Fußball

Jetzt auch Selina Cerci: Warum immer mehr DFB-Frauen die Bundesliga verlassen

Selina Cerci im roten DFB-Trikot läuft im WM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien.
Nationalspielerin Selina Cerci wechselt zum FC Arsenal nach London und verlässt die Bundesliga.

Selina Cerci wechselt zum FC Arsenal, auch andere deutsche Nationalspielerinnen zieht es ins Ausland. Die Bundesliga steht vor der Frage, ob sie im internationalen Vergleich noch attraktiv genug ist.

Stolz posierte Selina Cerci beim Fotoshooting im Trikot des FC Arsenal und deutete mit dem Finger auf das Wappen der Gunners. Obwohl auch vom VfL Wolfsburg heftig umworben, entschied sich die ehemalige Hoffenheimerin für einen Wechsel auf die Insel, am Montag wurde der Transfer der Angreiferin offiziell. Damit reiht sich die 26-Jährige ein in eine immer länger werdende Riege deutscher Nationalspielerinnen, die es ins Ausland zieht. Ist die Bundesliga nicht mehr attraktiv genug?

Cerci ist nur das jüngste Beispiel dieses Sommers. Vergangene Woche wurde der Wechsel von Stürmerin Nicole Anyomi von Eintracht Frankfurt zu den London City Lionesses bekannt, Elisa Senß verließ die Hessinnen Richtung Real Madrid. Vivien Endemann spielt ab kommender Saison nicht mehr beim VfL Wolfsburg, sondern beim FC Liverpool. Andere Nationalspielerinnen wie Sjoeke Nüsken (FC Chelsea), Jule Brand (Olympique Lyon) oder Lea Schüller (Manchester United) hatten Deutschland schon zuvor den Rücken gekehrt.

Nationalspielerin Celina Cerci wechselt  zu Arsenal

Als Bundestrainer Christian Wück seinen Kader für die EM-Qualifikationsspiele Anfang Juni gegen Norwegen und Slowenien berief, standen neun der 23 nominierten Spielerinnen bei ausländischen Klubs unter Vertrag. Für die persönliche Entwicklung seien internationale Stationen „definitiv förderlich“, sagte der 53-Jährige damals, jedoch warnte er: „Der Standort Deutschland sollte in der Lage sein, seine besten Spielerinnen in der Liga zu halten.“

England lockt mit Investitionen und höheren Gehältern

Warum scheint genau das derzeit nicht mehr zu gelingen? Insbesondere in England wird seit Jahren massiv in den Frauenfußball investiert: Die Klubs der Women's Super League locken - kräftig unterstützt von den großen Männervereinen - mit attraktiven Gehältern.

Der Konkurrenzkampf, die Fans, die Vibes im Allgemeinen - der Sport wird hier einfach ganz anders gehypt als in Deutschland, wo Spiele häufig vor circa 1000 Zuschauern stattfinden.

Marie Müller

Nationalspielerin Marie Müller, die bereits seit 2024 in den USA für Portland Thorns FC spielt, nannte noch andere Gründe: „Der Konkurrenzkampf, die Fans, die Vibes im Allgemeinen - der Sport wird hier einfach ganz anders gehypt als in Deutschland, wo Spiele häufig vor circa 1000 Zuschauern stattfinden“, sagte die 25-Jährige dem kicker. Sie könne nicht sagen, dass sie „auf jeden Fall wieder zurück nach Deutschland will. Da muss schon einiges kommen, damit die Bundesliga attraktiver wird.“

Frauen-Bundesliga soll wachsen

Genau daran arbeiten die Verantwortlichen. Ab dem 1. Juli des kommenden Jahres soll der Grundlagenvertrag zwischen dem im vergangenen Dezember gegründeten Ligaverband (FBL) und dem DFB in Kraft treten. Nach dem Vorbild des Bundesliga e.V. (ehemals DFL), der seit 2001 die höchste Spielklasse der Männer organisiert und vermarktet, soll nun auch die Frauen-Bundesliga zu Wachstum geführt werden.

„Die Frauen-Bundesliga wird sichtbarer, innovativer und wachstumsfähiger“, versprach Ligaverbands-Präsidentin Katharina Kiel. Ursprünglich wollten FBL und DFB hierfür ein Joint Venture gründen, aufgrund eines Streits um Entscheidungsbefugnisse erteilte die FBL diesem Vorhaben jedoch eine Absage. Umso mehr liege der Fokus nun „auf Umsetzung und Tempo“, sagte Kiel - auch, damit sich die deutschen Stars künftig wieder häufiger für die Bundesliga entscheiden. (sid/ggg)

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