Kramer sieht „Scheiß-Zeichen“ – glaubt aber an HSV-Konkurrenten im Abstiegskampf
Vor drei Wochen hatte sich Christoph Kramer festgelegt – darauf, dass Dieter Hecking den VfL Wolfsburg zum Klassenerhalt in der Bundesliga führen werde: „Der schafft es. Darauf würde ich Geld setzen.“ Verbessert hat sich die Lage für die „Wölfe“ im Abstiegskampf der Bundesliga seither jedoch nicht, zuletzt setzte es Pleiten gegen Bremen (0:1) und in Leverkusen (3:6). Jetzt äußerte sich Kramer erneut zu dem HSV-Konkurrenten.
Seine Klassenerhalts-Prognose für Wolfsburg will der Ex-Nationalspieler trotz der jüngsten Ergebnisse (noch) nicht revidieren. Er glaubt, dass der VfL eigentlich mindestens vier Punkte statt nur einen Zähler aus den ersten drei Partien unter Hecking verdient gehabt hätte. Nach dem 1:1 in Hoffenheim zum Start folgten zwei Niederlagen. Diese Ausbeute würde allerdings „auf gar keinen Fall“ den gezeigten Wolfsburger Leistungen entsprechen, betont Kramer.
Christoph Kramer spielte selbst unter VfL-Trainer Hecking
In der neuen Folge des Podcasts „Copa TS“ analysierte der 35-Jährige das turbulente 3:6 gegen Leverkusen vom vergangenen Samstag. Der VfL verlor, obwohl er früh in Führung gegangen war (16.) und auch die richtige Antwort auf den 1:1-Ausgleich (30.) gefunden hatte. Joakim Maehle erzielte postwendend das 2:1 (31.), und da habe Kramer gedacht: „Jetzt, mit der Emotionalität von allen, werden sie es ziehen. Ich habe mich in dem Moment voll für Dieter Hecking und Frank Geideck gefreut.“ Dazu muss man wissen: Unter dem neuen Wolfsburger Chefcoach und seinem Assistenten Geideck hatte Kramer früher bei Borussia Mönchengladbach gespielt. Deshalb fiebert er mit ihnen mit.

„Ich war ein bisschen für Wolfsburg, keine Ahnung, wegen der beiden irgendwie“, sagt Kramer, der außerdem eine fußballerische Vergangenheit bei Bayer 04 hat. „Ich bin ja auch mit Leverkusen dicke – aber trotzdem: Irgendwie war ich ein bisschen für Wolfsburg.“ Und darum habe er sich über den Zwischenstand in der BayArena gefreut. VfL-Profi Christian Eriksen traf sogar zum 3:1 (38.). Doch die Werkself leitete noch in der ersten Hälfte die Wende ein, Alejandro Grimaldo verkürzte (44.). „Du darfst vor der Pause dieses Ding nicht bekommen“, meint Kramer. Ohne das 2:3 vorm Seitenwechsel hätte Wolfsburg aus seiner Sicht gesiegt: „Ich sage, dass die jetzt drei Punkte mehr hätten.“
Experte Kramer über Wolfsburg: „Am Ende schaffen sie es“
Die Realität ist eine andere. Wegen der zweiten Pleite in Heckings drittem Spiel steht der Klub aus der Autostadt weiter bei 21 Punkten und ist Vorletzter, vier Punkte hinter dem Tabellen-16. St. Pauli. Kramer weiß, dass die aktuelle Situation mental belastend ist für die Wolfsburger Profis. „Als Spieler und als Trainer hast du ein Gefühl. Wenn du Spiele, in denen du gut spielst und nahe am Sieg bist, in so einer Phase nicht ziehst, zieht dich das herunter“, erklärt der Weltmeister von 2014, der vor dem Fernseher sah, wie sich die VfL-Stars Konstantinos Koulierakis, Vinicius Souza und Co. nach einem Leverkusener Tor in Hälfte zwei gegenseitig anfauchten. „Das war auch ein Scheiß-Zeichen, irgendwie“, sagt Kramer und ahnt: „Jetzt wird es schwierig, glaube ich.“ Doch er glaubt weiter an Hecking.

Laut Kramer spricht unter anderem das Restprogramm im Abstiegskampf für den VfL. Die nächsten Wolfsburger Heimspiele steigen gegen das formschwache Eintracht Frankfurt (Sonntag) und gegen die Gladbacher (25. April). Zudem stehen zwei weitere Duelle mit direkten Konkurrenten an: Union Berlin (18. April) und St. Pauli (16. Mai). „Da sehe ich vom Potenzial her die meisten Chancen auf Punkte“, sagt Kramer und kommt daher zu dem Schluss: „Ich bleibe dabei, dass Wolfsburg es am Ende irgendwie schaffen wird.“ Wer aber muss den Gang in die 2. Liga antreten?
Kramer ist bei Ex-Klub Gladbach nicht mehr so emotional
Zuletzt hatte Kramer gemutmaßt, dass es Werder Bremen (aktuell Platz 14, 28 Zähler) schwerhaben werde. Aber auch sein Herzensklub Gladbach (Rang 13, 30 Zähler) steckt weiterhin unten drin. Bei der „Fohlenelf“, für die er einst 288-mal auflief, habe er knapp ein Jahr nach seinem Karriereende heute zwar nicht mehr „die ganz, ganz großen emotionalen Ausbrüche“, weil er Abstand gewonnen habe. Doch das zähe 2:2 gegen den beinahe schon feststehenden Absteiger 1. FC Heidenheim habe ihn am Samstag „ein bisschen traurig gemacht“, verrät Kramer.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:
- Alarm, Dreck, Chaos: Feuerwehrmann über dramatische Zustände in Flüchtlingsunterkunft
- Fahrschein, bitte: An welchen Bahnhöfen am häufigsten kontrolliert wird
- Feuer-Drama: Welche Rolle eine Kloschüssel bei der Rettung einer Familie spielte
- Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche
- 16 Seiten Sport: HSV-Juwel Baldé im Fokus & Sky-Kommentator über St. Paulis Abstiegskampf
- 28 Seiten Plan 7: Eine Ausstellung wie „ein Tauchgang“ & ein aufwühlendes Stück an den Kammerspielen
Seine Analyse zum Spiel: „Heidenheim hat uns schon wirklich laufen lassen, die haben uns wirklich bluten lassen. Wir sind die ganze Zeit mit minus eins (mit einem Spieler weniger; d. Red.) angelaufen und trotzdem sah es hinten nicht so aus, als hätten wir Überzahl.“ Durch das Remis gegen das Schlusslicht verpasste Gladbach einen größeren Befreiungsschlag. Als Nächstes wartet jetzt das Spiel in Leipzig (Samstag), ehe es zu den Kellerduellen mit Mainz (19. April) und eben Wolfsburg (25. April) kommt. Das Restprogramm seines Ex-Vereins sei „richtig hart“, so Kramer.
Das könnte Sie auch interessieren: Spezieller Grund – darum trägt ein HSV-Profi immer eine lange Unterhose
Dennoch bleibt er bei „Copa TS“ zuversichtlich: „Ich bin mir sehr sicher, dass Gladbach noch irgendwo zwei Punkte holen wird – und dann war es das, dann steigst du nicht ab.“ Ob dies wirklich gelingt, ob Hecking mit Wolfsburg am Ende die Klasse hält oder ob womöglich der HSV (momentan Platz zwölf, 31 Zähler) noch mal ernsthaft in Gefahr gerät – all das bleibt vorerst offen. Kramer weiß, dass im Saisonfinale noch einige Überraschungen möglich sind.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.