) beim Aufsteiger VfL Potsdam an, für den Sauter in den vergangenen beiden Saisons auflief – per Zweitspielrecht, denn sein Stammverein waren die Füchse Berlin, für die der Rechtshänder wiederum vergangene Saison in der European League zum Einsatz kam.
Sauter spielte zuletzt bei HSVH-Gegner Potsdam
Eine schnelle Rückkehr. Sauter freut sich auf das Wiedersehen mit vielen Kumpels, mit denen er zunächst in der Füchse-Jugend und dann bei Kooperations-Klub Potsdam einige Jahre zusammengespielt hat, stellt aber frei jeder Romantik klar: „Ich fahre da hin, um einen Sieg einzufahren. Das war auch mein erster Gedanke, als der Spielplan rauskam.“ Typisch Sauter. Erfolgshungrig, ehrgeizig.
Beim HSVH soll er die Lücke im Rückraum schließen, die Dani Baijens mit dem Wechsel zu Topklub Paris Saint-Germain hinterlassen hat. Große Fußstapfen, doch der Youngster stellt gleich klar: „Ich bin kein neuer Dani Baijens und das will ich auch nicht sein. Wir sind auch unterschiedliche Spielertypen. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen.“
Schritt für Schritt. Sauter will sich beim HSVH und unter Trainer Torsten Jansen, der ein Händchen für junge Spieler hat, weiterentwickeln, „spielerisch immer mehr in die Mannschaft finden und gute Spiele machen“, sagt der 1,84 Meter große und 94 Kilo schwere Rechtshänder. „Ich möchte ein Spieler sein, der auch in jungen Jahren schon in wichtigen Situationen da ist, Verantwortung übernimmt und die Mannschaft voranbringt.“ Ambitioniert – aber eben nicht nur mit Worten. Sauter ist trainingsfleißig und wissbegierig. „Ich will jeden Tag dazulernen, besser werden und bin nie zufrieden.“
HSV Hamburg: Sauter war schon mit 13 in der Akademie
Seine Stärken hat er im Tempospiel, in Eins-gegen-eins-Duellen und im Schlagwurf, dazu ein gutes Auge für den Nebenmann. „Ich möchte ein guter Spiellenker sein, der seine Nebenleute in Szene setzt, aber auch selbst torgefährlich ist.“ Das größte Verbesserungspotenzial? „Abwehrspiel, Zwei-gegen-zwei-Situationen, Entscheidungsverhalten“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.
Im Gespräch wirkt Sauter sehr klar, unaufgeregt, überlegt und reif, eher wie Mitte zwanzig. Das dürfte auch daran liegen, dass er sehr früh gelernt hat, selbstständig zu sein. Schon mit 13 wechselte der gebürtige Augsburger aus der Jugend des HC Erlangen in die Nachwuchsabteilung der Füchse Berlin. Ein mutiger Schritt. „In dem Alter denkt man aber noch nicht darüber nach, wie groß die Entscheidung ist und welche Tragweite das hat. Da sieht man vor allem die Chance.“ Sein Trainer: Bob Hanning, der schnell sein Förderer und Mentor wurde.
Jahrelang machte Sauter an der Sport-Eliteschule in Berlin-Hohenschönhausen den Spagat zwischen Handball und Schule. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Training, dann Schule, abends wieder Training und manchmal danach noch lernen, am Wochenende Spiele. Bis zum Abitur. Alles fern der Heimat und Familie.
Sauter: „Will mich langfristig in der Bundesliga etablieren“
„Das ist ein Alltag, der oft hart ist“, blickt Sauter zurück. „Da durchzuhalten, sich durchzubeißen, dranzubleiben, das prägt ungemein. Das formt den Charakter. Da wird man schnell reif.“ Den Opfern, die man bringt und dem, was man von seiner Jugend verpasst, stehen „unvergleichliche Erlebnisse an der Seite deiner Teamkollegen“ gegenüber, die Sauter weder missen noch zurücktauschen möchte, wie er betont.
Das Beste soll aber erst noch kommen. Sauter, der neben dem Handball ein Fernstudium der Medizintechnik (zweites Semester) absolviert, steht noch am Anfang seiner Profi-Karriere. „Ich möchte mich langfristig in der Bundesliga etablieren.“ Nicht als Mitläufer, sondern als Leistungsträger. Durchschnitt, Mittelmaß – damit gibt er sich nicht zufrieden. Sein innerer Antrieb scheint enorm. „Ich will immer höher und weiter.“
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Kein Wunder also, dass einer seiner sportlichen Träume die A-Nationalmannschaft ist. „Der Wunsch ist sehr groß“, sagt Sauter, der mit der deutschen U21 im vergangenen Jahr bei der Heim-WM Gold gewonnen hatte. Aber das sei nicht das Thema, das ihn derzeit umtreibe, schränkt er umgehend ein. „Ich konzentriere mich erst einmal voll auf die nächsten zwei Jahre in Hamburg.“ Und natürlich auf das nächste Spiel.