HSV-Leihgabe Otto Stange patzt – und ein Hamburger erlebt sein Zweitliga-Märchen
Diesen Tag wird er so schnell nicht mehr vergessen. Nicht allzu lange ist es her, da ging Piet Scobel noch in der Oberliga Hamburg auf Torejagd. Mittlerweile spielt der 20-Jährige in der 2. Liga für den 1. FC Nürnberg. Dort gab er am Samstag sein Startelfdebüt – und durchlief eine Achterbahn der Gefühle. Am Ende sorgte er mit seinem Doppelpack zu einem 3:2-Sieg gegen den Tabellenzweiten aus Elversberg für eine Geschichte, die wie gemacht scheint für jeden Fußballromantiker.
Scobel spielte in der Jugend unter anderem für die SV Halstenbek-Rellingen. Anschließend lief er drei Jahre lang für die Jugend des FC St. Pauli auf. 2023 wechselte Scobel dann zu Union Tornesch und sammelte dort seine ersten Minuten in der Hamburger Oberliga. Trotz eines Abstiegs konnte Scobel in seiner ersten Oberliga-Saison mit 15 Toren und sechs Vorlagen auf sich aufmerksam machen.
Scobels Weg führte nach Bayern
So wechselte er 2024 zum Eimsbütteler TV. Auch hier überzeugte der gebürtige Pinneberger – 19 Tore und sieben Vorlagen erzielte er für den ETV in nur 17 Spielen. Kein Wunder also, dass man in Nürnberg an einer Verpflichtung interessiert war. Im Winter schnappte sich der FCN den aufstrebenden Stürmer. Seitdem absolvierte Scobel 29 Spiele in der Regionalliga Bayern für die Zweitvertretung des „Clubs“ und traf dabei 16-mal selbst – sechs Tore bereitete er zudem vor.

Aufgrund seiner starken Leistungen erhielt Scobel vor der Winterpause zuletzt viermal die Gelegenheit, sich durch Kurzeinsätze in der Profimannschaft von Nürnberg in der 2. Bundesliga zu präsentieren. Im Testspiel gegen die Grasshopper Zürich traf Scobel gleich doppelt und empfahl sich für mehr. Belohnt wurde er am Samstag im Spiel gegen die SV Elversberg prompt mit seinem ersten Startelf-Einsatz in der zweiten Liga.
Debüt verlief erst nicht nach Plan
Sein Debüt verlief jedoch erst gar nicht nach Plan. Der Torjäger, der sonst fast keine Chancen liegenlässt, konnte keinen seiner sechs Torschüsse in der ersten Halbzeit nutzen und vergab zwei hochkarätige Chancen. In der Halbzeit scheint Weltmeister und „Club“-Coach Miroslav Klose dem Youngster dann noch mal motiviert zu haben. Denn nach dem Seitenwechsel fing das Spektakel an.
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In der 56. Minute glich der FCN zunächst zum 1:1 aus. Dann kam mit Otto Stange gleich der zweite Ex-Hamburger auf den Platz. Der 18-Jährige läuft aktuell als Leihgabe vom HSV für die „Elv“ auf. Auch Stange spielte in der Jugend für St. Pauli und den ETV. Rund fünf Minuten nach seiner Einwechslung erzielten die Gäste aus Elversberg den Treffer zum 2:1 – es folgte die Scobel-Show: In der 71. Minute stand Scobel da, wo ein Stürmer eben stehen muss, kam vor allen Nürnbergern an den Ball und schob einen Abpraller per Kopf zum Ausgleich über die Linie.
Stange vergibt vom Punkt – Scobel setzt den Schlusspunkt
Kurz vor Schluss stand zunächst Stange im Fokus. Das HSV-Juwel trat in der 85. Minute zum Elfmeter an, das wichtige 3:2 lag ihm auf dem Fuß. Mit einem Sieg würde Elversberg zwischenzeitlich an Schalke 04 vorbeiziehen und an die Tabellenspitze rücken. Doch Stange scheiterte an FCN-Keeper Jan Reichert.

Und die Geschichte sollte noch nicht zu Ende geschrieben sein: In der dritten Minute der Nachspielzeit segelte eine Flanke von Berkay Yilmaz in den Strafraum der Elversberger. Der 1,91 Meter große Scobel schraubte sich in die Luft und verwandelte sehenswert per Kopf zum späten 3:2-Endstand – Wahnsinn!

Ein Wechselbad der Gefühle für die beiden gebürtigen Hamburger. Dieser Tag dürfte beiden noch eine Weile im Kopf bleiben. Scobel konnte sich durch diesen Doppelpack, wie auch bei seinen bisherigen Stationen, für mehr empfehlen. Das Spiel lässt zumindest auf weitere Großtaten hoffen. Der 20-Jährige macht zumindest nicht den Eindruck, als sei er schon am Ende seiner Reise angelangt.
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