Christian Wück im Nations-League-Finale gegen Spanien

Christian Wück verweigerte der spanischen Nationaltrainerin den Handschlag. Foto: WITTERS

„Nicht verstanden“: Bundestrainer sorgt für Handschlag-Eklat – Spanierin reagiert

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Nach dem Schlusspfiff in Kaiserslautern war es kurz richtig frostig auf dem Rasen. Kaum war das 0:0 im Final-Hinspiel der Nations League zwischen den DFB-Frauen und Weltmeister Spanien abgepfiffen, gingen Bundestrainer Christian Wück und Spaniens Nationaltrainerin Sonia Bermúdez aufeinander zu – zunächst wortreich, dann mit einem äußerst unterkühlten Handschlag.

Der Kontakt dauerte nur Sekunden, dann schob Wück seine Kollegin sichtbar genervt zur Seite. Die Vierte Offizielle Ivana Martincic schaute irritiert, Bermúdez hob fragend die Arme – sie konnte die Reaktion ganz offenkundig nicht einordnen.

Bermúdez war irritiert von der Reaktion von Christian Wück

Später erklärte Wück im ZDF, er habe sich über fehlenden Stil der Spanierinnen geärgert, etwas, das „vielleicht im internationalen Fußball dazugehört“. Details nannte er nicht, der Frust war aber deutlich zu spüren – und er bezog sich nicht nur auf die Szene nach Abpfiff.

Sonia Bermúdez verstand nach eigener Aussage nicht, warum Christian Wück ihren Handschlag nicht erwidern wollte. imago/foto2press
Sonia Bermudez im Spiel gegen Deutschland
Sonia Bermúdez verstand nach eigener Aussage nicht, warum Christian Wück ihren Handschlag nicht erwidern wollte.

Die spanische Trainerin bemühte sich danach um Deeskalation. Sie sei freundlich auf Wück zugegangen, um sich zu verabschieden, schilderte Bermúdez in der Mixed Zone, und er habe eben so reagiert – „das habe ich nicht wirklich verstanden“, sagte sie. Überbewerten wolle sie die Szene allerdings nicht.

Bundestrainer ärgerte sich über den Chancenwucher

Sportlich attestierte Bermúdez den Deutschen eine starke erste Halbzeit. Ihre Mannschaft habe große Probleme gehabt, ins Spiel zu finden und sich wohlzufühlen. Erst nach der Pause sei Spanien besser organisiert gewesen und als Team gewachsen, meinte die 41-Jährige.

Der Ärger des Bundestrainers hatte vor allem spielerische Gründe. Die deutsche Auswahl war vor 40.159 Fans auf dem stimmungsvollen Betzenberg über weite Strecken klar tonangebend, vergaß aber, sich zu belohnen. Pfosten, Latte, geblockte Abschlüsse – die Chancen für einen Heimsieg waren mehr als ausreichend.

DFB-Team steht vor einem „echten“ Finale in Madrid

Wück monierte danach einmal mehr die fehlende Effizienz vor dem Tor. Es sei eine Frage der Spielintelligenz und des Erkennens von Situationen, die Möglichkeiten dann auch konsequent zu nutzen, erklärte er sinngemäß. Statt einer komfortablen Ausgangslage für das Rückspiel steht nun „nur“ ein 0:0 – und damit ein echtes Finale in Madrid.

Dieses Mal konnte Klara Bühl nicht den erlösenden Treffer erzielen. IMAGO/DeFodi Images
Klara Bühl schaut frustriert
Dieses Mal konnte Klara Bühl nicht den erlösenden Treffer erzielen.

Auch in der Mannschaft war der Mix aus Frust und Zuversicht zu spüren. Innenverteidigerin Rebecca Knaak sprach von großer Enttäuschung über die Vielzahl verpasster Chancen, betonte aber, man fahre mit Selbstvertrauen nach Spanien und wolle dort „Vollgas geben“ und den Titel holen.

Wück bietet einen Kaffee zur Versöhung an

Offensivspielerin Klara Bühl, die selbst mehrfach knapp scheiterte, sah es ähnlich: Man sei mit dem Auftritt insgesamt sehr zufrieden, jetzt müsse lediglich die Effektivität vor dem gegnerischen Tor besser werden. Vizekapitänin Janina Minge forderte „Mut und Zuversicht“ für das Rückspiel und zeigte sich überzeugt, dass ihr Team auch eine Verlängerung oder ein Elfmeterschießen bestehen könne.

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Am Dienstag (18.30 Uhr) fällt im Estadio Metropolitano die Entscheidung um den Nations-League-Titel. Für Spanien geht es um die Titelverteidigung, für die DFB-Frauen wäre es der erste große Triumph seit dem Olympiasieg 2016 in Rio.

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Wück gibt sich trotz Eklat und Ärger kämpferisch. Man sei auf einem guten Weg, betonte der Bundestrainer – jetzt wolle man diesen Weg aber auch mit einem Titel krönen. Und vielleicht schmeckt ihm dann auch der Kaffee besser, den er mit Bermúdez nach eigener Aussage „gerne“ trinkt – vorausgesetzt, beide können den Handschlag von Kaiserslautern bis dahin endgültig abhaken. (sid/jh)

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