Handball Hamburg
Auf und neben der Platte: In diesen Bereichen muss der HSV Hamburg besser werden
Der HSV Hamburg will Defizite beheben, Potenziale nutzen und einen neuen Teamgeist kreieren. Sportchef Johannes Bitter erklärt in der MOPO, wie das gelingen soll.
Nach der Saison ist vor der Saison. Auch wenn Hamburgs Handballer die Spielzeit in der Bundesliga gerade erst auf Platz zehn beendet haben und die Mannschaft in den Urlaub gegangen ist, laufen die Planungen für die kommende Saison weiter. Im Liga-Vergleich der Spieleretats hat der HSVH einmal mehr überperformt, aber dennoch lief nicht alles rund. Die MOPO sagt, was besser werden soll und muss.
Abwehr: 1086 Gegentore hat der HSVH in der abgelaufenen Spielzeit kassiert – nur bei Absteiger Minden waren es noch mehr (1090). Im Schnitt 32 gegnerische Treffer pro Spiel sind zu viele und haben Punkte gekostet. Zwar spielt die Mannschaft von Trainer Torsten Jansen einen schnellen Handball, was bedeutet, dass nicht nur das eigene Team (1065 erzielte Tore, sechstbester Wert in der Liga), sondern auch der Gegner mehr Angriffe hat und zu mehr Treffern kommt. Aber zu oft haben Kompaktheit, Stabilität, Aggressivität gefehlt, kamen die Gegenspieler zu schnell und zu leicht durch. „Wir wissen, dass wir in der Abwehr besser werden und besser zusammenarbeiten müssen“, sagt Sportchef Johannes Bitter zur MOPO.
Mit Kreisläufer Andreas Magaard verlässt einer der besten Abwehrspieler den Verein, aber mit dem norwegischen Nationalspieler Martin Hovde hofft der HSVH, einen guten Ersatz gefunden zu haben. Der Zwei-Meter-Mann muss sich erst in der Liga einfinden, dürfte jedoch deutlich verfügbarer als sein oft verletzter Vorgänger sein. Nach dem Umbruch in diesem Sommer muss sich die Abwehr aber einspielen.
HSVH ließ zu oft die Einstellung vermissen
Einstellung: Dieser Punkt steht in Zusammenhang mit der Abwehrproblematik. Zu oft waren Einsatz und Leidenschaft nicht auf dem nötigen Level, wurde halbgar agiert. Mehrmals hatte Jansen kritisiert, dass es an den Grundtugenden gemangelt habe. Warum nicht Intensität zur neuen Identität erklären? Zum Grundsatz machen, dass kein Gegner in diesem Bereich besser sein darf. Auch um den Teamgeist war es schon mal besser bestellt als in der vergangenen Saison. Da hatte es in der Mannschaft zu viele Einzelinteressen und konträre Meinungen zu Ausrichtung oder Aufstellungen gegeben. Der HSVH muss dringend zur Geschlossenheit zurück. Der Umbruch soll dabei helfen.
Tor: Bei der Keeper-Leistung liegen die Hamburger mit 25,05 Prozent abgewehrter Bälle nur auf Platz 14 von 18 Vereinen in der Liga. Verbesserungswürdig – wobei das auch für das Zusammenspiel mit der Abwehr gilt, die die Torhüter zu oft im Stich gelassen hatte. Ab Sommer setzt der HSVH voll auf Robin Haug, der nach dem Abgang von Mohamed El-Tayar die klare Nummer eins ist. „Natürlich wünschen wir uns von Robin den nächsten Schritt“, so Bitter. Der muss sogar kommen. Denn sein neuer Kompagnon ist Leon Nowottny (20) vom THW Kiel (zuletzt bei Zweitligist Großwallstadt), der hochtalentiert ist, aber noch unerfahren.
Bei den Fans ist in Hamburg Luft nach oben
Zuschauer: Im Schnitt 4713 Fans kamen zu den Heimspielen, von denen zehn in der Sporthalle (bei Handball 3750 Plätze) und sieben in der Barclays Arena (12.500 Plätze) stiegen. Eine Steigerung zum Vorjahr (4221 im Schnitt), weil häufiger in der Arena gespielt wurde. Bei der Hallen-Auslastung ist der HSVH Liga-Schlusslicht – wegen der Arena-Duelle. Den Rekordbesuch gab es gegen Kiel (11.619), gefolgt von den Spielen gegen Berlin (10.000) und Flensburg (9713). Aber gegen Meister Magdeburg (6242), Melsungen (4916), Gummersbach (4870) und Göppingen (4165) waren die Zahlen dürftig. Für die zweitgrößte deutsche Stadt ist und bleibt das zu wenig – und reicht dauerhaft auch wirtschaftlich nicht.
Finanzen: Der massive Schuldenschnitt im Dezember 2025, bei dem Altlasten in Höhe von zehn Millionen Euro durch Umwandlungen in Gesellschafteranteile von Geldgeber und Aufsichtsrat Philipp J. Müller sowie Forderungsverzicht von Gläubigern abgebaut wurden, war ein Durchbruch – und dennoch nur ein Anfang. Der Verein muss endlich Ausgaben und Einnahmen in ein gesundes Verhältnis bringen und in die schwarzen Zahlen kommen. Das geht über Zuschauereinnahmen, aber mehr noch über Sponsoren. Hier gibt es Potenzial und Nachholbedarf. Es ist eine große Herausforderung für den noch gesuchten neuen Geschäftsführer, der auf den scheidenden Christian Hüneburg folgt. Dieser berichtet: „Derzeit finden viele Gespräche mit potenziell neuen Partnern statt.“ Jetzt gilt es, Abschlüsse zu erzielen.
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