Neukaledonien zur WM? Frankreich-Legende glaubt an das Fußball-Wunder
Christian Karembeu fiebert natürlich mit, wenn das kleine Neukaledonien das große WM-Wunder schaffen will. „Wir sind eine Nation pazifischer Krieger. Alles ist möglich“, sagt der französische Weltmeister von 1998.
Karembeu spricht von „wir“, wenn er über die 2000 Kilometer östlich von Australien gelegene Inselgruppe redet. Schließlich wurde er auf Lifou geboren, einem Atoll der Loyalitätsinseln – und damit in Neukaledonien.
„Ich hoffe, unsere Spieler zeigen, was in ihnen steckt“, sagte Karembeu in einem FIFA-Interview vor dem Playoff-Turnier in Mexiko, für das sich die Nummer 150 der Weltrangliste qualifiziert hat. Die „Kagus“ – benannt nach einem flugunfähigen Vogel – müssen am Donnerstag (21 Uhr Ortszeit/Freitag 4 MEZ, DAZN live) erst Jamaika und fünf Tage später noch die Demokratische Republik Kongo schlagen, dann wäre die erste WM-Teilnahme perfekt.
Ex-Star Karembeu und Neukaledonien: Enge Verbindung
Schon die Anreise war nicht einfach: Etwa die Hälfte der Mannschaft steht bei französischen Amateurklubs unter Vertrag und flog verteilt auf zwei Gruppen über Paris nach Guadalajara, die übrigen Spieler nahmen den langen Weg aus dem Südpazifik auf sich. Trainer Johann Sidaner muss nun eine Einheit bilden. „Unsere Chance liegt bei etwa einem Prozent. Aber wir werden 100 Prozent geben“, sagt der Franzose.
Nicht nur die Personalie Sidaner zeigt: Zumindest im Fußball sind Frankreich und Neukaledonien noch immer eng verbunden. Bei Länderspielen des Überseegebiets müssen immer beide Flaggen gehisst werden – Gibraltar musste vor einem Test im Oktober 2025 daher sogar einen dritten Fahnenmast organisieren. Immerhin gestattet es das Mutterland dem 270.000 Einwohner zählenden Neukaledonien inzwischen, beim Fußball eine eigene Hymne statt der Marseillaise zu spielen.
Neukaledonien: Halbes Team spielt bei französischen Amateurklubs
Auf den Inseln im Südpazifik wird die Beziehung zu Frankreich immer kritischer gesehen. Die seit Jahrzehnten bestehende Unabhängigkeitsbewegung mündete 2024 in schweren Unruhen mit 14 Toten und Angriffen auf französische Firmen, auch die Fußballsaison wurde abgebrochen. Ein Jahr später folgte ein politischer Kompromiss: Neukaledonien wird als eigener Staat anerkannt, verbleibt aber innerhalb der französischen Republik.
Die Fußballer tragen nun den Stolz der Kanaken, also „Menschen“ genannten Ureinwohner in die Welt hinaus. „Ich hätte auch gerne für Neukaledonien gespielt“, sagt der 55 Jahre alte Karembeu, der sich als Spieler stets weigerte, die französische Nationalhymne zu singen. Doch er konnte nicht: Erst seit 2004 ist Neukaledonien FIFA-Mitglied.
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Zuletzt ging es steil bergauf. Im Kampf um das WM-Ticket für 2026 gab es Siege gegen die Salomonen (3:2) und Papua-Neuguinea (3:1) und vor allem ein 3:0 gegen den Rivalen Tahiti, das den Einzug in Ozeaniens Quali-Finale bedeutete. Dort setzte es zwar ein 0:3 gegen den großen Favoriten Neuseeland, die Teilnahme an den Playoffs war aber gesichert. Dort wartet zunächst Jamaika, immerhin WM-Teilnehmer von 1998. „Jamaika hat viele Spieler aus Europa im Kader. Es wird also schwer“, sagt Karembeu: „Aber in einem einzigen Spiel ist alles möglich. Schließlich sind wir pazifische Krieger.“ (sid/dj)
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