„Dann geht der Kopf an“: HSV Hamburg beißt sich zum Sieg und feiert ein Comeback
Geht doch! Nach zuletzt zwei bitteren Pleiten bei Kellerklubs haben sich Hamburgs Handballer mit einem Pflichtsieg vor eigenem Publikum zurückgemeldet. Gegen den Drittletzten GWD Minden feierte der HSVH nach schwacher erster Halbzeit einen am Ende souveränen 32:26 (15:16)-Sieg, biss sich durch, rehabilitierte sich für die Schlappe bei Schlusslicht Leipzig vier Tage zuvor und baute seine Heimserie mit dem vierten Erfolg nacheinander aus. „Das ist wichtig“, atmete Trainer Torsten Jansen durch. Sein Team beendet die Hinrunde mit 17:17 Punkten auf Rang neun.
Die schönste Nachricht gab es aber schon vor dem Anpfiff: Dominik Axmann stand erstmals nach seinem im März erlittenen Kreuzbandriss wieder im Kader, genau 280 Tage danach. Die Fans feierten den Rückraumspieler beim Einlaufen der eigenen Mannschaft besonders laut und anschließend mit Sprechchören. Bis zu seinem Comeback musste er sich dann aber noch eine knappe Stunde gedulden.
HSV Hamburg erwischt gegen Minden Blitzstart
Euphorisch startete seine Mannschaft in die Partie, legte dank starker Abwehrarbeit und eiskalter Chancenverwertung einen Blitzstart hin (4:1/4.) und sorgte für Stimmung in der Bude, wobei es auf den Tribünen der Sporthalle Hamburg viele leere Plätze gab – nur 2528 Zuschauende waren gekommen. Möglicherweise zogen einige, die sonst immer da sind, das zeitgleich im TV-übertragene WM-Finale der deutschen Frauen vor.
Wie auch in den letzten Spielen verlor der HSVH aus unerklärlichen Gründen den Faden, vergab durch die dänischen Außen Frederik Bon Andersen und Casper Mortensen, die beste Chancen versemmelten, eine mögliche 6:1-Führung, luden den anfangs verunsichert agierenden Gegner (mit Ex-Hamburger Azat Valiullin) mit weiteren Fehlwürfen und technischen Fehlern wieder ins Spiel ein und lagen nach einer Viertelstunde plötzlich mit 8:10 hinten. Das kühlte auch die Stimmung in der Halle wieder ab.
Unnötige Fehler und Probleme mit dem Druck
„Wir legen einen super Start hin, treffen dann aber die klarsten Chancen nicht und machen uns selbst das Leben schwer“, ärgerte sich Trainer Torsten Jansen später. Seine Mannen verkrampften zusehends. „Jeder erwartet, dass du klar gewinnst, aber dann geht auch der Kopf an.“ Gerade bei einem Rückstand. Ein Trigger-Effekt, nachdem der HSVH zuletzt insbesondere gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller Probleme und das eigene Leistungsniveau nicht erreicht hatte. „Der Druck lag bei uns, das habe ich in der Halbzeit in der Kabine gemerkt.“
Die erste Hälfte der Hausherren – bis auf die ersten fünf Minuten enttäuschend. Die Unzufriedenheit über den Auftritt war den Spielern, Chefcoach Jansen und Co-Trainer Blazenko Lackovic sowie den Vereinsbossen auf der Tribüne anzusehen. Die Laune besserte sich mit dem Wiederanpfiff minütlich.
Keeper Mohamed El-Tayar und Moritz Sauter überragend
Nach der Pause war es vor allem den Paraden von Keeper Mohamed El-Tayar (insgesamt 15) und den wuchtigen Toren des überragenden Moritz Sauter (neun Treffer) zu verdanken, dass der HSVH die Partie nach und nach in seine Richtung drehen und Mitte der Halbzeit eine Vier-Tore-Führung herauswerfen konnte (26:22/45.). Eine Vorentscheidung. Die Mindener hatten nichts mehr zuzusetzen, und das Jansen-Team zog unaufhaltsam auf zwischenzeitlich sieben Tore Vorsprung davon.
In der 57. Minute war es dann so weit: Axmann wurde eingewechselt und mit Standing Ovations gefeiert. Er winkte mit einem Lächeln ins Publikum und packte dann zunächst in der Abwehr zu, bevor er auch im Angriff ran durfte, aber mit seinem ersten und einzigen Torwurf scheiterte. Es wäre auch zu schön gewesen.
HSVH freut sich über Rückkehr von Dominik Axmann
„Es ist wichtig, dass er sich wieder als Teil der Mannschaft fühlt“, betonte Jansen. „Und das sollte er direkt spüren.“ Axmann soll allerdings behutsam an die Hochbelastung herangeführt werden, aber der Trainer ist überzeugt, dass der abwehrstarke Rückraumspieler der Mannschaft „immer mal wieder helfen“ wird.
„Das war schön. Ich habe es sehr genossen, wieder mit der Mannschaft auf dem Feld zu stehen“, zeigte sich Axmann selbst „sehr berührt davon, wie die Fans mich empfangen haben“.
Tore HSVH: Sauter (9), Jörgensen (6/1), Andersen (5/1), Lassen (5), Mortensen (3/1), Weller (1), Kofler (1), Botta (1), Olafsson (1)
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