Deniz Undav jubelt

Deniz Undav bejubelt sein Tor zum DFB-Sieg. Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Zwei Hamburger crashen fast DFB-Sieg – Retter Undav tadelt Fans: „Ich bitte jeden…“

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Der letzte Test vor der Weltmeisterschaft stand für die deutsche Nationalmannschaft am Montagabend (20.45 Uhr) gegen Ghana an. Die letzte Chance für Bundestrainer Julian Nagelsmann, eine Startelf zu testen, bevor es so richtig ernst wird. Beinahe crashten zwei Hamburger den DFB-Sieg. Eine besondere Rolle spielte beim 2:1-Sieg der DFB-Elf zudem Deniz Undav – selbst, bevor er auf dem Platz stand und nach Abpfiff.

Im Vergleich zum vergangenen Spiel gegen die Schweiz stellte Nagelsmann auf vier Positionen um. Nathaniel Brown (Eintracht Frankfurt) feierte sein Startelfdebüt für die DFB-Elf und rückte für David Raum (RB Leipzig) in die Anfangsformation. Für Leon Goretzka (FC Bayern) durfte Pascal Groß (Brighton & Hove Albion) von Beginn an ran. Nick Woltemade (Newcastle United) ersetzte bei seiner Rückkehr nach Stuttgart Leroy Sané (Galatasaray Istanbul). Auch Stuttgart-Profi Alexander Nübel durfte in seinem heimischen Stadion starten. Für ihn blieb Oliver Baumann (TSG Hoffenheim) auf der Bank. Nagelsmann erklärte diesen Schritt als „Belohnung“ für Nübel. Am Status als Nummer eins ändere die Entscheidung für Baumann mit Blick auf die WM nichts.

Nagelsmann erklärt Undav-Rolle

Auf den Heimvorteil verzichtete Nagelsmann im Fall von Deniz Undav (VfB Stuttgart), der trotz starker Leistungen in der Liga erneut auf der Bank Platz nehmen musste. „Deniz hat viele gute Aktionen, auch in der Liga, wenn der Gegner schon ein bisschen müde ist, weil er einfach eine außergewöhnliche Kreativität hat. Und die geht so ein bisschen flöten, wenn er sehr viel im Spiel erst mal arbeiten muss“, erklärte der Bundestrainer in der „ARD“ vor Anpfiff.

Deniz Undav musste über die Sprechchöre während des Spiels lachen. imago/Pressefoto Baumann
Deniz Undav lacht
Deniz Undav musste über die Sprechchöre während des Spiels lachen.

„Dann wird das auch bei der WM so sein. Wir haben Rollen definiert. Wenn ich ein Rollengespräch führe, dann muss ich mich auch ansatzweise an dieses Gespräch halten. Sonst kann ich meine Glaubwürdigkeit vergessen“, so Nagelsmann weiter über Undav. Auf der Tribüne hatten wenige Fans Verständnis für diese Entscheidung. Mehrfach hallten „Deniz Undav“-Rufe durch die MHP Arena. Undav selbst reagierte mit einem Lächeln, und gab den Fans für diese Aktion einen Daumen nach oben.

DFB-Elf startet stark – Fans werden erhört

Auf Ghanaer Seite musste sich HSV-Profi Ransford Königsdörffer zunächst mit einem Platz auf der Bank begnügen. Mit Derrick Köhn (Union Berlin) stand zumindest ein gebürtiger Hamburger im Aufgebot von Ghanas Nationalcoach Otto Addo – ebenfalls gebürtiger Hamburger. In der ersten Halbzeit war es über große Strecken ein Spiel auf ein Tor. Doch Deutschland konnte seine Chancen zunächst nicht nutzen. Nach einem schönen Zuspiel von Joshua Kimmich auf Nick Woltemade, der wiederum auf Florian Wirtz ablegte, zappelte der Ball erstmals im ghanaischen Tor (33.). Aufgrund einer hauchzarten Abseitsstellung von Woltemade behielt das Tor jedoch nicht seine Gültigkeit.

633 Tage nach dem berühmten, und aus deutscher Sicht tragischen, Handspiel von Spaniens Marc Cucurella im Viertelfinale der Heim-EM kehrte die Nagelsmann-Elf zurück in die MHP Arena in Stuttgart zurück. „633 Tage zu spät“ kam dann der Elfmeter-Pfiff, wie ARD-Kommentator Philipp Sohmer schnell anmerkte. Den fälligen Handelfmeter verwandelte Kai Havertz in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum 1:0.

Kai Havertz verwandelte seinen Elfmeter zum 1:0. picture alliance / Kirchner-Media | Bahho Kara
Kai Havertz schießt Elfmeter
Kai Havertz verwandelte seinen Elfmeter zum 1:0.

Nach der Halbzeit wurden die Gesänge der Fans dann erhört und Undav kam für Havertz ins Spiel. Auch vom Feld musste Jonathan Tah, ein weiterer gebürtiger Hamburger. Nach 60 Minuten kam dann direkt der nächste Hamburger und Ex-HSV-Profi in die Partie: Josha Vagnoman feierte seinen zweiten Einsatz für die deutsche Nationalmannschaft.

Zwei Hamburger beim Ausgleich im Fokus

In der 69. Minute standen zwei Hamburger im Mittelpunkt. Köhn setzte sich auf der deutschen rechten Abwehrseite gegen Vagnoman durch und bediente Abdul Fatawu, der zum 1:1 einschob. „Das war zu einfach“, beschrieb Nagelsmann die Situation nach der Partie.

Dass die Zuschauer am Montagabend Freude daran hatte, ihre Meinung über Spieler kundzutun, zeigte sich nicht nur im positiven Sinne. Als Leroy Sané für die DFB–Elf eingewechselt wurde (79.) gab es vermehrt Pfiffe und Buhrufe.

Im Interview nach dem Spiel wollte Undav diesbezüglich noch etwas los werden und griff sich das ARD-Mikrofon: „Ich fand‘s wie gesagt schön von den Fans, wie die mich bejubelt haben. Danke nochmal dafür. Aber ich hoffe, und ich bitte da jeden Fan, dass man, wenn Leroy oder irgendein anderer Spieler reinkommt, dann nicht buht“, gab Undav nach Abpfiff deutlich zu verstehen. „Egal, was ein Spieler macht, wie er ist: Man sollte hinter der Mannschaft stehen. Es ist wichtig, dass wir mit den Fans eine Einheit werden. Das fand ich schade. Wir sind eine Mannschaft, Leroy gehört genauso dazu.“

Nagelsmann über Sané: „Nicht super fair“

„Ich finde es nicht schön, wenn Spieler ausgepfiffen werden. Ich finde, wenn die Spieler einen Adler auf der Brust tragen, sollten wir sie solange tragen, wie sie den Adler auf der Brust tragen“, bezog sich Nagelsmann nach dem Spiel auf die Pfiffe. „Ich finde es nicht super fair ihn auszupfeifen, bevor er die erste Aktion hatte.“

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Was die Fans im Positiven bewirken können, wurde wenig später deutlich. Kurz vor Schluss die erneute Führung für die DFB-Elf (87.). Torschütze: Deniz Undav, wer auch sonst, könnte man meinen. Entsprechend groß der Jubel in Stuttgart, entsprechend laut die Sprechchöre im Anschluss. Das späte Tor von Undav setzte gleichzeitig den Schlusspunkt. Nicht nur für das Spiel, sondern auch für die Testspiel-Phase des DFB. Nicht zum Einsatz kam für Ghana HSV-Stürmer Königsdörffer.

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