Klares Tor aberkannt? Hamburger Schiri sorgt für Riesen-Eklat in der 3. Liga
Solch einen Vorfall hatte sich Ben Henry Uhrig für seine Debüt-Saison in der 3. Liga wahrlich nicht vorgestellt. Der 25 Jahre alte Hamburger Schiedsrichter pfiff beim 1:1 zwischen Energie Cottbus und Waldhof Mannheim sein erst siebtes Drittliga-Spiel überhaupt – und stand so sehr im Mittelpunkt, wie es sich kein Unparteiischer wünscht. Der Grund: Uhrig erkannte das vermeintliche Cottbuser Siegtor in der Nachspielzeit nicht an. Damit sorgte er nicht nur für Ärger bei den Spielern, sondern auch bei den Verantwortlichen. Es kam zu Tumulten auf dem Platz.
Die Energie-Profis waren sich einig: Dieser Ball muss doch im Tor gewesen sein. „Für mich sieht er drin aus“, sagte Tolcay Cigerci nach der Partie bei MagentaSport, als er seinen Schuss in der achten Minute der Nachspielzeit noch einmal in der Wiederholung sah. Nach einer Ecke köpfte der frühere HSV-Profi Cigerci (ein Bundesliga-Einsatz) den Ball aus kurzer Distanz vermeintlich über die Linie, die Kugel aber sprang – im Gedränge des Fünfmeterraum extrem unübersichtlich – zurück ins Feld. Schiedsrichter Uhrig gab das Tor nicht, sondern pfiff ab. Es blieb beim 1:1.
Cottbus-Profi Cigerci sah den Ball „über einen Meter drin“
„Aus meiner Perspektive, weil ich der Schütze war, hatte ich das Gefühl, dass er über einen Meter drin war“, ärgerte sich Cigerci. Sein Vater habe ihm widersprochen, berichtete der 31-Jährige, aus dessen Perspektive sei es kein Tor gewesen. Und Bruder Tolga, der in der Partie sein Debüt für Cottbus gegeben hatte, pflichtete seinem Bruder bei: „Das Netz hat gewackelt. Das heißt für mich eigentlich: Der Ball ist drin.“

Das hieß es für Schiri Uhrig nicht – und so kochten die Emotionen nach Abpfiff über. Schnell bildete sich eine Spielertraube um den Unparteiischen, es wurde geschubst und gerangelt. Auch die Funktionäre waren mittendrin, FCE-Trainer Claus-Dieter „Pele“ Wollitz eilte herbei und brachte Mannheims Sportlichen Leiter Gerhard Zuber zu Fall, der theatralisch zu Boden ging. Eine vollkommene Eskalation der Situation.
Wollitz nimmt Hamburger Schiedsrichter Uhrig in Schutz
„Was da an Hektik kam, war nicht gut“, entschuldigte sich Wollitz unmittelbar danach. „Ich bin dem Manager unglücklich auf den Fuß getreten und er meinte, dass ich das extra gemacht hätte. Das habe ich nicht gemacht.“ Im Gegenteil: Der stets faire Trainer der Cottbuser schützte die Referees sogar vor wütenden Spielern und Fans, begleitete das Gespann unter den Pfiffen der mehr als 10.000 Zuschauer in die Kabinen.

Dann nahm Wollitz das Trio auch verbal in Schutz. „Die Schiedsrichter in Deutschland haben mittlerweile den schwersten Job durch die ganzen Diskussionen“, sagte der 60-Jährige und hielt ein Plädoyer für die Unparteiischen: „Sie werden von den Verantwortlichen auch nicht so frei begleitet, dass sie freier und überzeugter auftreten. Sie sind alle total verunsichert. Das sieht man oben, obwohl sie da den VAR haben, das sieht man aber auch speziell bei uns in der 3. Liga. Ich glaube, dass die Schiedsrichter etwas mehr Unterstützung brauchen.“
Nach Tor-Eklat: Cottbus und Mannheim trennen sich Remis
Ob er entscheidende Ball nun drin war oder nicht, wollte Wollitz nicht bewerten. „Wenn es einer sehen kann, dann der Assistent, der hat die beste Sicht“, betonte er. „Und dann einfach mal den Torwart fragen: War der drin oder war der nicht drin? Da können wir ja mal über die Ehrlichkeit diskutieren.“ Diskutieren wollte sein Mannheimer Amtskollege Luc Holtz wiederum nicht über die Szene: „Ich weiß nicht, ob der Ball hinter der Linie war oder nicht. Das ist jetzt nicht mehr wichtig. Wir haben vor ein paar Wochen auch ein Tor nicht anerkannt bekommen. Das gehört im Fußball dazu. Der Schiri hat ihn nicht anerkannt, also ist es kein Tor.“

In Cottbus nimmt man das naturgemäß nicht ganz so locker. Zwar hat der FC Energie im Aufstiegsrennen einen Punkt gewonnen und die Tabellenführung zurückerobert, es zugleich aber verpasst, sich an der Spitze abzusetzen. Mit 45 Punkten liegen die Brandenburger im engen Kampf um die 2. Liga nur knapp vor dem SC Verl (44), dem MSV Duisburg, dem VfL Osnabrück und Rot-Weiss Essen (alle 43).
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Und Uhrig? Der junge Schiedsrichter vom SC Egenbüttel (Kreis Pinneberg) sprach nach der Partie nicht an den Mikrofonen. Seit dieser Saison pfeift der gebürtige Hamburger in der 3. Liga, das Spiel in Cottbus war sein siebter Einsatz. Der hauptberufliche Gesundheitskaufmann war 2023 als bester Nachwuchsschiedsrichter in Deutschland ausgezeichnet worden. Auf einen Zwischenfall wie am Sonntag hätte Uhrig aber sicher gerne verzichtet.
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