Fußball

Enger Vertrauter bricht mit Infantino – auch FIFA-Experte Arsène Wenger ist empört

Arsène Wenger geht an der Seitenlinie im Selhurst Park zur Trainerbank.
Trainer-Legende und FIFA-Direktor Arsène Wenger sieht sich zur „Klarstellung“ gezwungen.

Wegner und Grafström haben nichts von Infantinos Plänen für die FIFA gewusst und es lediglich aus den Medien erfahren. 

FIFA-Präsident Gianni Infantino erhält nach seinem gescheiterten Investorendeal auch aus dem eigenen Lager weiter Gegenwind.

„Ich war an diesem Plan nicht beteiligt und habe erst aus der Presse von diesem Vorhaben erfahren“, empörte sich Trainer-Ikone Arsène Wenger, der seit 2019 als Direktor der Abteilung für globale Fußballentwicklung für den Weltverband arbeitet. Er sehe sich deshalb zu einer „Klarstellung“ gezwungen.

Wegen Infantino: Wenger sieht sich zu Statement gezwungen

Die Entscheidung, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten.

Arsène Wegner

„Die Entscheidung, das Projekt zurückzuziehen, war absolut notwendig und unumstritten“, schrieb der 76-Jährige in seinem Statement.

Die Kritik von Wenger folgt dem Rücktritt von Infantinos leitendem Berater Carlos Cordeiro sowie der Äußerung von FIFA-Generaldirektor Kevin Lamour, der die Mitarbeiter des Weltverbandes vom Präsidenten „getäuscht“ sah. Das umstrittene Investorenvorhaben gilt als Alleingang und Hinterzimmerdeal von Infantino.

Der Schweizer hatte versucht, Anteile an der WM und an anderen FIFA-Turnieren an Investoren zu verkaufen. Nach heftigem Widerstand gab er den Plan auf. Mittlerweile haben zahlreiche europäische Verbände ihre Unterstützung für seine Wiederwahl im März 2027 zurückgezogen, womöglich drängen einige Nationen sogar auf einen früheren Rückzug des Schweizers. 

Grafström distanziert sich ebenfalls

Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle kommen und gehen.

Mattias Grafström

FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström hat sich derweil in einem internen Schreiben offenbar ebenfalls von Infantino distanziert. „Einzelpersonen, instabile Momente und unglückliche Vorfälle kommen und gehen“, schrieb Grafström in einer unter anderem vom Athletic und Sky Sports zitierten Mail an Mitarbeiter des Weltverbandes: „Die Institution, ihre Mission und ihre Verantwortung gegenüber dem Weltfußball bestehen fort, und deshalb sollten wir stets unsere Professionalität, unseren Sinn für die richtigen Perspektiven und unsere Gelassenheit bewahren.“

Mattias Grafström steht am Spielfeldrand beim Training der schwedischen Nationalmannschaft in Dallas.
FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström

Infantino wurde in dem Schreiben zwar nicht namentlich erwähnt, jedoch wird direkt auf seine Idee der Gründung der Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise (FFE) verwiesen - und die Kritik klingt deutlich durch. Grafström schrieb unter anderem von einer „traurigen und verwerflichen Abfolge von Ereignissen - die glücklicherweise damit endete, dass das FFE-Projekt endgültig aufgegeben wurde“. Der Schwede galt bislang als enger Vertrauter Infantinos, wechselte mit ihm 2016 von der UEFA zum Weltverband und stieg dort 2024 zum Generalsekretär auf.

Infantinos Stellvertreter kannte Pläne auch nicht

Wir alle wurden mitten in einen Wirbelsturm hineingezogen, der schwer zu begreifen und zu akzeptieren ist.

Mattias Grafström

In den Investorenplan seines Chefs soll er aber ebenfalls nicht eingeweiht gewesen sein. „Die letzte Woche war für alle FIFA-Mitarbeiter in unseren Büros weltweit sowohl außergewöhnlich als auch herausfordernd“, so der 45-Jährige weiter: „Deshalb wollte ich, dass ihr die Ersten seid, die von mir hören. Wir alle wurden mitten in einen Wirbelsturm hineingezogen, der schwer zu begreifen und zu akzeptieren ist.“

Er versichere, „dass ihr als Mitglieder der Verwaltung vor dem politischen Kontext, den wir derzeit erleben, geschützt und gewahrt werdet. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen“, so Grafström. Öffentlich hatte der zweithöchste FIFA-Funktionär bislang zur Affäre um den gescheiterten Investorendeal geschwiegen. Bei den Spekulationen um einen Nachfolger wurde auch der Name des in Genf geborenen Schweden genannt, für einen kompletten Neuanfang würde diese Lösung aber nicht stehen. (sid/mkw)

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