Fußball
Neue schwere Vorwürfe gegen Infantino: FIFA-Boss beruft Krisensitzung ein
Die Krise um FIFA-Boss Gianni Infantino eskaliert: Während der Schweizer seine Führungskräfte zu einer Krisensitzung nach Rabat beordert haben soll, erhebt Jordaniens Verbandschef einen schweren Erpressungsvorwurf gegen den Weltverband. Auch enge Vertraute gehen auf Distanz.
Die Krise um FIFA-Präsident Gianni Infantino spitzt sich weiter zu. Während der Schweizer wichtige Mitarbeiter zu einem kurzfristig angesetzten Treffen nach Marokko beordert haben soll, erhebt ein prominenter Funktionär schwere Vorwürfe gegen den Weltverband.
Nach übereinstimmenden Berichten der britischen Zeitung „The Times“ und des Senders Sky hat Infantino für diesen Mittwoch eine Krisensitzung in Rabat einberufen. Unklar ist bislang, welche Themen bei dem Treffen im regionalen Afrika-Hauptquartier der FIFA konkret besprochen werden sollen.
Es wird offen über Infantinos Ende diskutiert
Die Zusammenkunft erfolgt in einer für Infantino äußerst heiklen Phase. Der FIFA-Präsident hatte zuletzt heftige Empörung ausgelöst, nachdem Pläne bekannt geworden waren, einen Teil der Rechte an Fußball-Weltmeisterschaften an Investoren zu verkaufen. Der Deal sollte dem Weltverband Milliardeneinnahmen bescheren.
Nach massivem Widerstand – unter anderem hatte die europäische UEFA mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Wettbewerbe gedroht – verwarf der Weltverband das Vorhaben. Die Kritik an Infantino ist damit jedoch längst nicht beendet. Inzwischen wird offen darüber diskutiert, ob die Affäre das Ende seiner Präsidentschaft bedeuten könnte.
Jordanischer Verbandschef erhebt schwere Vorwürfe
Zusätzlichen Druck erzeugen nun Anschuldigungen aus Jordanien. Prinz Ali bin al-Hussein, Präsident des jordanischen Fußball-Verbandes und früherer Gegenkandidat Infantinos, wirft der FIFA vor, seinem Verband zustehende Gelder zurückzuhalten.
Jordanien hatte beim FIFA Arab Cup im Dezember 2025 das Finale erreicht. Für den zweiten Platz soll dem Verband Medienberichten zufolge ein Preisgeld von 4,2 Millionen Dollar, umgerechnet gut 3,6 Millionen Euro, zustehen. Ausgezahlt worden sei die Summe bislang allerdings nicht.
Prinz Ali bin al-Hussein erhebt Erpressungsvorwurf
„Das Geld, das unser Team für das Erreichen des Finales bekommen sollte, wurde noch nicht ausgezahlt – und das, obwohl die FIFA gleichzeitig damit angibt, wie viele Milliarden sie noch in Reserve hat“, schrieb al-Hussein auf der Plattform X.
There is no shortage of issues regarding FIFA. Let me start by clarifying what some of these are from an FA perspective, in particular that of Jordan going into a World Cup for the first time.
— Ali Al Hussein (@AliBinAlHussein) 4. August 2026
We are a small country with a minimal budget for our FA and had to deal with enormous…
Noch schwerer wiegt eine weitere Behauptung des Prinzen. Während der Weltmeisterschaft sei ihm mündlich mitgeteilt worden, „dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“.
Auch enge Vertraute gehen auf Distanz
Al-Hussein erklärte dazu: „Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun.“ Die gesamte Situation laufe aus seiner Sicht „auf Erpressung hinaus“. Sein Verband weigere sich, dies zu akzeptieren. Die FIFA wurde um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.
Infantino verliert unterdessen offenbar auch innerhalb des Weltverbandes an Rückhalt. FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström kritisierte eine „traurige und tadelnswerte Reihe von Ereignissen“ sowie den entstandenen „Aufruhr“. Auch der frühere Arsenal-Trainer Arsène Wenger, bei der FIFA als Direktor für globale Fußball-Entwicklung tätig, ging auf Distanz zum Präsidenten.
FIFA-Krisensitzung am Ort der nächsten Präsidentenwahl
Carlos Cordeiro, ein enger Berater und Vertrauter Infantinos, war bereits in der vergangenen Woche aus Protest zurückgetreten.
Prinz Ali bin al-Hussein kennt die Machtkämpfe an der Spitze des Weltfußballs aus eigener Erfahrung. 2016 trat er bei der Wahl zum FIFA-Präsidenten gegen Infantino an, ein Jahr zuvor war er dem damaligen Amtsinhaber Sepp Blatter unterlegen. Von 2011 bis 2015 gehörte der Jordanier als Vizepräsident dem mächtigen FIFA-Exekutivkomitee an.
Dass Infantino seine Führungskräfte ausgerechnet nach Rabat beordert haben soll, dürfte die Spekulationen zusätzlich anheizen. In Marokkos Hauptstadt soll 2027 der nächste FIFA-Kongress mit der Präsidentenwahl stattfinden. Marokko ist zudem gemeinsam mit Spanien und Portugal Gastgeber der Weltmeisterschaft 2030. Erst in der vergangenen Woche war Infantino dort öffentlich an der Seite von König Mohammed VI. aufgetreten. (dpa/mp)
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