„Als kleiner Junge habe ich davon geträumt“: Hamburger Sauter vor Deutschland-Debüt
Es ist der nächste große Schritt für Moritz Sauter, die Erfüllung eines jahrelangen Traumes und auch für seinen Verein ein Erfolg. Der HSVH-Rückraumspieler der Hamburger Bundesliga-Handballer wird erstmals für die deutsche A-Nationalmannschaft auflaufen. Der bevorstehende Lehrgang mit zwei Knaller-Duellen auf großer Bühne könnte seiner noch jungen Karriere eine neue und entscheidende Richtung geben. Die wohl größte Herausforderung dabei: genau daran keinen Gedanken zu verschwenden.
Es sind aufregende Tage für Sauter. Vor ihm liegen außergewöhnliche sportliche Aufgaben in der stärksten Liga der Welt und dann auf internationalem Parkett: das Beste vom Besten. Oberstes Regal. Nonplusultra. Schlag auf Schlag. Ein echter Highlight-Hattrick für den 23-Jährigen, Challenge und Chance in einem. „Ich will das Beste daraus machen“, sagt Sauter im Gespräch mit der MOPO vor der für ihn persönlich aufregendsten Woche der Saison. „Ich freue mich darauf.“
Sauter stehen zwei DHB-Duelle gegen Dänemark bevor
In der Bundesliga tritt er mit seinem HSVH zunächst am Sonntag beim unangefochtenen Spitzenreiter und designierten Meister SC Magdeburg an, der seit Jahren die Heimmacht der Liga und obendrein noch amtierender Champions-League-Sieger ist. „Alles geben und möglichst lange dagegenhalten“, formuliert Sauter die Marschroute der Hamburger Handballer.
Alles geben und zugleich alles mitnehmen lautet seine persönliche Devise für die folgenden Tage. Am Montag startet in Köln der Nationalmannschaftslehrgang mit zwei Testspielen gegen Dänemark, das Maß aller Dinge im Welthandball. Das erste Kräftemessen des Vize-Europameisters gegen den Olympiasieger, Welt- und Europameister steigt am Freitag (15. Mai) in Kopenhagen, das zweite Duell zwei Tage später in Köln (17. Mai).
Eine Premiere für Sauter, der erstmals von Bundestrainer Alfred Gíslason ins Team berufen worden ist – als erster HSVH-Spieler seit Keeper Johannes Bitter, der bei der von Corona beeinträchtigten EM 2022 kurzfristig nachnominiert worden war. Im Vorfeld der EM 2026 hatte Sauter zum erweiterten 35-Mann-Kader gezählt. Nun zählt der 1,86 Meter große Mittelmann zum 17er-Kader für die Dänemark-Duelle und trifft auf sieben andere Spieler, mit denen er 2023 U21-Weltmeister geworden war, darunter die längst im A-Team etablierten Renars Uscins, Justus Fischer, David Späth und Nils Lichtlein. Ein Wiedersehen der besonderen Art. Im nächsten Level.
Nach der Nominierung musste er erst mal durchpusten
Wenn Sauter noch einmal von dem Moment der Benachrichtigung erzählt, ist zu spüren, wie viel ihm die Nominierung bedeutet. Am letzten Montag im April, einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe des Kaders für den nun anstehenden Lehrgang, habe er nachmittags Gíslasons Co-Trainer Erik Wudtke zurückgerufen, dessen Anruf Sauter zunächst verpasst hatte. „Er hat mir gesagt, dass ich dabei bin. Das war ein sehr, sehr schönes Gefühl“, berichtet Sauter, der Wudtke schon aus dem Juniorenbereich kannte. „Wir haben dann noch fünf Minuten gequatscht. Danach habe ich mich erst mal auf die Couch gesetzt, um mich zu sammeln, mit meiner Freundin gesprochen und dann meine Familie informiert. Es war die pure Freude. Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt, für die Nationalmannschaft zu spielen.“
Jetzt ist es endlich so weit. Sauter hat lange, hart und ausdauernd darauf hingearbeitet, bereits mit seinem Wechsel vom VfL Potsdam zum HSVH im Sommer 2024 die Weichen für seine Weiterentwicklung zum Bundesligaspieler und zur Stammkraft gestellt. Nach dem Abschied von Co-Kapitän Leif Tissier vor dieser Spielzeit ist seine Rolle größer geworden. Sauter ist Leistungsträger, mit bislang 140 Saisontoren (alle aus dem Feld) drittbester Schütze des Teams, und hat 58 Assists geliefert.
„Es geht immer besser“, sagt der ebenso ehrgeizige wie selbstkritische Sauter, der mit seiner zweiten Spielzeit in Hamburg „im Großen und Ganzen zufrieden“ ist, wenngleich ihn die hohe Anzahl an technischen Fehlern (61) wurmt: „Es sind einfach zu viele. Zu viele unnötige. Das ärgert mich.“ Die Erklärung liefert er gleich im Nachsatz, von einem Seufzer begleitet: „Das ist halt das Problem, wenn man zu schnell zu viel will.“
HSVH-Profi Sauter will im Nationalteam alles geben
Genau das will er bei seiner Nationalmannschaftspremiere in den Trainingseinheiten und Spielen vermeiden. Sein Ziel für die Tage im DHB-Kreis: „Ich werde alles geben, möchte überzeugen, alles aufsaugen, lernen und möglichst viel mitnehmen.“ Dabei will er mit der nötigen Konzentration, aber auch Lockerheit Pluspunkte sammeln. „Ich habe mir nicht zu viel vorgenommen, denn ich will nicht zu verkopft an die Sache herangehen.“
Das erste Mal soll keine schöne Ausnahme, sondern ein Anfang sein. Was seine Perspektiven in der DHB-Auswahl angeht, hält er sich zurück und formuliert keinerlei Erwartungen oder gar Ansprüche, wissend, dass er bei seiner Nominierung auch vom Ausfall von DHB-Star Julian Köster profitiert hat. „Ich will gar nicht so weit in die Zukunft schauen“, sagt Sauter. „Ich kann nur meine eigene Leistung beeinflussen. Wir haben eine sehr, sehr gute Nationalmannschaft, auch in der Breite. Am Ende des Tages entscheidet der Bundestrainer.“ Das mit ihm und dem Nationalteam müsse „homogen wachsen“, wie er es formuliert.
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Einen Blick in die Zukunft erlaubt sich Sauter, der am liebsten Schritt für Schritt plant, dann ausnahmsweise doch noch, denn mit der WM 2027 im eigenen Land steht schließlich ein Ausnahmeereignis bevor. „Natürlich ist die Heim-WM ein Traum und reizt mich“, sagt er auf Nachfrage, aber er will sich damit nicht unter Druck setzen, sondern das Szenario als Motivation nutzen. Als Antrieb, um noch besser zu werden.