Popp-Abschied und Männer-Absturz: Zukunft der Wolfsburg-Frauen in Gefahr?
Für Alexandra Popp könnte ihre lange Champions-League-Karriere ohne Abschiedsspiel enden. Wenn sich der VfL Wolfsburg im Viertelfinale nicht gegen Rekordsieger Olympique Lyon durchsetzt, dann war’s das wohl für die frühere DFB-Kapitänin und künftige Spielerin von Borussia Dortmund mit der Königsklasse. Denn die 34-Jährige fällt mit einer Wadenverletzung erst mal aus. Als ob die Fußballerinnen beim VW-Klub – vor allem perspektivisch – nicht genug Sorgen hätten.
Vor dem Hinspiel der VfL-Frauen gegen die Französinnen am Dienstag (18.45 Uhr/Disney+) in der Volkswagen-Arena steht zwar noch eine MRT-Untersuchung bei Popp an – doch der Verdacht lautet Muskelfaserriss. Deutschlands dreifache „Fußballerin des Jahres“ mit 112 Champions-League-Einsätzen, die im Sommer zum derzeitigen Regionalligisten BVB wechselt, hatte sich die Blessur bei Wolfsburgs 1:0-Sieg bei der TSG Hoffenheim zugezogen.
Wolfsburg ohne Popp gegen Topfavorit Lyon
„Lyon ist einer der Topfavoriten auf den Titel“, sagte VfL-Trainer Stephan Lerch vor der Partie gegen den Tabellenführer der Première Ligue mit der Ex-Wolfsburgerin Jule Brand. „Aber wir können nur gewinnen, wir können nur unser Bestes auf dem Platz lassen, alles geben, einen großen Kampf zeigen.“

Nach dem Hoffenheim-Spiel verfolgten Popp und Co. auf der Fahrt zum Flugplatz Speyer/Ludwigshafen die Übertragung der VfL-Männer in der Bundesliga gegen Werder Bremen (0:1). Deren möglicher Abstieg könnte auch Auswirkungen auf die Frauen haben – auch wenn die davon im Moment nicht ausgehen.
„Der VfL Wolfsburg hat große Bindungskraft für die Menschen in Stadt und Region. Der Verein ist fester Teil von Volkswagen – wir stehen hinter dem sportlichen Engagement“, hatte VW-Konzernchef und VfL-Aufsichtsrat Oliver Blume in einem Interview der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ gesagt.
Volkswagen als Geldgeber: Wie abhängig der VfL Wolfsburg finanziell ist
Die VfL Wolfsburg Fußball GmbH gehört Volkswagen zu 100 Prozent. Der Konzern unterstützt die Profifußball-Gesellschaft, zu der auch das Frauen-Team gehört, mit mehr als 70 Millionen Euro pro Jahr. Dem WAZ-Bericht zufolge würde der kriselnde Autokonzern diese Summe im Fall eines Abstiegs anpassen.
Bei den Frauen, die 2013 und 2014 in der Königsklasse triumphierten und national inzwischen vom FC Bayern überholt worden sind, steht nach dieser Saison ohnehin ein Umbruch an. Der Abgang von Manager Ralf Kellermann (ebenfalls nach Dortmund) nach 21 Jahren ist eine riesige Zäsur für den siebenfachen deutschen Meister. Die VfL-Fußballerinnen verlieren mit ihm und Popp ihre zwei bekanntesten Gesichter. Zudem musste im Zuge des Absturzes bei den Männern Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen gehen.
Wolfsburg vor tiefgreifendem Umbruch
Und das Team ohne Popp? In Nationalstürmerin Giovanna Hoffmann wurde eine potenzielle Nachfolgerin verpflichtet, die Leipzigerin kuriert allerdings noch einen Kreuzbandriss aus. Die erfahrene Svenja Huth hat ihren Vertrag um ein Jahr verlängert, DFB-Auswahlspielerin Camilla Küver soll folgen. Doch Torjägerin Lineth Beerensteyn und Vivien Endemann, die zuletzt ein starkes Comeback im Nationalteam gab, stehen beim DFB-Pokal-Halbfinalisten nach Medienberichten vor dem Absprung.
Immerhin können die Wolfsburgerinnen mit einer Champions-League-Teilnahme auch für die kommende Spielzeit werben. Diese ist dem Bundesliga-Zweiten kaum noch zu nehmen. „Enorm wichtig“ (Lerch) sei diese Planungssicherheit.
Popp: „Wir haben noch etwas vor diese Saison“
Kellermann hat bereits kommuniziert, dass er nicht die komplette Verantwortung für den Kader der nächsten Saison übernehmen kann und werde“. Von den vielen Baustellen will sich das Team vor der schwierigen Herausforderung gegen Lyon nicht beeinträchtigen lassen.
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Die Schlagzeile und das, „was natürlich außen herum gemacht wird, sind um einiges größer, als es intern bei uns aktuell der Fall ist“, versicherte Nationalspielerin Janina Minge. Und Popp hatte schon bei ihrer Abschiedsverkündung betont: „Wir haben noch etwas vor diese Saison, also lasst uns die letzten Monate zusammen genießen.“
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