Endspurt des „extremen Typen“: Mortensen beim HSV Hamburg im Genießer-Modus
Abschiedstour? Mit dem Begriff kann Casper Mortensen nichts anfangen. Das klingt ihm zu sentimental und auch etwas zu gemütlich. Es passt nicht zu dem, was er in sich spürt: Feuer. „Ich brenne wie immer, habe Bock auf das nächste Spiel, will gewinnen und es besser machen als im Spiel davor“, sagt der Linksaußen des HSV Hamburg, der den Klub im Sommer verlassen, sich aus der Bundesliga verabschieden und in seine dänische Heimat zurückkehren wird. In der MOPO erzählt der Ballkünstler, was sich dennoch verändert hat, seit die Entscheidung öffentlich geworden ist.
Nichts, gar nichts mache er anders als sonst, in all den Jahren als Handballer, speziell den letzten viereinhalb beim HSVH. „Mein Mindset und meine Mentalität haben sich kein bisschen verändert, seit es raus ist, dass ich im Sommer nach Hause in meine Heimat gehe“, versichert der 36-Jährige.
Casper Mortensen genießt die letzten Spiele beim HSVH
Aber er nehme einiges vielleicht ein wenig bewusster wahr, weil er weiß, dass die Spiele gezählt sind und normale Momente besonderer werden. „Ich genieße jeden einzelnen Tag, jedes Spiel, auch jedes Training. Jeden Moment mit meinen Mitspielern, mit den Trainern, mit den Fans – und auch jeden Tag mit meiner Familie in Hamburg.“
Am 12. Februar hatte der HSVH offiziell verkündet, dass sich die Wege am Saisonende trennen werden. „Ich wusste aber schon seit letztem Sommer, dass es wahrscheinlich meine letzte Saison in Hamburg sein wird“, verrät der zweimalige Bundesliga-Torschützenkönig. Anfang des Jahres deutete er seinen Abschied in den sozialen Netzwerken an, die MOPO berichtete kurz darauf, dass die Entscheidung gefallen ist, dass er den Verein im Sommer verlassen wird.
„Ich habe viele nette Nachrichten bekommen, seit es offiziell ist“, berichtet Mortensen. Darunter Fans, Partner des HSVH, Spieler von anderen Klubs, ehemalige Weggefährten oder Persönlichkeiten aus der Handball-Szene. Bei den jüngsten Partien wurde er von Spielern des Gegners auf den nahenden Abschied angesprochen, von Melsungens Rechtsaußen Timo Kastening etwa, mit dem er sich über die Jahre viele direkte Duelle geliefert hatte: „Da bekommt man respektvolle Worte zu hören, teilt ein paar Erinnerungen. Das ist schön.“
Mortensen bekam Anfragen von anderen Vereinen
Einige der Nachrichten auf seinem Handy waren besonderer Natur. „Es gab Anfragen von dem einen oder anderen Verein“, verrät er augenzwinkernd. „Es ist schön, wenn es Interesse gibt.“ Mehr will er nicht preisgeben. „Und es ist ja auch noch gar nicht entschieden, ob ich überhaupt weiterspielen werde. Das wird sich alles ergeben.“
Was das Sportliche angeht, liegt sein Fokus auf dem Hier und Jetzt und dem HSVH. „Das ist mein Verein. Ich spüre Verantwortung und will in den nächsten vier Monaten die beste Version von mir sein, die ich sein kann, um meiner Mannschaft zu helfen“, betont der 131-malige Nationalspieler, der mit Dänemark Olympiasieger (2016) und Weltmeister (2019) wurde. „Ich ruhe mich nicht aus oder schalte zurück – auch nicht nach einem Sieg gegen Melsungen und sechs Toren bei sechs Versuchen. Ich will es immer noch besser machen. Ich bin halt ziemlich extrem, was Training und Vorbereitung, meinen Körper und meine mentale Einstellung angeht.“ Um 7 Uhr morgens im Kraftraum des Teams? Laut Mortensen eher die Regel als die Ausnahme in den vergangenen Jahren.
Mit Ehefrau Stine und Sohn Carlo plant er seine Zukunft
Auch wenn sich der Handballer Casper Mortensen in der Gegenwart bewegt und von Spiel zu Spiel guckt, muss der Familienvater Casper Mortensen vorausschauend sein und mit Ehefrau Stine die Zukunft planen. „Das läuft seit einigen Monaten. Wir führen viele Gespräche. Unser Sohn Carlo ist jetzt drei Jahre alt, wir wollen gute Bedingungen für sein weiteres Aufwachsen schaffen.“
Vom eigenen Nachwuchs zum Nachfolger, den der HSVH mit Noah Beyer (28/Bergischer HC) gefunden und zur kommenden Saison unter Vertrag genommen hat. Bei diesem Thema ist Mortensen weniger auskunftsfreudig. „Ich kenne Beyer nicht persönlich und kann ihn nicht einschätzen. Sie brauchten einen neuen Linksaußen und es ist gut, dass sie einen gefunden haben, aber ich konzentriere mich auf mich selbst und diese Saison.“
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Wehmut verspüre er bislang noch nicht, sagt der Torjäger, er ahnt aber, dass das letzte Heimspiel der Saison am 4. Juni gegen Wetzlar, sein persönliches Finale vor den eigenen Fans, „sicherlich sehr emotional werden wird“. Schnell schaltet er wieder in den Profi-Modus. „Für mich gibt es jetzt nur Vollgas. Wenn die Saison im Juni vorbei ist, dann will ich in den Spiegel gucken und sagen können, dass ich bis zum Schluss alles rausgehauen habe“, sagt Mortensen. „Bis dahin bleibe ich der Typ, der nie zufrieden ist.“