Christoph Kramer am Champions-League-Mikrofon

Früher Profi, jetzt beliebter Experte: Christoph Kramer (35) Foto: IMAGO / ANP

Hartes Urteil zu HSV-Rivale Werder – Kramer legt sich im Abstiegskampf fest

kommentar icon
arrow down

Dass Christoph Kramer mit seinen Prognosen auch mal daneben liegen kann, zeigen seine Ausführungen über den FC St. Pauli aus dem September. Den Kiezklub hatte der Experte damals als heißen Anwärter für das europäische Geschäft bezeichnet, tatsächlich liegen die Hamburger nach 26 Spieltagen allerdings auf Platz 16 und sind mittendrin im Abstiegskampf der Bundesliga. Zu ebendiesem äußerte sich Kramer nun erneut – und legte sich teilweise fest. Werder Bremen droht Böses.

In seiner aktiven Karriere als Spieler lief Kramer in 63 Pflichtspielen unter Trainer Dieter Hecking auf, das war von Anfang 2017 bis Sommer 2019 bei Borussia Mönchengladbach. Anschließend übernahm Hecking zur Saison 2019/20 beim HSV – und ist jetzt seit eineinhalb Wochen zum zweiten Mal Chefcoach des VfL Wolfsburg. Das erste Spiel unter seiner Regie war erfolgreich, den „Wölfen“ gelang ein 1:1 bei der TSG Hoffenheim. Zwar stehen die Niedersachsen weiterhin auf dem 17. Platz, aber Kramer ist sich wegen Hecking sicher: „Der schafft es. Da würde ich Geld drauf setzen.“ Darauf, dass der VfL den Klassenerhalt mit der Hilfe des 61-Jährigen eintüten wird.

Kramer spielte selbst unter Wolfsburg-Coach Hecking

Im Podcast „Copa TS“ äußert Kramer auch kritische Worte zum Klub aus der Autostadt. So sehe er einerseits eine „richtig gute Bundesliga-Doppelsechs“ mit Maximilian Arnold und Yannick Gerhardt. Aber andererseits gelte: „Sonst ist dieser Kader nicht so gut.“ Auch Hecking hatte bei seinem Amtsantritt kein Geheimnis daraus gemacht, dass es in Wolfsburgs Aufgebot an wichtigen Elementen fehle. „Sonst würden wir nicht auf Platz 17 stehen“, hatte er gesagt und unter anderem von fehlendem Tempo im Mittelfeld gesprochen. Kramer ist aber überzeugt, dass Hecking das Beste aus der nicht optimal besetzten Mannschaft herausholen wird.

Christoph Kramer wurde in Gladbach zweieinhalb Jahre lang von Dieter Hecking (l.) trainiert. imago images/Team 2
Dieter Hecking gibt Christoph Kramer an der Seitenlinie Anweisungen
Christoph Kramer wurde in Gladbach zweieinhalb Jahre lang von Dieter Hecking (l.) trainiert.

„Er ist ein Trainer, den kannst du länger nehmen, aber er hat auch sehr gute Feuerwehrmann-Qualitäten“, beschreibt der Weltmeister von 2014, der immer noch in regelmäßigem Kontakt zu Hecking steht. „Er macht nichts Besonderes, aber alleine wie er aussieht: Da hast du schon Respekt vor ihm. Dieter ist eine natürliche Autorität. Er kriegt es hin, dass er eine Mannschaft emotional packt.“ Der Ex-HSV-Trainer würde zudem „immer seine beste Elf“ auf den Platz schicken und dafür auch mal Positionsverschiebungen vornehmen. „Er ist fair und hat eine vernünftige Ansprache“, lobt Kramer im Gespräch mit „Copa TS“-Moderator Tommi Schmitt. „Und es gibt auch mal einen Witz dazwischen, den man ihm nicht so zutraut, wenn man ihn sieht.“

