„Die Verantwortung ist sehr groß“: Zwei „Hamburger“ wollen Deutschland ärgern

Florian Wirtz im Zweikampf mit László Bénes
László Bénes half im Hinspiel, den deutschen Superstar Florian Wirtz aus dem Spiel zu nehmen. Die Slowakei gewann sensationell mit 2:0 gegen das DFB-Team.

Die Rechnung ist einfach: Zwei Siege am Freitag in Luxemburg und am Montag in Leipzig gegen die Slowakei – und die deutsche Nationalmannschaft hat das Ticket für die WM-Endrunde 2026 gelöst. Ein Kicker des FC St. Pauli und ein ehemaliger HSVer stehen dabei im Weg. Die MOPO hat Experten befragt, welche Rolle Danel Sinani und László Bénes für ihr Land spielen.

Am Freitag ist Danel Sinani dran. Endlich. Bei St. Pauli sitzt er derzeit nur auf der Bank, das Quali-Hinspiel mit Luxemburg in Sinsheim (0:4) verpasste er wegen einer Gelbsperre. Da musste die Auswahl des Großherzogtums nach einer Roten Karte 70 Minuten lang zu zehnt agieren. „In dieser Situation hätte Danel einen Unterschied machen können“, sagt Dan Elvinger vom „Tageblatt Lëtze­buerg“: „Weil er sich zurückfallen lassen und den Ball dann halten kann und auch körperlich dagegenhält.“ Mit Christopher Martins und Leandro Barreiro sei Sinani „der technische Leader“ der Auswahl, so Elvinger: „Wegen seines Einsatzes und seines Könnens genießt er hohen Respekt.“

Danel Sinani machte sich in Luxemburg früh einen Namen

Schon als junger Spieler, mit 21, habe der heutige St. Paulianer sich einen Namen gemacht, als F91 Düdelingen dank seiner Tore 2018 als erster Luxemburger Verein in eine Europapokal-Gruppenphase einzog. „Es hat sich früh angedeutet, dass er auf hohem Niveau spielen kann, auch wenn er dafür ein paar Umwege gehen musste“, führt Elvinger aus. Die Bundesliga werde in Luxemburg stark verfolgt, deshalb „wird jetzt auch bei uns öfter über St. Pauli geredet“.

Danel Sinani bei einem Länderspiel mit Luxemburg
St. Pauli-Profi Danel Sinani ist für die luxemburgische Nationalmannschaft eine prägende Figur.

Für die Nationalelf hat Sinani in 76 Spielen 14 Tore erzielt, in der WM-Quali hat Luxemburg aber alle vier Spiele verloren – obwohl der Fußball in der 700.000-Seelen-Monarchie eigentlich einen Aufschwung genommen hat. „Null Punkte sind wir mittlerweile nicht mehr gewohnt“, sagt Elvinger und identifiziert ein Problem, das auch St. Pauli vertraut ist: „Uns fehlt ein Mittelstürmer, ein Killer.“

Einer, den Sinani mit präzisen Pässen versorgen könnte. „Die Verantwortung, die Danel tragen muss, ist schon sehr groß“, führt der Tageblatt-Experte aus. Dass Sinani ihr gerecht wird, davon ist der Journalist überzeugt: „Auf dem Platz ist er lautstark, auch wenn er nicht gerne Interviews gibt.“

László Bénes hat noch gute Chancen auf die WM 2026

Weniger Verantwortung hat László Bénes – dafür aber noch gute Chancen, bei der WM dabei zu sein. Die Slowakei ist punktgleich mit Deutschland, am Montag kommt es zum Showdown in Leipzig. Dort wird Bénes wohl erst mal auf der Gästebank sitzen. „Lászlós Rolle ist es eher, in der zweiten Hälfte reinzukommen, um frischen Wind und kreative Ideen ins Spiel zu bringen“, beschreibt der Sportjournalist Ondrej Lauko den Status des 28-Jährigen, der von 2022 bis 2024 das HSV-Trikot getragen hat. In Hamburg kam seine Tochter zur Welt, Bénes spricht von einer „unfassbar schönen Zeit“ an Alster und Elbe und geht damit allemal auch aktuell als Wunsch-Hamburger durch – auch wenn sein neuer Klub Union Berlin ihn ins türkische Kayseri verliehen hat.

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Im Mittelfeld der slowakischen Nationalelf bleibt Bénes hinter Neapels Stanislav Lobotka und Routinier Ondrej Duda deshalb der Bankplatz. Er sei „ein guter Junge, aber er hatte einiges Pech mit Verletzungen und spielt eben nicht in einer der Top-Ligen“, sagt Experte Lauko, der für die Tageszeitung „Dennik N“ schreibt.

Slowakei spielt derzeit seinen „besten Fußball“ aller Zeiten

Unter den fünfeinhalb Millionen Slowaken gibt es eine Reihe guter Fußballspieler, die Auswahl ist groß. Bei der EM 2024 stand das Team kurz davor, England im Achtelfinale rauszukegeln – und der „September-Schock“, als die Slowakei das Hinspiel in Bratislava gegen die DFB-Elf 2:0 gewann, ist noch in frischer Erinnerung. Bénes wurde damals – wie auch am Montag? – eingewechselt.

„Fans und Öffentlichkeit haben den Eindruck, dass die Slowakei vielleicht den besten Fußball in ihrer Geschichte spielt“, führt Lauko aus: „Weil wir gezeigt haben, dass wir auch Spiele gegen starke Mannschaften dominieren können, sind die Erwartungen hoch.“ Zunächst einmal muss die Slowakei aber am Freitag zu Hause gegen Nordirland punkten, damit es zu einem echten Gruppen-Finale in Leipzig kommen kann. Ansonsten ist auch noch der Sturz auf Platz drei möglich, was auch das Verpassen der Qualifikations-Playoffs zur Folge hätte.

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Ein dritter Platz tut weh, Bénes hat das 2023 mit dem HSV erlebt, als das große Ziel Bundesliga schon erreicht schien. Haben seine Landsleute den erst nach Bénes’ Abschied erfolgreichen Kampf um die Erstliga-Rückkehr damals intensiv verfolgt? „Bitte nicht falsch verstehen“, meint Lauko höflich: „Die Zweite Bundesliga ist sicher eine gute Liga. Aber nicht so gut, dass Fans in der Slowakei jede Woche die Spiele des HSV geguckt hätten.“ Am Montag in Leipzig schauen alle zu.

Die Rechnung ist einfach: Zwei Siege am Freitag in Luxemburg und am Montag in Leipzig gegen die Slowakei – und die deutsche Nationalmannschaft hat das Ticket für die WM-Endrunde 2026 gelöst. Ein Kicker des FC St. Pauli und ein ehemaliger HSVer stehen dabei im Weg. Die MOPO hat Experten befragt, welche Rolle Danel Sinani und László Bénes für ihr Land spielen.