Fußball

Fußball-Boss fordert Infantino zum Rücktritt auf – wer sein Nachfolger werden könnte

Victor Montagliani berührt Gianni Infantino beim Gang zum Podium beim 76. FIFA-Kongress in Vancouver.
CONCACAF-Präsident Victor Montagliani kritisiert FIFA-Boss Gianni Infantino scharf und gilt als heißer Kandidat für eine mögliche Nachfolge des angeschlagenen Schweizers.

Nach dem Aus seiner umstrittenen Investorenpläne gerät FIFA-Boss Gianni Infantino immer stärker unter Druck. Ein Kontinentalverband rechnet scharf mit ihm ab, Spaniens Ligachef fordert den Rücktritt – und erste mögliche Herausforderer bringen sich in Stellung.

Der Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino wächst nach dem Scheitern seiner milliardenschweren Investorenpläne immer weiter. Mit der CONCACAF hat nun der nächste Kontinentalverband scharfe Kritik an der Führung des Weltverbands geübt. Spaniens Ligaboss Javier Tebas fordert sogar offen den Rücktritt des Schweizers. Gleichzeitig werden bereits mögliche Herausforderer für die FIFA-Wahl im kommenden Jahr gehandelt.

Der ursprünglich geplante Investoren-Deal sei das „Symptom für eine Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen“, teilte die CONCACAF mit. Der Verband, der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständig ist, begrüßte zwar die Rücknahme des Projekts, sieht die Angelegenheit damit aber keineswegs als erledigt an.

CONCACAF über Infantino: Schlechte Regierungsführung

Die CONCACAF sprach von einer „einseitigen und ungeheuerlichen Handlung“, die von schlechter Regierungsführung und Führungsschwäche zeuge. Es handle sich nicht um einen Einzelfall, sondern um einen weiteren Fehltritt in einer ganzen Reihe problematischer Entscheidungen. Deshalb sei eine „umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft“ unverzichtbar.

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Die Botschaft an Infantino war unmissverständlich: Der Fußball dürfe nicht in den Händen einer einzelnen Person liegen. Die Geschlossenheit der Verbände habe gezeigt, dass der Sport dort bleiben müsse, „wo er hingehört – in den Händen des Fußballs“.

Spaniens Ligaboss fordert Infantino zum Rücktritt auf

Infantino hatte geplant, Teile der kommerziellen Rechte an FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM an private Investoren zu verkaufen. Dafür sollte das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise gegründet werden. Nach massivem Widerstand zog der Weltverband das Vorhaben in der Nacht zum Samstag zurück.

Doch die Kritik ebbt nicht ab. Spaniens Ligapräsident Javier Tebas forderte Infantino nun ausdrücklich zum Rücktritt auf. Der Weltfußball brauche „eine neue Führung, die seine Governance modernisiert, die Glaubwürdigkeit wiederherstellt und zukunftsweisende Entscheidungen im Konsens mit den beteiligten Akteuren trifft“, schrieb Tebas in den sozialen Netzwerken.

Tebas zählt Verfehlungen von Infantino auf

Dass Infantino den Vorschlag zurückgezogen habe, sei zwar eine gute Nachricht. Damit sei die Affäre aber nicht erledigt. „Es ist nur die Spitze des Eisbergs“, erklärte Tebas.

Der 64-Jährige erinnerte zudem an weitere Streitpunkte der vergangenen Jahre. Dazu zählte er unter anderem hohe Ticketpreise, den Umgang mit Korruptionsfällen, die Neugestaltung des internationalen Spielkalenders sowie neue Wettbewerbe und Formate, die ohne ausreichenden Dialog beschlossen worden seien.

Infantino will sich im März 2027 zur Wahl stellen

Für Tebas liegt das Problem deshalb tiefer. Es gehe nicht nur um einen einzelnen Vorschlag, sondern um ein Führungsmodell, „das die Macht zentralisiert, die Gegenkräfte schwächt und jene marginalisiert, die direkt von seinen Entscheidungen betroffen sind“. Sein Fazit: Infantino dürfe nicht länger an der Spitze der FIFA stehen.

Dabei wollte sich der 56-Jährige eigentlich beim 77. FIFA-Kongress im März kommenden Jahres in Rabat erneut wählen lassen. Es wäre seine letzte Amtszeit für weitere vier Jahre. Noch vor wenigen Wochen galt es als kaum vorstellbar, dass ihm dabei ernsthafte Konkurrenz drohen könnte. Nach dem Investoren-Fiasko hat sich die Lage jedoch grundlegend verändert.

Ceferin und Montagliani werden als Nachfolger gehandelt

Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbung einreichen. Als möglicher Herausforderer gilt unter anderem UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Der Slowene hat den europäischen Widerstand gegen Infantinos Pläne maßgeblich organisiert und tritt seit Jahren als Gegenpol zum FIFA-Chef auf. Allerdings hatte Ceferin angekündigt, 2027 nicht erneut als UEFA-Präsident kandidieren zu wollen.

Auch CONCACAF-Präsident Victor Montagliani wird als möglicher Kandidat genannt. Der Kanadier führt den Kontinentalverband seit 2016 und stellte sich gemeinsam mit seinen Mitgliedsverbänden klar gegen den geplanten Investoreneinstieg.

Auch Grafström und ein Scheich sind mögliche Kandidaten

Ein weiterer Name ist FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström. Der gebürtige Schweizer gilt eigentlich als enger Vertrauter Infantinos. Medienberichten zufolge könnte er aber selbst Interesse am wichtigsten Posten im Weltfußball haben.

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Auch Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa könnte erneut eine Rolle spielen. Der Präsident des asiatischen Kontinentalverbandes AFC hatte Infantino bereits 2016 bei der FIFA-Wahl herausgefordert, sich damals aber knapp geschlagen geben müssen. Auch die AFC lehnte die Investorenpläne zuletzt ab.

Al-Khelaifi will wohl nicht FIFA-Präsident werden

Als Außenseiter wird zudem Nasser Al-Khelaifi gehandelt. Der Präsident von Paris Saint-Germain und Vorsitzende der mächtigen europäischen Klubvereinigung hatte allerdings bereits erklärt, kein Interesse am FIFA-Präsidentenamt zu haben.

Noch ist offen, ob sich tatsächlich ein ernsthafter Gegenkandidat findet. Klar ist aber schon jetzt: Infantinos sicher geglaubte Wiederwahl ist nach dem krachenden Scheitern seines Milliardenplans längst nicht mehr so selbstverständlich wie zuvor. (dpa/sid/mp)

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