TV-Experte über Werder Bremen: „Es wird schwer für sie“

Am Samstag empfängt Wolfsburg (derzeit 21 Punkte) den Tabellen-15. Werder Bremen (25 Zähler). Das Nordduell wird zum richtungsweisenden Spiel im Abstiegskampf. Kramer vermutet, dass es für den SVW von Coach Daniel Thioune schlecht ausgehen könnte. „Es gibt Dankbareres, als jetzt in Wolfsburg zu spielen“, sagt der 35-Jährige und findet sogar: „Das ist das schlimmste Spiel, das du haben kannst.“ Denn Bremen steht nach dem 0:2 gegen Mainz 05 vom Sonntagabend wieder stärker unter Druck und trifft nun auf einen Gegner mit einer veränderten Handschrift. Und für Hecking ist es mit dem VfL das erste Heimspiel, das unbedingt gewonnen werden muss.

Pünktlich zum Wochenende erhalten Sie von uns alle aktuellen News der Woche rund um den HSV kurz zusammengefasst – direkt per Mail in Ihr Postfach.
Mit meiner Anmeldung stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Während Kramer den Wolfsburgern die Wende zutraut, ahnt er mit Blick auf den Nordrivalen des HSV: „Ich glaube, dass es schwer wird für Werder Bremen.“ Das Thioune-Team habe er für den Relegationsrang 16 „auf dem Radar – ich wünsche es mir aber nicht“. Denn grundsätzlich fällt Kramers Urteil über den Verein von der Weser eigentlich positiv aus: „Ich finde Bremen einen hammergeilen Verein, auch eine underratete (unterschätzte; d. Red.) Stadt übrigens. Ich finde, an Bremen ist vieles cool. Deswegen wünsche ich mir natürlich, dass Bremen in der Ersten Liga bleibt.“ Es könnte für den SVW aber anders kommen. Kramer weiß: „Das wird ein weiter Weg.“

Kramer lobt Mainz – und fiebert mit Herzensklub Gladbach

Den Tabellen-13. Mainz sieht der ehemalige Nationalspieler deutlich besser dran. Bevor Urs Fischer als Chefcoach übernahm, hatten die 05er abgeschlagen auf Rang 18 gestanden. Nun hat man drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und liegt im Rückrunden-Tableau sogar auf Rang sechs. Für Kramer ist das keine Überraschung – weil er die Verantwortlichen in Mainz schätzt. Den Aufschwung des FSV sah er dementsprechend kommen: „Man wusste es schon vorher – und das kann man nicht oft genug sagen. Das ist das größte Lob an Urs Fischer und an die Transferpolitik von Mainz.“ Im Winter kamen mit Abwehrmann Stefan Posch, Stürmer Philipp Tietz und dem jetzt verletzten Silas drei Sofortverstärkungen. Noch ist Mainz‘ Ligaverblieb aber längst nicht gesichert.

Das könnte Sie auch interessieren: „Muss mal härter sein“: HSV-Trainer Polzin lobt Philippes Frust-Reaktion

Kramers Herzensklub Borussia Mönchengladbach, für den er einst 288-mal auflief, muss im Saisonfinale ebenfalls noch einige Punkte einsammeln, um die Klasse zu erhalten. Die derzeit 28 Punkte werden dem Tabellenzwöften am Ende nicht reichen. Am Samstag empfängt die „Fohlenelf“ den 1. FC Köln (Rang 14, 25 Zähler) zum rheinischen Derby und Kramer findet: „Das ist das beste Spiel der Liga. Da geht nichts drüber.“ Der TV-Experte hat dieses brisante Duell in seiner Laufbahn selbst einige Male gespielt und wird am Wochenende als Zuschauer im Rhein-Energie-Stadion sein. „Ich freue mich riesig auf das Spiel“, sagt Kramer, der den Abstiegskampf weiterhin fest im Auge behält – und demnächst neue Prognosen tätigen muss?

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test