HSV-Profis bejubeln ein Tor im Volksparkstadion

Die HSV-Profis bejubeln ein Tor im Volksparkstadion. Währenddessen wird am TV inzwischen meist der xGoals-Wert des Treffers diskutiert. Foto: WITTERS

xGoals, xPoints & Co.: Was bedeuten diese neuen Fußball-Fachbegriffe?

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Fußball-Fans, die regelmäßig die Bundesliga bei DAZN oder Sky verfolgen, haben die neuesten Fachbegriffe schon mehrfach gehört. Es geht nicht mehr nur um Abseits, Ballbesitz, Zweikämpfe und Passquote. Moderne Kennzahlen wie xGoals, xSaves und xPoints haben in den fußballerischen Sprachgebrauch Einzug erhalten. Doch was bedeuten diese neuen Fachwörter genau? Und wie berechnet man überhaupt xGoals?

Was sind xGoals und xG?

Im Grunde sind xGoals (kurz: xG) der statistische Ausdruck davon, wenn ein Fan sagt, das sei „eine hundertprozentige Torchance“ oder „den muss er doch reinmachen“. Es steht für „Expected Goals“, also für erwartete Tore. Die Zahl sagt aus, wie stark man erwarten kann, dass aus genau dieser Situation heraus ein Tor fällt. Damit wird also die Wahrscheinlichkeit ausgedrückt, dass aus einer Torchance auch wirklich ein Tor wird.

Mit dieser Grafik veranschaulicht die DFL-Tochter „Sportec Solutions“ die Berechnung der xGoals. DFL/Sportec Solutions
Grafik von DFL und Sportec Solutions zu xGoals (wie xSaves und xPoints) im Fußball
Mit dieser Grafik veranschaulicht die DFL-Tochter „Sportec Solutions“ die Berechnung der xGoals.

Wie werden Expected Goals berechnet?

xGoals sind ein Prozentwert, also zwischen 0 und 1. Datenanbieter nehmen Tausende von vergleichbaren Situationen und berechnen damit in Sekundenschnelle, wie oft es in der Vergangenheit zu einem Treffer kam. Nach Angaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wurden dafür mehr als 40.000 Fußballclips ausgewertet. Ist der xGoals-Wert für eine Chance also 0,37, bedeutet das, dass der Ball in solchen Situationen zu 37 Prozent ins Tor ging. Oder anders ausgedrückt: Wenn es zuvor 100 ähnliche Torchancen gegeben hat, führten davon 37 zu einem Treffer. Ein Elfmeter hat zum Beispiel einen standardmäßigen xGoals-Wert von 0,77 – weil statistisch gesehen genau 77 Prozent aller Strafstöße verwandelt werden.

Was ist in xGoals alles berücksichtigt?

In die Berechnung fließen zahlreiche Faktoren ein, die die Qualität einer Torchance beschreiben. Unter anderem zählen dazu:

  • die Distanz zum Tor
  • der Winkel zum Tor
  • wie frei der Spieler beim Abschluss ist
  • wie viele Gegenspieler in der Nähe sind
  • die Geschwindigkeit beim Schuss
  • ob der starke oder schwache Fuß verwendet wird

Das wichtigste Attribut nennt sich „Shot Condition“, also Torschussbedingung. Dadurch ist eine Chance aus fünf Metern vor dem leeren Tor natürlich höher zu bewerten als ein Distanzschuss aus spitzem Winkel unter Gegnerdruck. Die exakte Berechnung unterscheidet sich leicht je nach Anbieter. Offizieller Anbieter der Bundesliga ist die DFL-Tochter „Sportec Solutions“.

Warum gibt es überhaupt xGoals im Fußball?

Mit der Einführung der neuen Kennzahlen wollen Datenanbieter noch präzisere Spieldaten erfassen. Schließlich wird bei der klassischen Torschuss-Statistik nicht unterschieden, wie gut und wie gefährlich die Schüsse wirklich waren. Am Ende eines Spiels werden alle xGoals einer Mannschaft addiert und gegenübergestellt. So hatte der HSV beispielsweise beim 2:3 bei Borussia Dortmund am 27. Spieltag der Saison 2025/26 einen xGoals-Wert von nur 1,25, hätte aufgrund der Statistik also kaum mehr als ein Tor schießen dürfen. Der BVB hingegen hatte einen xGoals-Wert von 5,68 und hätte damit eigentlich zwischen fünf und sechs Treffer erzielen können. Übersetzt heißt das, dass der HSV seine (weniger und schlechteren) Chancen deutlich besser genutzt hat als die Dortmunder.

Beim 2:3 in Dortmund (hier erzielt Ramy Bensebaini gerade das Siegtor per Elfmeter) hatte der HSV einen niedrigen xGoals-Wert, der BVB hingegen hätte sogar fünf oder sechs Tore machen können. WITTERS
Ramy Bensebaini von Borussia Dortmund erzielt ein Elfmeter-Tor gegen den HSV
Beim 2:3 in Dortmund (hier erzielt Ramy Bensebaini gerade das Siegtor per Elfmeter) hatte der HSV einen niedrigen xGoals-Wert, der BVB hingegen hätte sogar fünf oder sechs Tore machen können.

Was sind dann xSaves?

xGoals bewerten die Qualität einer Torchance. Dieses Prinzip funktioniert nicht nur für den Schützen, sondern auch für den Torhüter. xSaves ist also dasselbe aus Sicht des Keepers. Wie erwartbar war es, dass der Torwart diesen Schuss pariert? Auch hier spielen die gleichen Faktoren eine Rolle. xSaves ist so etwas wie der Gegenpol der xGoals. Je höher die xGoals (also die Wahrscheinlichkeit, dass aus der Chance ein Tor fällt), desto niedriger automatisch die xSaves (also die Wahrscheinlichkeit, dass der Torhüter den Ball hält). In der Praxis spielen am Bundesliga-Wochenende meist nur xGoals eine Rolle.

Und was bedeuten xPoints (xP)?

Nimmt man jedes einzelne Bundesliga-Spiel und vergibt die Punkte nicht nach den tatsächlich erzielten Toren, sondern nach den xGoals, ergibt sich eine neue Tabelle. Sie berechnet sich nach den xPoints (kurz: xP), also den erwarteten Punkten. Verliert der HSV ein Spiel, obwohl er einen höheren xGoals-Wert als der Gegner hat, bekommt er faktisch null Punkte – aber drei xPoints, weil die Statistik ja einen Sieg erwartet hätte. Nach der Hinrunde der Saison 2025/26 hatte der HSV beispielsweise 16 Punkte auf dem Konto, aber 17,62 xPoints. Die Hamburger hätten statistisch gesehen also 1,62 Zähler mehr verdient gehabt.

Wo findet man diese ganzen Zahlen?

Mittlerweile gehören xGoals zu den Standard-Kennzahlen bei Fußball-Live-Übertragungen. Bei Sky, DAZN & Co. wird nach jedem Tor der xGoals-Wert eingeblendet und häufig vom Kommentator aufgegriffen oder erklärt. Auch in der Halbzeit und nach Abpfiff stellt eine Grafik bei jedem Spiel sofort die erzielten Tore und die erwarteten Tore (also die xGoals) gegenüber. Damit lässt sich auf einen Blick erkennen, ob eine Mannschaft ihre Chancen gut genutzt hat oder nicht. Auch beim Scouting spielen xGoals und xSaves eine immer größere Rolle.

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