Stefan Effenberg

Stefan Effenbergs Mittelfinger machte die WM 1994 (hier gegen Südkorea) zu seinem persönlichen Skandalturnier. Er folg aus der Nationalmannschaft. Foto: imago/Sven Simon

Der Letzte war Effenberg! Endlich fahren wieder Hamburger Jungs zur WM

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Man sollte meinen, dass eine Fußball-Metropole wie Hamburg bisher unzählige WM-Fahrer für die deutsche Nationalmannschaft produziert hat. Schwer vorstellbar, dass man sie bisher fast an einer Hand abzählen kann – aber es stimmt. Mit den Ex-HSVern Jonathan Tah und Josha Vagnoman sowie Felix Nmecha könnten dieses Jahr endlich wieder drei neue gebürtige Hamburger dazukommen, erstmals seit 1994! Die MOPO wirft vor dem Test in der Schweiz einen Blick auf die bisherigen deutschen WM-Fahrer aus der Hansestadt.

Rudolf Noack war der Anfang von allem. Der in Hamburg-Harburg geborene Offensivspieler des HSV gehörte zum deutschen Kader bei der WM 1934 in Italien, bei der die deutsche Nationalmannschaft überraschend Dritter wurde. Noack (1947 verstorben) selbst traf bei seinem einzigen Einsatz – dem Ausscheiden im Halbfinale gegen die Tschechoslowakei (1:3) – zum zwischenzeitlichen 1:1.

Mit Hans Schwartz (1991 verstorben) vom SC Victoria war 1934 ein weiterer Hamburger bei dem Turnier dabei, kam auf einen WM-Einsatz.

Rudolf Noack war 1934 der erste Hamburger bei einer WM

Der erste Hamburger im WM-Kader: Rudolf Noack gehörte 1934 zur deutschen Auswahl. IMAGO/Schirner Sportfoto
Rudolf Noacke bei der WM 1934
Der erste Hamburger im WM-Kader: Rudolf Noack gehörte 1934 zur deutschen Auswahl.

24 Jahre später betrat HSV-Idol Uwe Seeler die WM-Bühne. Bei der WM 1958 in Schweden lief „Uns Uwe“ erstmals bei einer Weltmeisterschaft für Deutschland auf. Er stand in fünf von sechs möglichen Spielen auf dem Platz, was lediglich dem Umstand geschuldet war, dass er sich im Halbfinale gegen Schweden verletzte. Somit verpasste Seeler das Spiel um Platz 3 gegen Frankreich. „Es gibt zweifellos spielerisch weitaus bessere Spieler“, räumte der damalige Bundestrainer Sepp Herberger später ein, „aber keiner besitzt das Talent wie Uwe Seeler, auf engstem Raum gegen die stärkste Bewachung so viel Wirkung zu erzielen.“

Als das HSV-Idol das DFB-Team prägte: Die Seeler-Ära

Bei seinem ersten großen Turnier gelangen Seeler (2022 verstorben) direkt zwei Treffer, sein berühmtester war allerdings der spektakuläre Ausgleich per Hinterkopf im WM-Viertelfinale 1970 gegen England. Am Ende seiner Nationalmannschafts-Karriere standen neun Tore in 21 Spielen bei vier Weltmeisterschaften zu Buche. Der Gewinn einer WM blieb „Uns Uwe“ dabei verwehrt. Nicht zuletzt auch wegen des Wembley-Tors im Finale 1966 gegen England.

„Uns Uwe“: Hamburgs größte Fußball-Ikone spielte vier Weltmeisterschaften. imago/Horstmüller
Uwe Seeler setzt zum Schuss an
„Uns Uwe“: Hamburgs größte Fußball-Ikone spielte vier Weltmeisterschaften.

Weniger im Rampenlicht, aber dennoch Teil der WM-Geschichte: Jürgen Werner. Der Verteidiger, der seine komplette Karriere beim HSV verbrachte, gehörte 1962 in Chile zum deutschen Aufgebot. Aufgrund einer Verletzung konnte er jedoch im ganzen Turnier nicht mitwirken. Bis zum Ende seiner Karriere bei der Nationalmannschaft brachte Werner (2002 verstorben) es auf vier Länderspiele, bei denen ihm zwei Tore gelangen.

