Bayern-Kapitän Joshua Kimmich beschwert sich bei Schiedsrichter João Pinheiro

Bayern-Kapitän Joshua Kimmich (r.) beschwerte sich bei Schiedsrichter João Pinheiro über den nicht gegebenen Handelfmeter. Foto: imago/Jan Huebner

Früher Schock und Elfer-Ärger! Bayern München nach Champions-League-Aus wütend

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Bayern Münchens Reise nach Budapest fällt aus: Nach dem spektakulären und hochklassigen 4:5 im Hinspiel kam der deutsche Dauermeister im Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Paris St. Germain nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus. Insbesondere bei einem nicht gegebenen Handelfmeter fühlten sich die Münchner im eigenen Stadion um den Lohn ihrer Anstrengungen gebracht.

Es begann denkbar ungünstig für die Bayern: Gerade 140 Sekunden lag der Anpfiff zurück, da jubelten die Franzosen bereits. Khvicha Kvaratskhelia und Fabian Ruiz hebelten mit einem Doppelpass die rechte Abwehrseite der Gastgeber aus. Der ehemalige Napolitaner „Kvaradona“ hatte den Blick für Ousmane Dembélé (3.), der Bayern-Keeper Manuel Neuer bei seinem Abschluss keine Chance ließ.

Ousmane Dembélé (r.) brachte PSG früh in Führung- IMAGO/DeFodi Images
Ousmane Dembélé schießt aufs Tor von Manuel Neuer
Ousmane Dembélé (r.) brachte PSG früh in Führung-

Das 0:1 – ein Schock für die Münchner, den sie erst einmal verdauen mussten. Im Hinspiel hatten sie aus einem 2:5-Rückstand noch eine knappe 4:5-Niederlage gemacht, doch zunächst ließen die Gäste wenig anbrennen. Michael Olise (15.) kam nicht ganz zum Torschuss, Luis Diaz (22.) dribbelte sich durch den PSG-Strafraum und schoss drüber, dann setzte Olise (27.) den Ball über den Kasten.

Bayern bestürmen Pinheiro: Kein Elfmeter nach Handspiel von Neves

Dann wurde es turbulent: Während Schiedsrichter João Pinheiro beim bereits verwarnten Pariser Nuno Mendes (29.) vertretbar auf einen Platzverweis verzichtete, obwohl die Bayern vehement auf Handspiel reklamierten, sorgte seine Entscheidung kurz darauf für Unverständnis. Vitinha schoss den Ball bei einem Klärungsversuch im eigenen Strafraum an den ausgestreckten Arm seines Mitspielers João Neves (31.). Allen wütenden Münchner Protesten zum Trotz blieb Pinheiros Pfeife stumm – kein Handelfmeter.

Kompany: „Das ist Quatsch, aber die Regeln sind so“

Äußerst unglücklich für die Bayern, aber nach den in Sachen Handspiel nicht immer einleuchtenden Bestimmungen korrekt. Laut dem International Football Association Board (IFAB) gilt: Wird ein Spieler bei einem Schuss oder Kopfball eines Mitspielers an der Hand oder am Arm vom Ball getroffen, liegt kein strafbares Handspiel vor. Es sei denn, der Ball landet direkt im gegnerischen Tor oder der Spieler erzielt unmittelbar danach ein Tor – in diesem Fall erhält die gegnerische Mannschaft einen direkten Freistoß. „Ich verstehe die Regel, aber der Ball geht gleich auf die Hand“, sagte Bayern-Trainer Vincent Kompany beim Streamingdienst DAZN: „Das ist ein bisschen Quatsch, aber die Regeln sind, wie sie sind, das ist schade.“ 

Laimer mit Schiri-Kritik: „Entscheidungen nicht auf unserer Seite“

„Über zwei Spiele kommt es auf dem Niveau auf ein paar Details, auf ein paar Entscheidungen an“, sagte Konrad Laimer bei DAZN. Laimers Ball war von Nuno Mendes mit der Hand aufgehalten worden, doch nach einem Hinweis des Vierten Offiziellen entschied Pinheiro auf vorheriges Handspiel Laimers. „Das sind so Entscheidungen, die liefen nicht auf unserer Seite“, äußerte Laimer auf diplomatische Weise Kritik: „Das hätte besser für uns laufen können. Es wäre ein sehr entscheidender Moment gewesen.“

