„Ittriiiiiiich“: Hamburgs Top-Schiri vor großem Comeback – Fans laufen schon mal heiß

Schiedsrichter Patrick Ittrich bei einem Bundesligaspiel
Kommunikator mit Pfiff: ⁣Patrick Ittrich leitet am Samstag sein 269. Spiel im deutschen Profifußball.

Dieser Anpfiff wird ein ganz besonderer. 17 Monate lang konnte Patrick Ittrich wegen Verletzungsproblemen nicht mehr in der Bundesliga pfeifen, am kommenden Samstag nun feiert Hamburgs Spitzenschiedsrichter sein Erstliga-Comeback. Heidenheim gegen Werder – für manche Fans nur eines von 306 Bundesligaspielen einer Saison, für Ittrich ein sehr spezielles. Es wird die langersehnte Rückkehr des 46-Jährigen. Die MOPO hat sich mit dem Hamburger Top-Referee unterhalten – der weit mehr ist als nur ein Schiedsrichter.

Neulich war wieder einer dieser Momente, in denen ihm bewusst wurde, dass sich in den vergangenen Jahren so einiges verändert hat. Nichts ahnend saß Ittrich in einem Kölner Restaurant, als es plötzlich neben ihm an der Scheibe klopfte. „Ittriiiiiiich“, schrie der vorbeigehende Passant mit einem Lächeln und verschwand dann alsbald wieder. So was kommt schon mal vor, sagt der Schiedsrichter und muss schmunzeln: „Aber manchmal ist das alles schon ganz schön crazy.“

Patrick Ittrich ist viel mehr als Bundesliga-Schiedsrichter

Die Szene aus dem Restaurant steht in gewisser Weise sinnbildlich für Ittrichs Leben. Man kennt ihn mittlerweile, überall im Land. Seit fast zehn Jahren ist der Hamburger fester Bestandteil der Bundesliga. Er ist es gewohnt, vor 50.000 Leuten zu pfeifen und Millionen von Augenpaaren vor den TV-Geräten auf sich zu wissen. Doch wer Ittrich vornehmlich als Schiedsrichter sieht, springt zu kurz.

Längst hat sich der in Mümmelmannsberg aufgewachsene und in Bergstedt wohnhafte Familienvater (vier Töchter) zum Tausendsassa entwickelt. Die Schiedsrichterei ist das eine, sein Beruf das andere. Als Polizeioberkommissar liegt Itt­rich das Thema Verkehrssicherheit von Kindern am Herzen. Auch ein Buch über sein Leben als Referee hat er bereits veröffentlicht, zwei Podcasts betrieben und für die TV-Plattform Magenta die Heim-EM 2024 als TV-Experte für Regelfragen begleitet. Und man kann ihn buchen, als „Speaker“ für Unternehmensvorträge. Fragt sich: Wie geht das alles auf einmal?

Da muss Ittrich lachen. „Es gibt sicherlich mal stressige Phasen, nach denen ich denke: Wie habe ich das jetzt wieder alles geschafft? Aber mit den Jahren habe ich gelernt, klare Prioritäten zu setzen.“ Was ihm wichtig ist: „Die Schiedsrichterei steht bei allem immer an erster Stelle. Ich habe aber auch festgestellt, dass es mir guttut, daneben immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren.“

Hamburger Schiri Ittrich probiert gerne neue Sachen aus

Hat sich so gefügt. Wie so einiges zuletzt. Fast ein Jahr lang war Ittrich aufgrund von Verletzungsproblemen weg vom Fenster, der Weg zurück war extrem hart und – am Ziel angekommen – auch emotional. Zuletzt feierte er in Dresden sein Zweitliga-Comeback, am Samstag darf Ittrich seine Rückkehr ins Oberhaus feiern. Wie lange er dort noch aktiv sein wird, ist offen. Er ist 46, der Münchner Felix Brych etwa hörte im gerade zurückliegenden Sommer mit 49 Jahren auf.

Schiedsrichter Patrick Ittrich in Polizeiuniform
Patrick Ittrich ist Polizist, arbeitet an der Dienstelle für Verkehrserziehung und -prävention.

„Ich genieße es erst mal sehr, zurück zu sein“, stellt Ittrich fest, wohl wissend, dass sein Körper sich nach fünf Knie-Operationen und 22 Jahren im Leistungsbereich irgendwann wieder zu Wort melden könnte. Und auch so viel ist klar: Es wird die Zeit kommen, in der die Familie wieder stärker in den Mittelpunkt rücken soll.

Sorgen, dass Ittrich mal langweilig werden könnte, sind allerdings unbegründet. Er sprüht vor Ideen, bereits in der Schublade liegen die Pläne für ein Kinderbuch oder gar eine ganze Buchreihe, die er selbst herausgeben will. So viel verrät er schon: „Es geht darum, den Kindern die Schiedsrichterei näherzubringen, durch Geschichten und Zeichnungen.“ Eine Art Cartoon über Schiedsrichter. „Wie genau das dann aussehen wird, steht aber noch nicht fest.“ Auch sein Job bei der Polizei wird weiterhin eine Hauptrolle einnehmen: „Die Polizei ist meine Basis. Das soll auch so bleiben. Kinder und Jugendliche über die Gefahren im Straßenverkehr aufzuklären, empfinde ich als wirklich schöne Aufgabe.“

Das könnte Sie auch interessieren: MOPO-Redakteur wurde Fußball-Schiri: So schnell ist das in Hamburg möglich

Die Gunst der Kinder ist Ittrich dabei gewiss, ganz anders als es mitunter in den Stadien der Republik schlechte Sitte ist. Und doch stellt er fest: „Wenn mich jemand auf der Straße erkannt oder angesprochen hat, wurde ich noch nie bepöbelt. Da empfinde ich das Miteinander als sehr angenehm und es zeigt mir, dass ich vielleicht nicht alles falsch gemacht habe. Das gibt mir schon Auftrieb.“