Fußball

„Unbeschreiblicher Tag“: HSV-Filiale Elversberg sorgt für ersten Bundesliga-Coup

Spieler von SV Elversberg und Bayer 04 Leverkusen laufen in der URSAPHARM-Arena aufs Feld.
Der SV Elversberg schlägt Bayer Leverkusen in ihrem Bundesliga-Auftaktspiel mit 3:2.

Die SV Elversberg sorgt gleich zum Liga-Auftakt gegen Bayer Leverkusen für eine Sensation. Der Aufsteiger nimmt den Europapokal-Teilnehmer phasenweise auseinander.

Als die Sensation perfekt war, brachen im sonst so beschaulichen Elversberg alle Dämme. Die Tribünen der Stadion-Baustelle bebten förmlich, die Fans lagen sich freudetrunken in den Armen – und die SV-Spieler? Die hüpften nach dem 3:2 (2:0)-Coup des Aufsteigers bei der historischen Erstliga-Premiere gegen Bayer Leverkusen ausgelassen über den Rasen. Unter ihnen einige Spieler mit HSV-Vergangenheit.

„Das ist ein unbeschreiblicher Tag“, sagte Elversbergs Kapitän Lukas Pinckert bei Sky nach dem dicken Ausrufezeichen gegen den haushohen Favoriten: „Wir haben es uns hart erarbeitet, in dieser Liga spielen zu dürfen. Der Sieg ist verdient. Ich bin unheimlich stolz auf das Team.“ Pinckert wurde beim HSV ausgebildet, spielte zehn Jahre in Hamburg. Neben Pinckert standen mit Maximilian Rohr (2020-2022), Jan Gyamerah (2019-2022) und Lukasz Poreba (2023-2025) gleich drei weitere ehemalige HSV-Profis in der Startelf.

Wir machen einfach so weiter, wie wir in der zweiten Liga gespielt haben.

Lukas Petvok

Der vor allem anfangs furios aufspielende Aufsteiger erwischte einen Traumstart in seine erste Saison im Oberhaus. Der mit 13.000 Einwohnern kleinste Erstliga-Standort der Historie nahm den Europapokal-Teilnehmer dabei phasenweise auseinander. „Wir sind nicht nur aufgestiegen, um Erfahrung zu sammeln. Wir wollen hier drin bleiben, auf unsere Art und Weise. Voll drauf, keine Angst“, sagte Torschütze Lukas Petkov: „Wir machen einfach so weiter, wie wir in der zweiten Liga gespielt haben.“

Doppelschlag binnen 61 Sekunden

Petkov (8.) und Cole Campbell (9.) brachten die Saarländer mit einem Doppelschlag binnen 61 Sekunden in Führung, David Mokwa (46.) legte direkt nach der Pause nach. Patrik Schick (77.) und Christian Kofane (90.+1) gelang in der Schlussphase nur noch Ergebniskosmetik.

Lukas Petkov feiert mit Mitspielern das 1:0 für Elversberg gegen Leverkusen.
Der Belgier Lukas Petkov schoss in der achten Minute das 1:0 für die Elversberger.

Bayers neuer Trainer Carles Martínez erlebte ein Albtraum-Debüt in der Bundesliga, sein Team agierte über weite Phasen des Spiels viel zu fehlerhaft und harmlos. Für den Traum von der Rückkehr in die Champions League müssen sich die Rheinländer gewaltig steigern. Das ist nicht akzeptabel. Du kannst nicht zwei Halbzeiten so anfangen, wie wir es gemacht haben", schimpfte Torhüter Mark Flekken am Sky-Mikrofon.

„Reise zum Mars“ gestartet

Die SV Elversberg betrat als 59. Verein die große Bühne Bundesliga, brachte das Saarland nach 33 Jahren zurück in die deutsche Elite-Liga. Die Mission Klassenerhalt bezeichnete Trainer Vincent Wagner als „Reise zum Mars“. Zum Auftakt trafen 35 Millionen Euro Marktwert auf eine Leverkusener Startelf im Wert von knapp 240 Millionen Euro. „Das spricht doch eine deutliche Sprache“, betonte Wagner: „Das Spiel startet glücklicherweise trotzdem bei 0:0.“

SV-07-Elversberg-Trainer Vincent Wagner jubelt mit geballten Fäusten an der Seitenlinie in der Ursapharm-Arena.
Trainer Vincent Wagner bezeichnete den Klassenerhalt als „Reise zum Mars“. Den ersten Sieg haben die Elversberger sich nun geholt.

Und auf dem Platz war vor gerade einmal 9307 Zuschauern in der Stadion-Baustelle dann tatsächlich verkehrte Welt, der aufmüpfige Außenseiter spielte den haushohen Favoriten in den Anfangsminuten an die Wand. Erst traf Petkov zum ersten Erstliga-Tor der Vereinsgeschichte von der Strafraumkante, Loic Badé fälschte unhaltbar für Flekken ab. Nur 61 Sekunden später bestrafte Vereinsrekordtransfer Campbell einen kapitalen Fehler von Edmond Tapsoba.

3:2-Sieg im Auftaktspiel

Leverkusen stand völlig neben sich, leistete sich in der eigenen Hälfte einen Ballverlust nach dem anderen und hatte riesige Probleme mit dem blitzschnellen Umschaltspiel der Saarländer. Francis Onyeka und Felix Keidel ließen bei einer riesigen Doppelchance gar das frühe 3:0 liegen (14.). Erst nach gut 20 Minuten bekam Bayer die Partie etwas in den Griff und trat selbst auch offensiv in Erscheinung. Badé köpfte knapp vorbei (21.), Aleix Garcia traf per Freistoß die Latte (37.).

Nach dem Seitenwechsel erwischte aber erneut Elversberg den besseren Start, Mokwa verwertete 27 Sekunden nach Wiederbeginn eine Flanke von Petkov. Martínez reagierte mit einem Dreifachwechsel, doch seine Mannschaft entwickelte gegen den nun tiefstehenden Block des Aufsteigers kaum Ideen. Trotz der Treffer von Schick und Kofane reichte es nicht mehr für die Wende. (sid/mkw)

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