Hier im Zweikampf mit Pelé: Jürgen Werner war 1962 mit dabei. imago/Pressefoto Baumann
Werner
Hier im Zweikampf mit Pelé: Jürgen Werner war 1962 mit dabei.

Mexiko 1986 brachte gleich zwei gebürtige Hamburger ins deutsche Team: HSV-Towart Uli Stein (heute 71) war Teil des Kaders, erlebte das Turnier jedoch ohne Einsatz und wurde während des Turniers nach einem Eklat mit Teamchef Franz Beckenbauer (Suppenkasper-Affäre) sogar nach Hause geschickt.

WM-Eklat in Mexiko: Uli Stein musste das Turnier nach einem Streit vorzeitig verlassen. Imago / Ferdi Hartung
Uli Stein
WM-Eklat in Mexiko: Uli Stein musste das Turnier nach einem Streit vorzeitig verlassen.

Der Barmbeker Brehme wurde 1990 zum WM-Helden

Ganz anders verlief das Turnier für Andreas Brehme. Der damals 26-jährige Außenverteidiger vom 1. FC Kaiserslautern spielte sich bei der WM in den Fokus und legte den Grundstein für seine spätere Weltkarriere mit insgesamt 86 Länderspielen. Vier Jahre später sollte er mit seinem Elfmeter Deutschland zum Titel schießen. Der Barmbeker Brehme, der nie für den HSV gespielt hat, verstarb im Februar 2024.

Der Anfang einer großen Karriere: Andy Brehme spielte sich 1986 ins Rampenlicht – vier Jahre später wurde er WM-Held. imago/WEREK
Brehme
Der Anfang einer großen Karriere: Andy Brehme spielte sich 1986 ins Rampenlicht – vier Jahre später wurde er WM-Held.

Eklat in der Nationalmannschaft: Effenberg und die WM 1994

Kaum ein Name steht so sehr für Reibung wie seiner: Der Niendorfer Stefan Effenberg (begann beim Bramfelder SV, ging dann zum SC Victoria) feierte 1994 in den USA seinen WM-Einstandt. Bereits 1991 hatte er für die Nationalmannschaft debütiert, wobei er von den deutschen Fans, wegen seiner damals schon provokanten Art ausgepfiffen wurde. „Dass ein deutscher Nationalspieler in einem Heimspiel so feindselig begrüßt wurde, ist einmalig“, schrieb das „Hamburger Abendblatt“. Bei der WM 1994 in den USA wurde „Effe“ (heute 57) nach seiner legendären Mittelfinger-Geste gegenüber den eigenen Fans aus dem Turnier geworfen. Er kam am Ende auf 35 Länderspiele mit fünf Toren.

Felix Nmecha und Jonathan Tah werden im Sommer aller Voraussicht nach die nächsten Hamburger WM-Teilnehmer. imago/ActionPictures
Felix Nmeha und Jonathan Tah nach einem Deutschland Spiel
Felix Nmecha und Jonathan Tah werden im Sommer aller Voraussicht nach die nächsten Hamburger WM-Teilnehmer.

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Wer folgt auf Effenberg? Mit Felix Nmecha (BVB), Jonathan Tah (Bayern) und Josha Vagnoman (Stuttgart) stehen gleich mehrere gebürtige Hamburger in den Startlöchern für die WM 2026. Insbesondere Tah und Nmecha (aktuell verletzt) sollten ihr WM-Ticket sicher haben. Ex-HSV-Eigengewächs Vagnoman, der seit seinem Debüt im März 2023 gegen Belgien das erste Mal wieder zum DFB-Lehrgang eingeladen wurde, muss um sein Ticket kämpfen. Sehr gut möglich also, dass Hamburg bei der WM 2026 in Nordamerika gleich mehrfach vertreten ist und die Liste der Hamburger WM-Fahrer im DFB-Team um ein paar Namen erweitert wird.

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