„Ich genieße jeden Moment“: Der HSV Hamburg lässt die Teenies los
Mit Vollgas auf der Zielgeraden. Hamburgs Handballer sind im Saisonendspurt und spielen um Siege, den bestmöglichen Abschluss und auch Abschied für jene Profis, die den Verein im Sommer verlassen. Für einige andere Spieler im Team des HSVH sind diese letzten Wochen dagegen ein Anfang – und ein aufregendes Abenteuer zwischen Schulbank und Bundesliga-Bühne.
Wir sind dann mal da! Neue Namen, neue Gesichter, an die sich nicht nur Gegner gewöhnen müssen, sondern auch viele der eigenen Fans. Vier Nachwuchsspieler waren beim jüngsten 31:23-Erfolg in Erlangen dabei und kamen sogar allesamt zum Einsatz: Toma Gadza (17/Rückraum), Maximilian Botta (19/Kreis), Anton Härtel (18/Linksaußen) und Mahmoud El-Shobaky (18/Rückraum), der sogar sein Profidebüt gab.
HSVH-Toptalent Gadza: „Ich genieße jeden Moment“
Mittendrin statt nur dabei. Auch im anstehenden Heimspiel gegen den TVB Stuttgart (Sonntag, 15 Uhr) wird mindestens einer von ihnen mitmischen. Dem Nachwuchs eine Chance – in der stärksten Liga der Welt. „Ich genieße jeden Moment auf dem Spielfeld“, sagt Gadza zur MOPO. „Ich versuche immer, mein Bestes für den Verein und für die Fans zu geben.“ Härtel spricht von einem „überragenden Gefühl, die Chance zu erhalten, sich auf solch einer Bühne zu zeigen und auch das Vertrauen der Trainer zu bekommen“.
Der Ligaendspurt ist zugleich Talente-Schau, Bewährungsprobe und Schnupperkurs, der auch motivieren soll. Jugend forsch(t). „Es ist ein erster Schritt“, betont Trainer Torsten Jansen im MOPO-Gespräch. „Die Jungs sollen lernen. Sie geben Gas, haben Spaß, saugen alles auf. Das ist schön zu sehen.“ Sportchef Johannes Bitter spricht von einer „gigantischen Erfahrung“ für die Youngster, die „einiges mitnehmen können“.
Verletzungssorgen im Kader als Chance für Nachwuchs
Der HSVH macht dabei die Not zur Tugend. Da derzeit einige Profis verletzt oder angeschlagen ausfallen oder kürzertreten, sind Plätze im Spieltagskader frei geworden. Und auch im Training werden die Nachwuchskräfte mehr denn je gebraucht.
Linkshänder Gadza ist in seiner spielerischen Entwicklung am weitesten. Er kann 21 Bundesliga(kurz)einsätze und fünf Tore in dieser Saison vorweisen. Aufgrund des Ausfalls von Oliver Norlyk ist er im rechten Rückraum nun die Nummer zwei hinter Jacob Lassen. Heißt: mehr Minuten. Der Kroate dürfte angesichts seiner bislang gezeigten Leistungen in der kommenden Saison dauerhaft bei den Profis dabei sein. „Mein Ziel ist es, mich in der ersten Mannschaft zu etablieren und mich mit dem Team in der Liga zu verbessern“, sagt Gadza. Er soll sich zudem in der U23, die in die 3. Liga aufgestiegen ist, weiterentwickeln.
Kreisläufer Botta (24 Bundesligaeinsätze, drei Tore) wird weiterhin für die U23 und künftig auch per Zweitspielrecht bei Zweitligist VfL Lübeck-Schwartau spielen. Den gleichen Doppelweg will der HSVH mit dem ägyptischen Rückraum-Rohdiamant El-Shobaky gehen. Härtel, der in Erlangen zu seinem zweiten Bundesliga-Einsatz kam, will sich „an die steigenden Anforderungen im Männerhandball anpassen, vor allem körperlich und taktisch“. Er rückt von der U19 in die U23 auf.
HSVH-Boss Bitter will die jungen Spieler fördern
„Wir fördern die Jungs, wo und wie es geht“, betont Bitter und erklärt: „Sie sind keine Mitläufer. Sie sind nah dran und trainieren regelmäßig bei der ersten Mannschaft. Wir wollen sie entwickeln, aufbauen und an das Bundesliga-Niveau heranführen. Und wenn Spieler ausfallen, dann bekommen sie eine Chance.“ Der HSVH wolle einen „fließenden Übergang schaffen“.
Lernen steht nicht nur beim Sport im Fokus. „Es ist wichtig, dass beides – also Handball und Schule – läuft“, sagt Gadza. „Durch die Unterstützung der Trainer und Lehrer kriege ich das hin. Das erleichtert mir meine schulische Zukunft. Ohne diese Hilfe könnte ich nicht sein, wo ich gerade bin.“ Härtel macht auf der Eliteschule des Sports derzeit sein Abitur. Er könne sich die Zeit zwischen Lernen, Training und Spielen „gut selbst einteilen“.
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Für die Nachwuchsspieler, die Erstliga-Luft atmen, ist entscheidend, die Erlebnisse realistisch einzuordnen. „Die Jungs dürfen sich freuen und es auch genießen, denn sie haben es sich verdient“, sagt Bitter. „Aber es ist wichtig, auf dem Boden zu bleiben und weiter hart an sich zu arbeiten.“