Musiala und Tah verpassen den Ausgleich

Neuer bewahrte Bayern mit seiner Parade gegen den Beinahe-Strafstoß-Verursacher Neves (33.) dann vor einem höheren Rückstand. Das Spiel hatte inzwischen eine Fahrt aufgenommen, die zeitweise an das rasante und fast schon legendäre Hinspiel acht Tage zuvor erinnerte. Jamal Musiala (44.) verpasste bei einer Doppelchance ebenso den Ausgleich wie Jonathan Tah (45.+3) bei seinem Kopfball, sodass die Münchner mit einem Zwei-Tore-Gesamtrückstand in die Pause gingen.

Harry Kane scheiterte zunächst an PSG-Torwart Matvey Safonov (r.). imago/Nordphoto
Harry Kane scheitert an PSG-Torwart Matvey Safonov.
Harry Kane scheiterte zunächst an PSG-Torwart Matvey Safonov (r.).

Zwei Tore sind wenig bei einem Neun-Tore-Spektakel wie im Hinspiel. Zwei Tore sind viel, wenn eine der besten Mannschaften der Welt ihren Vorsprung konsequent verteidigt. Und das taten die Pariser, die mit gelegentlichen Kontern dem 0:2 nach dem Seitenwechsel lange näher waren als die Münchner dem Ausgleich. Neuer war gegen den ungemein starken Kvaratskhelia (57.) und Desiré Doué (64.) allerdings auf dem Posten. Die Bayern versuchten viel, doch der Glanz und die Durchschlagskraft der vergangenen Wochen fehlten. Auch ein Freistoß von Joshua Kimmich (82.) brachte PSG nicht in Bedrängnis.

Kane gleicht für die Münchner aus – aber zu spät

Als die Pariser schon zu feiern begannen, gelang dem weitgehend abgemeldeten Harry Kane (90.+4) in der Nachspielzeit doch noch der sehenswerte Ausgleich. Zweieinhalb Minuten ließ Pinheiro ihnen noch, doch zu einer weiteren Chance kamen die Münchner nicht mehr. Kane strich sich nach dem Abpfiff bitter enttäuscht durchs Haar. Das Last-Minute-Tor des Superstars war zu wenig. Coach Kompany suchte derweil ein längeres Gespräch mit Schiedsrichter Pinheiro. „Wenn zwei, drei, vier Spieler auf dem Boden liegen, hast du die fünf Minuten Nachspielzeit nicht gespielt und dann ist auf einmal Schluss“, war Kompany mit der schließlich sechseinhalbminütigen Nachspielzeit nicht zufrieden. Sein Fazit: „Ich möchte noch mal gegen PSG spielen, aber in dieser Saison ist das leider nicht mehr möglich.“

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„Wir waren keine Killer in der Offensive und konnten das Ding nicht zu Ende spielen“, bedauerte Bayern-Keeper Neuer bei DAZN: „Unser Tor fiel leider ein bisschen zu spät, der Schlüsselmoment im Spiel hat einfach gefehlt. In der Box von PSG war das nicht klar genug.“

PSG trifft im Champions-League Finale auf den FC Arsenal

Der bayerische Traum vom Endspiel platzte nicht mit einem Knall, sondern ging langsam und leise zu Ende – er zerstob an einem Gegner, der sich im Gegensatz zum Hinspiel defensiv kaum eine Blöße gab. Im Endspiel trifft Titelverteidiger Paris nun am 30. Mai auf den englischen Tabellenführer und Klub-Europameister FC Arsenal.

Das Münchner Halbfinal-Aus trübt auch die Hoffnungen auf einen fünften Champions-League-Platz für die Bundesliga. Sollte der SC Freiburg am Donnerstag gegen Sporting Braga nicht ins Finale der Europa League einziehen, dürfte Spanien neben England auch den Liga-Tabellenfünften in die Königsklasse schicken.

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