„Ein Schlag für den Oli“: Deutschland fährt mit Neuer als Nummer eins zur WM
Deutschlands Rekordtorwart Manuel Neuer kehrt zwei Jahre nach seinem Rücktritt zur Fußball-Weltmeisterschaft in die deutsche Nationalmannschaft zurück. Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt bei dem am 11. Juni beginnenden Turnier in den USA, Kanada und Mexiko auf den inzwischen 40 Jahre alten Kapitän des FC Bayern München.
Der bislang als Nummer eins vorgesehene Hoffenheimer Oliver Baumann (35) wird kurz vor dem Start der Vorbereitung auf die WM-Endrunde zurückgestuft. Dritter Torwart im Aufgebot ist der Stuttgarter Alexander Nübel. Jonas Urbig steht nicht im Kader, wird die Mannschaft aber begleiten und mit ihr trainieren. Bereits im März habe es ein Treffen mit Neuer gegeben, verriet Nagelsmann. „Am Ende ist die Entscheidung ein Schlag für den Oli gewesen“, sagte er. „Das ist nie eine schöne Nachricht.“ Vor Baumanns Reaktion ziehe er „den Hut“.
Die Entscheidung pro Neuer begründete der Nationaltrainer mit dessen Erfahrung und Ausstrahlung. „Der Manu hat etwas, was ihn umgibt aufgrund der Erfolge, das einer Mannschaft hilft“, sagte Nagelsmann und verwies auf dessen „Aura“.
Neuer letzter Rio-Champion im Kader
Bei der Nominierung des Kaders auf dem DFB-Campus in Frankfurt wurde zudem klar, dass der Kölner Angreifer Said El Mala entgegen vorheriger Medienberichte doch nicht zum Kreis der 26 WM-Spieler gehört. Auch Matthias Ginter vom SC Freiburg bekam einen Tag nach der Niederlage im Finale der Europa-League gegen Aston Villa (0:3) keine Einladung von Nagelsmann.
Da Ginter fehlt, ist Neuer der einzige verbliebene Weltmeister von 2014 im Aufgebot für das XXL-Turnier mit 48 Mannschaften. Eine Kehrtwende im Fall Neuer schien lange ausgeschlossen, doch in der Vorwoche sickerten erste Infos durch. Bei seinem Auftritt im ZDF-„Sportstudio“ am Samstag wich Nagelsmann noch allen Fragen aus.
Kimmich führt Deutschland als Kapitän zur WM
Der Torwart hatte bis zuletzt immer wieder glaubhaft betont, sein Rücktritt aus der Nationalelf sei in Stein gemeißelt. Verkündet hatte er ihn freilich vor zwei Jahren auch in der Annahme, dass Nagelsmann fortan auf Marc-André ter Stegen als Nummer eins setzen würde. Das war tatsächlich der Plan des Bundestrainers. Dieser wurde aber von mehreren schweren Verletzungen ter Stegens durchkreuzt.
Das eröffnete Baumann eine unverhoffte Chance. Der Hoffenheimer war ein sicherer Rückhalt während der gesamten WM-Qualifikation im zweiten Halbjahr 2025 und stieg zur Nummer eins auf. Nun muss er die Rückstufung akzeptieren.
Angeführt wird das Aufgebot von Kapitän Joshua Kimmich. Seine Stellvertreter Kai Havertz und Antonio Rüdiger sind nach langen Verletzungen rechtzeitig wieder in WM-Verfassung, wie auch der Dortmunder Felix Nmecha. Jüngster Akteur im Aufgebot ist Bayern-Teenager Lennart Karl mit 18 Jahren und der Erfahrung von zwei Länderspielen.
Nachricht zu El Mala wird nicht bestätigt
Der ein Jahr ältere El Mala fährt doch nicht zur WM, entgegen anderer Meldungen aus Köln. Der 19-Jährige hat noch kein Länderspiel bestritten, aber erheblichen Anteil am Klassenerhalt des 1. FC Köln gehabt. Den Sprung ins Aufgebot schafften die in diesem Jahr bisher nicht berücksichtigten Maximilian Beier und Nadiem Amiri. Für den Münchner Tom Bischof war hingegen kein Platz frei.
Vereinzelte Weltklasseleistungen von Neuer in der Champions League lösten immer wieder eine öffentliche Debatte um den Keeper aus. Experten und auch Ex-Nationalspieler äußerten, dass auch der beste Torwart bei der WM spielen müsse. Gegen Neuer spricht freilich eine vermehrte Verletzungsanfälligkeit im Alter. Eine Wadenblessur behindert ihn aktuell kurz vor dem DFB-Pokalfinale mit dem FC Bayern am kommenden Samstag in Berlin gegen den VfB Stuttgart.
Viele Titel und große Comebacks im Kader
Der in Gelsenkirchen geborene Neuer, der seinen Vertrag in München noch einmal bis 2027 verlängerte, hat in seinen mehr als 20 Profi-Jahren das Torwartspiel mit seiner speziellen Art auf ein neues Level gehoben. Von der WM 2010 bis zur EM 2024 stand Neuer bei allen großen Turnieren im DFB-Tor. Mit 124 Länderspielen ist er Deutschlands Rekordkeeper. Sein größter Erfolg war der Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.
In der Gruppenphase spielt die Nationalmannschaft am 14. Juni in Houston gegen Curaçao, am 20. Juni im kanadischen Toronto gegen die Elfenbeinküste und am 25. Juni in East Rutherford gegen Ecuador. Das Teamquartier wird in Winston-Salem in US-Bundesstaat North Carolina bezogen.
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Der Kader im Überblick: Manuel Neuer, Oliver Baumann, Alexander Nübel – Waldemar Anton, Nathaniel Brown, Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, David Raum, Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah, Malick Thiaw – Nadiem Amiri, Maximilian Baier, Leon Goretzka, Pascal Groß, Jamie Leweling, Jamal Musiala, Felix Nmecha, Aleksandar Pavlovic, Lennart Karl, Angelo Stiller, Leroy Sané, Florian Wirtz – Kai Havertz, Deniz Undav, Nick Woltemade