WM-Boykott wegen Trump? DFB-Kapitän Kimmich hat Katar nicht vergessen
Wird ein WM-Boykott wegen Donald Trumps Politik zum Thema? Joshua Kimmich will die Debatten abseits des Fußballs vor dem Turnier im Sommer in Nordamerika (11. Juni bis 19. Juli) möglichst ausblenden.
„Ich nehme nicht mehr teil an der politischen Diskussion“, sagte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft nach dem Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen Union Saint-Gilloise (2:0) mit einem Schmunzeln über die aufkommenden Rufe nach einem WM-Boykott. Das Turnier findet in den USA, Mexiko und Kanada statt.
Seine Haltung zu einem WM-Boykott sei eine Lehre aus der WM 2022 in Katar, erklärte Kimmich. „Das haben wir ja gemerkt, dass es nicht zielführend ist, wenn wir Spieler uns da zu sehr politisch äußern.“ Es sei zwar „auch ein bisschen unsere Verantwortung, sich bis zu einem gewissen Punkt zu äußern. Aber ich glaube, da haben wir andere Menschen in Deutschland und beim DFB, die sich da besser auskennen und sich dazu äußern sollen.“
WM-Boykott? Kimmich hält sich bewusst zurück

In Katar hatte es wegen der Menschenrechts-Situation im Land beim DFB-Team tagelange Diskussionen um die sogenannte „One Love“-Binde gegeben. Am Ende hatte die FIFA die Binde verboten, schließlich gab die Mannschaft vor dem verlorenen Gruppen-Auftakt gegen Japan ein Statement ab, indem sich die Spieler beim Mannschaftsfoto den Mund zuhielten. Insgesamt ging die Aktion eher nach hinten los, zumal die DFB-Elf sportlich kläglich versagte.
Zuletzt hatten erste Politiker und auch St. Pauli-Präsident Oke Göttlich einen WM-Boykott als Reaktion auf die aggressive US-Außenpolitik und die Drohungen von Präsident Donald Trump gegen Europa ins Spiel gebracht. Der DFB schweigt bislang zu diesem Thema.
FIFA überreichte Trump einen „Friedenspreis“
Für Trump ist die Fußball-WM eine riesige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit – auch wenn er mit „Soccer“ bislang eigentlich nicht viel zu tun hatte, die Grenze zu Co-Gastgeber Mexiko gerne komplett schließen, und Kanada am liebsten in die USA einverleiben würde. Die WM-Ausrichtung ist ein riesiges Prestigeprojekt.

Zwischen dem US-Präsidenten und FIFA-Chef Gianni Infantino hatte sich schon weit vor dem Grönland-Konflikt eine besondere, teils sehr kritisch bewertete Dynamik ergeben. Während der WM-Auslosung im Dezember hatte Infantino anbiedernd den sogenannten FIFA-Friedenspreis an den US-Präsidenten übergeben, der gerne offiziell den Friedensnobelpreis gewonnen hätte.
Aktuell erscheint ein WM-Boykott unrealistisch. Zu viel Geld und Prestige stehen für die Fußballverbände auf dem Spiel. Stand heute wird das XXL-Turnier ebenso pünktlich mit dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko angepfiffen wie das erste deutsche Spiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao. (sid/dpa)
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