Hamburgs Handball-Kapitän Weller: „Wir sind alle in der Bringschuld!“
Viel vorgenommen, wenig hinbekommen. Der Start ins neue Jahr ist missglückt. Nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen wollen Hamburgs Handballer im dritten Anlauf vor eigenem Publikum endlich den ersten Sieg landen und wieder zu sich selbst finden. Nach der Trainer-Kritik ist die Mannschaft in der Pflicht und muss ein anderes Gesicht zeigen. Sportchef und Kapitän des HSVH reden in der MOPO Klartext.
Nicht nur das Hamburger Wetter ist ungemütlich, auch die Lage beim HSVH. Bei den Heimniederlagen gegen Schlusslicht Leipzig (33:35) und Flensburg (35:38) hatte die Mannschaft jeweils eine ganz schwache erste Halbzeit gespielt, reihenweise Fehler produziert, satte 19 und 20 Gegentore kassiert und es an den Grundtugenden fehlen lassen.
HSVH-Trainer Jansen sauer nach der Flensburg-Pleite
Trainer Torsten Jansen war derart frustriert, dass er nach dem Flensburg-Spiel zürnte, „keinen Bock mehr“ zu haben, mit der Mannschaft über taktische Dinge zu diskutieren, solange nicht die Basics wie Intensität, Aggressivität, Entschlossenheit und Emotionalität aufs Hallenparkett gebracht werden. Bereits in der Halbzeitpause war er laut geworden.
„Die Fakten geben Toto recht“, sagt Kapitän Niklas Weller im Gespräch mit der MOPO vor dem dritten Heimspiel in Serie gegen Melsungen am Sonntag (15.30 Uhr, Sporthalle). „Wir kriegen es im Moment nicht hin, diese Basics von Anfang an an den Tag zu legen. Wir sind nicht hellwach, machen haarsträubende Fehler, kassieren sofort schnelle Gegentore und lassen uns davon runterziehen. Jeder ist irgendwie mit sich selbst beschäftigt. Auch in der Abwehr arbeiten wir nicht immer ausreichend zusammen oder halten uns an das, was abgesprochen ist“, zählt der Routinier einige Defizite auf. „In Addition sieht das dann grausam aus. Das darf uns nicht passieren.“
Die Mannschaft, die nach einigen personellen Veränderungen vor der Saison ohnehin im Entwicklungsprozess steckt, hat nach der EM-Pause (fünf HSVH-Profis waren beim Turnier im Einsatz) noch nicht wieder zusammengefunden, weder spielerisch noch atmosphärisch. Es ist keine echte Einheit auf dem Spielfeld sichtbar. Auch individuell bleiben derzeit zu viele Spieler unter ihren Möglichkeiten. „Wir erwarten uns mehr und die Mannschaft kann auch mehr“, sagt Sportchef Johannes Bitter zur MOPO. „Es muss mehr miteinander und füreinander gearbeitet werden. Wir haben mit dem Team gesprochen und die Spieler untereinander. Sie sind gewillt, es gemeinsam zu verändern.“
Hamburgs Handballer kämpfen um das Wir-Gefühl
Der HSVH, der jetzt mit der kurzfristigen Verpflichtung seines ehemaligen Abwehr-Riesen und Mentalitätsspielers Azat Valiullin (35/2,05 Meter) personell nachgelegt hat, kämpft um das Wir-Gefühl. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, uns gegenseitig mehr unterstützen“, betont Weller. „Wir sind als Spieler in der Bringschuld, Vollgas zu geben. Von Anfang an.“
Dass es anders geht, hatten die Hamburger gegen Flensburg in der zweiten Halbzeit gezeigt, die das Team isoliert betrachtet mit 21:18 gewann. Bitter: „Das macht mir Mut, dass wir die aktuelle Situation schnell drehen können.“
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Sie müssen. Der HSVH steht mit 17:27 Punkten zwar noch im Mittelfeld der Tabelle, hat aber mehr Spiele als die meisten Teams dahinter absolviert und fünf Partien in Serie verloren. Kein Bundesligist ist aktuell erfolgloser. „Die Tabelle ist trügerisch“, warnt Jansen. „Wenn wir nicht die Kurve kriegen, kann es ganz schnell nach unten gehen. Das habe ich den Jungs deutlich gesagt.“ Ob seine Worte diesmal rechtzeitig kapiert und beherzigt werden?