St. Pauli darf aufatmen! Bayern gewinnt kurioses Spiel gegen Wolfsburg

Bayern-Spieler jubeln
Der FC Bayern München rund um Michael Olise (Mitte) sorgte im Spiel gegen den VfL Wolfsburg für Aufatmen beim FC St. Pauli.

Im Bundesliga-Topspiel unterlag der VfL Wolfsburg mit 0:1 (0:0) gegen den FC Bayern München. Unfaire Mittel und massig Wolfsburger Chancen konnten den Rekordmeister nicht aufhalten. Es war ein Spiel voller Highlights und Kuriositäten, auf das nicht nur in Wolfsburg und München ganz genau geschaut wurde. Auch für den FC St. Pauli war die Partie von besonderer Bedeutung.

Nach St. Paulis 1:2-Niederlage gegen RB Leipzig wanderten am Samstagabend alle Augen nach Wolfsburg, wo der VfL den FC Bayern empfing. „Ja, klar“, antwortete Martijn Kaars nach der Leipzig-Pleite auf die Frage, ob er sich das Topspiel anschauen würde. Die Ausgangslage aus Sicht der Kiezkicker war klar. Punktgleich waren sie vor dem Spieltag mit den Wölfen, lediglich vier Tore unterschieden die beiden Klubs im Torverhältnis – der kleine Vorteil galt dabei den Niedersachsen.

Durchaus bedeutsam war dieser Blick auf das Torverhältnis. Immerhin treffen die beiden Teams am letzten Spieltag zum ultimativen Abstiegs-Showdown aufeinander. Entsprechend hofften die Kiezkicker auf Unterstützung der Bayern, die das Hinspiel gegen Wolfsburg mit 8:1 gewannen. Dieses Mal hätten es aus St. Paulis Sicht auch „nur“ fünf Tore Abstand getan. Dann nämlich hätte den Kiezkickern im Saisonfinale ein Unentschieden gereicht.

Neuer-Vertreter Urbig hält die Bayern im Spiel

Die Sorge von St. Pauli-Fans, dass die Bayern aufgrund der sicheren Meisterschaft einen Gang zurückschalten könnten, schien zunächst unbegründet. Von Frust, den man dem Rekordmeister nach dem verlorenen Champions-League-Halbfinale gegen PSG hätte anmerken können, war jedoch auch keine Spur zu sehen. Mit sechs personellen Wechseln startete die Kompany-Elf um Harry Kane, Michael Olise und Joshua Kimmich ins Spiel. Lediglich Tom Bischof, der mit seinem Zauberschuss jedoch an der Latte scheiterte (19.), sorgte in der Anfangsphase für Aufsehen bei den Gästen.

Jonas Urbig macht sich gegen Vinicius Souza von Wolfsburg groß
Jonas Urbig glänzte gegen Wolfsburg mit Paraden.

Vielmehr waren es die Wolfsburger, die regelmäßig zu guten Chancen kamen. Fünfmal musste Jonas Urbig schon in der ersten Halbzeit gefragt und musste, teils sehenswert, parieren. Nach sieben Minuten machte er sich beispielsweise ganz groß vor Vinicius Souza, der per Kopf aus drei Metern an Urbig scheiterte. Und das, obwohl die Wölfe auf Topscorer Mohamed Amoura verzichten mussten, der, genau wie Kevin Paredes, aus „disziplinarischen Gründen“ nicht im Spieltagskader stand.

Kane verschießt Elfmeter – unfaire Aktion der Grund?

Dann wurde Olise nach einem sehenswerten Chip-Ball von Kimmich im gegnerischen Strafstoß gefoult – Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck zeigte auf den Punkt. Eine Formsache für Kane. Oder? Nein! Nach 24 erfolgreichen Versuchen vergab der Engländer erstmals einen Elfmeter in der Bundesliga (36.). Er rutschte minimal weg, blickte sofort verwirrt nach hinten und verfehlte das Tor.

Harry Kane verschießt seinen Elfmeter
Harry Kane verschoss erstmals in der Bundesliga einen Elfmeter, und rutschte dabei leicht weg.

Kurios: Während der zweiminütigen VAR-Überprüfung ahnte Jeanuel Belocian scheinbar schon, dass die Entscheidung gegen Wolfsburg fallen könnte, und präparierte den Elfmeterpunkt entsprechend. Mehrfach stocherte er mit seinen Füßen am Punkt herum. Eine Szene, die an Marwin Hitz erinnerte, der als Augsburg-Keeper 2015 ähnlich vorging.

Durch den Fehlschuss von Kane und vor allem durch die starken Paraden von Urbig ging es ohne Tore in die Halbzeit. Trotz des Elfmeters ein durchaus schmeichelhaftes Ergebnis für die Münchner. Denn nach 45 Minuten führte Wolfsburg im xGoals-Vergleich mit 3,37 zu 1,02. Am Ende waren es sogar 3,88 xGoals für die „Wölfe“.

Bayern-Star Olise sorgt für Aufatmen bei St. Pauli

Nach der Pause nahmen die Bayer das Zepter dann nach und nach in die eigene Hand und dominierten das Spiel. In der 56. Minute war es dann ein genialer Einzelmoment von Olise, der die Bayern in Führung brachte. Aus rund 25 Metern zog der Franzose aus halblinker Position einfach mal ab und schoss den Ball mit 108 km/h und mithilfe der Unterkante der Latte ins Tor.

Aufatmen bei St. Pauli. Aufgrund des schlechteren Torverhältnisses spielte es für die Kiezkicker ausschließlich eine Rolle, ob Wolfsburg gewinnt oder nicht. Ein Unentschieden hätte nichts an der Ausgangslage geändert, dass für St. Pauli ein Sieg hergemusst hätte. Seitdem Führungstreffer waren die Bayern kaum noch aufzuhalten. Kane scheiterte wenig später nur knapp an Kamil Grabara (60.).

Anschließend ließ es die Kompany-Elf ruhig angehen. Und fast wäre ihnen das zum Verhängnis geworden. Denn in der 87. Minute kam Mattias Svanberg völlig frei vor Urbig an den Ball, der sich erstmals geschlagen geben musste. Doch der Pfosten rettete den Münchnern die drei Punkte – mit 0:1 endete die Partie.

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Die Ausgangslage für St. Pauli ist im großen Finalspiel gegen den VfL Wolfsburg jetzt also klar. Ein Sieg muss her, um den Relegationsplatz zu sichern. Mit einem Unentschieden würde der Kiezklub absteigen. Auch der 1. FC Heidenheim könnte durch die Ergebnisse am Samstag noch zum unerwarteten Nutznießer werden. Heidenheim (Torverhältnis: -31) trifft am Sonntag noch auf Köln und lauern nur drei Zähler hinter St. Pauli (-29) und Wolfsburg (-26).