Frankfurt entlässt Trainer Toppmöller – Ex-St. Pauli-Held übernimmt
Nach dem 3:3 bei Werder Bremen kritisiert Markus Krösche den Auftritt von Eintracht Frankfurt harsch. Für Trainer Dino Toppmöller ist zwei Tage später Schluss.
Die nächste herbe Enttäuschung hat bei Eintracht Frankfurt ein Nachspiel: Dino Toppmöller muss nach dem ebenso bedenklichen wie glücklichen 3:3 (1:1) bei Werder Bremen gehen. Die sportliche Abwärtsspirale der vergangenen Monate wurde dem lange Zeit so erfolgreichen Trainer zum Verhängnis. Nach einer Krisensitzung der Führungsetage um Sportvorstand Markus Krösche bestätigte die Eintracht am Sonntagmittag die Trennung.
Eintracht Frankfurt: Krösche würdigt Arbeit von Toppmöller
„Dino Toppmöller hat sich jederzeit voll mit Eintracht Frankfurt identifiziert und täglich mit großer Leidenschaft für diesen Klub gearbeitet“, sagte Sportvorstand Markus Krösche: „Wir schätzen seine fachliche Kompetenz, seine Professionalität, seine akribische Arbeitsweise und seinen menschlichen Umgang mit der Mannschaft sehr. Dennoch sind wir in der sportlichen Führung und gemeinschaftlich im Vorstand nach intensiver interner Bewertung zu der Überzeugung gelangt, dass wir aufgrund der rückläufigen Entwicklung in den letzten Wochen einen neuen sportlichen Impuls benötigen. Unserem Anspruch, als Eintracht Frankfurt für einen dynamischen, aggressiven und kompakten Fußball zu stehen, sind wir in dieser Saison bislang nur unzureichend gerecht geworden.“

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Dino Toppmöller äußert sich zum Abschied wie folgt: „Ich hätte sehr gerne mit dieser Mannschaft weitergearbeitet und mich weiter den Herausforderungen, die da sind, gestellt. Aber ich akzeptiere die Entscheidung. Ich bin jeden Tag mit großer Leidenschaft und Freude zur Eintracht gegangen und bin, unabhängig der derzeit unbefriedigenden Situation, die zweifelsohne da ist, stolz auf das, was wir gemeinsam in den vergangenen zweieinhalb Jahren erreicht haben. Schade, dass es nicht gemeinsam weitergeht.“
Mit Schmitt: Alexander Meier übernimmt interimistisch
Zunächst werden interimsweise U21-Cheftrainer Dennis Schmitt und U19-Trainer Alexander Meier übernehmen. Fußballlehrer Schmitt wird dabei die federführende Rolle innehaben. Der gebürtige Buchholzer Meier ist Hamburger Fußball-Fans aus seiner Zeit bei St. Pauli und dem HSV bestens bekannt.

Bereits unmittelbar nach Abpfiff am Freitagabend hatte Krösche in den Katakomben des Weserstadions ein Bekenntnis vermieden. „Wir besprechen das jetzt. Wir müssen die Themen angehen und sehen, dass wir solche Leistungen nie wieder zeigen“, so der Sportvorstand. Der erneut defensiv maximal wacklige Auftritt brachte das Fass zum Überlaufen.
Eintracht Frankfurt kassierte neun Tore in drei Spielen
Die SGE war mit nur zwei Punkten aus drei Spielen ins neue Jahr gestartet und hatte dabei neun Gegentore kassiert. Toppmöller bekam über die gesamte Saison die enormen Defensivprobleme nicht in den Griff, 39 Gegentreffer nach 18 Spieltagen sind eher die Bilanz eines Absteigers statt eines Europapokalkandidaten.
Über den späten und für ihn „glücklichen“ Ausgleich von Ansgar Knauff (90.+4) am Freitagabend konnte sich Krösche nicht wirklich freuen. „Es sind immer wieder die gleichen Fehler. So können wir nicht weitermachen, so können wir nicht auftreten. Wir sind Eintracht Frankfurt und wir haben einen Anspruch an uns selber, wie wir Fußball spielen wollen“, polterte der Sportvorstand.
Frankfurt vor wichtigem Champions-League-Spiel
Generell gewann die Eintracht nur eins der letzten neun Pflichtspiele, in der Liga gerät deshalb langsam das Minimalziel Europa in Gefahr. Im Pokal schied Frankfurt bereits in der 2. Runde aus, auch in der Champions League droht noch im Januar das Aus. In der Königsklasse am Mittwoch (18.45 Uhr/DAZN) beim Gastspiel in Aserbaidschan bei Qarabag Agdam werden Schmitt und Meier an der Seitenlinie stehen.

„Ich glaube, dass wir alle nicht zufrieden sind mit der Punktausbeute und einfach auch anhand der Anzahl der Gegentore. Es ist schon ein sehr leidiges Thema“, sagte Toppmöller selbst auf der Pressekonferenz am Freitagabend: „Natürlich bin ich da in allererster Linie in der Verantwortung, das ist doch klar.“
Toppmöller: „Es ist schon ein sehr leidiges Thema“
Das sahen auch die Verantwortlichen so – und hatten unter dem 2023 als Nachfolger von Oliver Glasner gekommenen Chefcoach keinen Glauben mehr an die Wende. Dabei hatte der die SGE in seiner Premieren-Saison in der Bundesliga auf Rang sechs geführt, im Jahr danach reichte es mit Platz drei sogar zur erstmaligen Qualifikation über die Liga für die Champions League.
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Doch nach gutem Start folgte in dieser Spielzeit ein starker Abwärtstrend, den Toppmöller zuletzt nicht mehr aufhalten konnte. Der letztlich glückliche Punkt in Bremen war dann zu wenig. (sid/hmg)
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