„Sollten sich am Kopf untersuchen lassen“: Celtic-Coach rechnet mit eigenen Fans ab
Der Frust bei den Anhängern von Celtic Glasgow war groß. Als am Donnerstagabend das 1:4 in großen Ziffern auf der Anzeigetafel im legendären Celtic Park stand, wusste jeder, der es mit dem grün-weißen Teil der Stadt hält, dass es für den Europa-League-Achtelfinaleinzug ein mittelgroßes Rückspiel-Wunder gegen den VfB Stuttgart braucht. Nach dem Spiel machte Celtic-Trainer Martin O‘Neill seinem Ärger Luft und kritisierte vor allem das Auftreten seiner Mannschaft, aber auch die Fans im Celtic-Park.
Nachdem O’Neill zunächst versuchte, die Niederlage gegen Stuttgart mit einem „schwierigen Abend“ und „sehr einfachen Gegentoren“ zu erklären, nannte er wenig später seine Mannschaft bei TNT Sports den „Meister unseres eigenen Untergangs“.
Nach besonderer Celtic-Atmosphäre folgt Stimmungskiller
Dabei ging alles so gut los. Bereits vor dem Anpfiff sorgten die Fans mit dem legendären Gesang „You‘ll never walk alone“ für Gänsehautatmosphäre – und die Zeichen im Celtic Park standen auf Hexenkessel. Doch die gute Stimmung wurde innerhalb von Sekunden durch Spielzeugbälle zunichte gemacht, die von den Celtic-Anhängern aus Protest gegen die Vereinsführung auf das Spielfeld geworfen wurden. „Das Spiel ist schon schwer genug“, schimpfte Trainer O‘Neill nach Spielschluss. „Wer das für eine gute Idee hält, sollte sich mal am Kopf untersuchen lassen.“

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Dabei steht der Verein für genau das: laute Fans, eine unglaubliche Atmosphäre und spannende Spiele. Der 73-jährige Trainer kann sich an seine erste Celtic-Amtszeit von 2000 bis 2005 erinnern, als das der Fall war: „Ich war dabei, als Mannschaften wie Juventus Angst hatten, hierher zu kommen. Als Spitzenmannschaften Angst hatten.“ Diese Zeiten sind laut O’Neill vorbei, denn „das Problem ist, dass dieser Ort vor einigen Jahren einmal unglaublich einschüchternd war“.
O’Neill nimmt Schmeichel nach Buhrufen in Schutz
Heute aber finde ein Team, das nach Glasgow käme, „dort viele interne Streitigkeiten und Gegenstände auf dem Spielfeld vor – das macht für mich keinen Sinn“, so O‘Neill. Tatsächlich hat der VfB Stuttgart Celtic Glasgow über weite Strecken dominiert. Die Schotten konnten das Stadion nicht in dem Maße mitnehmen, wie es für einen Europapokal-Abend aus ihrer Sicht wünschenswert gewesen wäre. Für O‘Neill ein klarer Fall: „Wenn ich ein Spieler von Stuttgart wäre, würde ich mich in diesem Umfeld ziemlich wohl fühlen.“
Von den Heim-Fans kamen außerdem Buhrufe und ironischer Jubeleinlagen gegen Celtic-Keeper Kasper Schmeichel, der bei zwei Gegentoren unglücklich ausgesehen hatte. O’Neill hingegen betonte, dass Schmeichel beim Gruppenphasen-Sieg gegen Feyenoord Rotterdam (3:1) im November „eine großartige Parade gezeigt hat, ohne die wir heute Abend vielleicht nicht spielen hätten dürfen“, und nahm die gesamte Mannschaft in die Pflicht: „Das ist eine Mannschaftssache. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.“
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Offensichtlich bringt Celtic Glasgow derzeit nicht die Leistung auf den Platz, die eine Mannschaft im umkämpften Europokal benötigt. „Irgendwann wird Celtic eine europäische Spitzenmannschaft sein. Das liegt aber in der Zukunft. Im Moment tragen wir andere Kämpfe aus“, so O‘Neill. Was aus Sicht der Schotten bleibt, ist die Hoffnung auf ein Celtic Glasgow, das sich im Rückspiel nicht selbst im Weg steht.
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