Jacob Lassen vom HSV Hamburg wird von zwei Flensburger Gegenspielern gestoppt

Kaum ein Durchkommen: Jacob Lassen und seine Hamburger Mitspieler taten sich gegen Flensburg lange schwer, waren eine Halbzeit lang nicht voll bei der Sache. Foto: WITTERS

„Habe keinen Bock mehr“: Deutliche Jansen-Kritik nach Pleite der Hamburger Handballer

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Es war ein Handball-Fest im Volkspark, in dem Hamburgs Handballer nur eine Halbzeit lang das zeigten, was nötig ist, um einer Spitzenmannschaft vor großer Kulisse Probleme zu bereiten. Mit einer schwachen ersten Hälfte machte sich der HSV Hamburg erneut das Leben selbst schwer und hatte nach einer Aufholjagd im zweiten Durchgang am Ende mit 35:38 (14:20) das Nachsehen gegen die SG Flensburg-Handewitt. Trainer Torsten Jansen war nur mit dem Auftritt nach einer Kabinen-Predigt zufrieden und ansonsten bedient. Er übte Kritik an der Einstellung und schlug Alarm. Es scheint einiges im Argen zu liegen im Team.

Das Endergebnis sah besser und knapper aus, als es gewesen war während der 60 Minuten auf dem Spielfeld der Barclays Arena, die mit 9713 Zuschauenden gefüllt war – Saisonrekord für die Hamburger. Umso unerklärlicher war es, dass sich die Gastgeber nach schwungvollen ersten Minuten und einer 3:1-Führung die Butter vom Brot nehmen ließen, es in der Abwehr an der nötigen Intensität und Aggressivität und im Angriff an Tempo und auch Mut hatten fehlen lassen.

Torsten Jansen übt Kritik nach Niederlage gegen Flensburg

Der Coach war sichtlich angefressen und machte seinem Ärger direkt mit seinen ersten Worten nach Spielende Luft. „Ich habe keinen Bock mehr über irgendwelche taktischen Sachen zu reden, sondern da geht es um die reine Basis und wenn die da ist und das alles passt, dann können wir uns auch gerne über taktische Dinge und dies und jenes unterhalten. Aber wenn man so spielt, wie wir in der ersten Halbzeit, dann ist es egal gegen wen man spielt“, wetterte Jansen. 20 Gegentore nach 30 Minuten, „das geht auf die Moral“.

Schnell lag der HSV gegen den mit fünf dänischen Europameistern und den zwei deutschen Silber-Gewinnern Johannes Golla und Marko Grgic angetretenen Favoriten über 7:11 (15.) und 9:15 (20.) Minute hinten und die Köpfe gingen runter. „Ein bisschen wenig Energie, sehr fahrig, einfache Fehler“, zählte Jansen die Defizite auf. „Wenn man Flensburg das auf dem Silbertablett serviert, dann nehmen die das natürlich dankend an.“

HSV Hamburg erneut mit schwacher erster Halbzeit

Was Jansen wurmte: bereits im ersten Spiel des Jahres fünf Tage zuvor gegen Schlusslicht Leipzig hatte sein Team die erste Halbzeit vergurkt und am Ende mit 33:35 verloren. Der Lerneffekt daraus: nahezu Null.

Zu viele Spieler seien nicht mit 100 Prozent bei der Sache gewesen, hätten hinterfragt, warum dieser oder jener Spieler den Vorzug bekommen habe oder mit welcher taktischen Marschroute die Mannschaft agiere, anstatt erst einmal besagte Basics an den Tag zu legen und auf die Platte zu bringen.

HSV Hamburg dreht erst nach der Pause auf

Erst nach einer deutlichen Ansage in der Kabine zur Halbzeit und klaren Worten untereinander war die Mannschaft aufgewacht und hatte in den zweiten 30 Minuten ein anderes Gesicht gezeigt. „Mit der zweiten Halbzeit kann ich sehr gut leben“, meinte der Coach. Mit solch einer Leistung können wir es mit jedem Gegner aufnehmen, aber nicht so, wie wir es in der ersten Halbzeit gemacht habe und teilweise auch gegen Leipzig. Das ist ein bisschen schade, dass wir wieder erst da hinkommen müssen, uns sich das in der Kabine entsprechend anzuhören.“

Die zweiten 30 Minuten gewann der HSVH übrigens mit 21:18. Der wie verwandelt aus der Kabine gekommene Tabellenzehnte hatte sich gegen die drittplatzierten Flensburger Tor um Tor (und Parade für Parade von Keeper Robin Haug, der für Mohamed El-Tayar in die Partie gekommen war) herangekämpft und waren nach 40 Minuten beim 22:23 wieder dran und drin. Die Augenhöhe konnte allerdings nur fünf Minuten lang aufrecht erhalten werden, bis sich die Flensburger wieder über 26:31 (50.) und 30:37 (57.) entscheidend absetzen konnten. Die Schlussminuten waren Hamburger Ergebniskosmetik. Immerhin.

Bitter freut sich über große Kulisse beim HSV Hamburg

Die Bilanz von Sportchef Johannes Bitter fiel eher positiv aus. „Das Ergebnis geht total in Ordnung. Das Spiel hatte Höhen und Tiefen. Wir haben gezeigt, dass wir emotional da sind und Flensburg Paroli bieten können. Das haben wir gemacht. Von daher können wir mit dem Spiel leben. Knapp 10.000 Zuschauer sind eine schöne Kulisse. Ein tolles Nordderby.“

Doch die erste Halbzeit wirkte nach und überwog in der Beurteilung – zumindest bei Jansen, der offensichtlich gegensteuern will und deshalb den Finger in die Wunde legte. Seine klare Ansage: „Da muss jetzt jeder mal die Reflexion anschmeißen und sich fragen, ob das alles ist, was man da gegeben hat. Das ist immer blöd, weil man immer vom Charakter der Mannschaft spricht und ich das so nicht von denen kenne, aber vielleicht gibt es irgendwann man den Punkt zu sagen: so, jetzt müssen alle mal bei sich selbst anfangen und dann wird man zu keinem anderen Ergebnis kommen als das, was ich gesagt habe.“

Jansen fordert: Spieler müssen die Einstellung hinterfragen

Jansen war nicht bereit, nach der guten zweiten Halbzeit über die abermaligen Probleme in der ersten und auch grundsätzliche Uneinigkeit und Unstimmigkeiten hinwegzusehen. „Ich verstehe das nicht. Ich kann das nicht nachvollziehen“, meinte der 49-Jährige. „Aber da tickt jeder anders und in der Gemeinschaft wird das dann nochmal anders. Schwierige Phase, möchte ich mal sagen.“

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Das klingt nach jeder Menge Redebedarf in den kommenden Tagen. Nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen des Jahres wächst der Druck. Am kommenden Sonntag empfängt der HSVH im dritten Heimspiel in Serie den Tabellensiebten MT Melsungen. Die Mannschaft ist auch ihren Fans etwas schuldig.

Tore HSVH: Jørgensen (8/1), Andersen (7/2), Lassen (6), Sauter (5), Mortensen (4/2), Weller (2), Norlyk (2), Schmidt (1)

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