Aue, Wattenscheid & Co.: Frühere Top-Klubs versinken im Amateurfußball
An diesem Wochenende wurden die Befürchtungen zur Realität. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte steigt Erzgebirge Aue in die 4. Liga ab. Der Traditionsverein aus Sachsen spielt in der kommenden Saison damit erstmals in der viertklassigen Regionalliga Nord – und damit faktisch im Amateurfußball. Doch Aue ist nicht der erste und einzige Verein, den dieses Schicksal ereilt. Immer wieder verschwinden ehemalige Top-Klubs von der Profi-Landkarte und versinken in der sportlichen Bedeutungslosigkeit. Die MOPO blickt auf die größten Abstiege und Abstürze von Traditionsklubs – teilweise von der 1. bis in die 7. Liga.
FC 08 Homburg (1995): Einst ein erfolgreicher Zweitligst

Nach der Liga-Reform 1963 ist der FC 08 Homburg aus dem deutschen Profifußball nicht mehr wegzudenken. Fast durchgängig spielen die Saarländer in der zweitklassigen Regionalliga und später in der 2. Bundesliga, 1986 steigt Homburg sogar in die Bundesliga auf und verhindert den Abstieg in der Relegation gegen den FC St. Pauli. Länger als insgesamt drei Jahre übersteht der Klub jedoch nicht im Oberhaus. Anfang der 1990er-Jahre hält sich der FC 08 noch in der 2. Liga, doch steigt 1995 als Tabellen-Vorletzter ab – und kehrt nie mehr in den Profifußball zurück. Vier Jahre später wird dem Verein wegen seiner Insolvenz die Lizenz entzogen und er spielt fortan nur noch in der fünftklassigen Oberliga. Mittlerweile pendelt Homburg wieder in der Regionalliga Südwest regelmäßig auf den Plätzen im oberen Tabellen-Mittelfeld.
Borussia Neunkirchen (1996): Komplett-Zerfall in 6. Liga

In den ersten Jahren der Bundesliga ist Borussia Neunkirchen ein Aushängeschild des Saarlands, gehört insgesamt drei Spielzeiten lang zur besten deutschen Spielklasse. Auch nach den Abstiegen in die zweitklassige Regionalliga ist Neunkirchen immer wieder dicht an der Bundesliga-Rückkehr, rutscht nach der Gründung der neuen 2. Bundesliga Süd allerdings in die Drittklassigkeit ab. Dort wird der Klub zwar Dauer-Meister, scheitert jedoch regelmäßig in den Aufstiegsspielen und kehrt nur noch zweimal (1974 und 1978) für jeweils ein Jahr in die 2. Liga zurück. Im Jahr 1996 geht es für die Borussia erstmals in die viertklassige Oberliga Südwest, die später sogar nur noch die fünfhöchste Liga ist. Nach finanziellen Problemen folgte im Jahr 2017 der Abstieg in die 6. Liga, die Saarlandliga, wo das insolvente Neunkirchen inzwischen ohne Vorstand dasteht und mit 4:113 Toren in zwölf Spielen komplett auseinanderfällt.
SG Wattenscheid (1999): Triste Gegenwart in der Oberliga

An die Glanzzeiten im Bochumer Stadtteil Wattenscheid erinnert man sich bis heute. In den 1970er- und 1980er-Jahren etabliert sich die SG Wattenscheid 09 jahrelang in der 2. Liga und steht in der Ewigen Tabelle bis heute in den Top 20. Kurzzeitig spielt der Klub aus dem Ruhrgebiet von 1990 bis 1994 sogar in der Bundesliga und hält sich auch danach noch in der Zweitklassigkeit, stürzt 1999 aber schließlich aus dem Profifußball ab. Über die Regionalliga, Oberliga und Verbandsliga steigt Wattenscheid 2010 sogar in die Westfalenliga 2 (6. Liga) ab. Auch wenn sich der Verein zwischenzeitlich wieder in die Regionalliga zurückkämpft, gehören nun seit vielen Jahren die fünftklassige Oberliga Westfalen und damit Gegner wie Victoria Clarholz, die SG Finnentrop-Bamenohl oder der SC Verl II zu seiner Gegenwart.
Tennis Borussia Berlin (2001): Abstieg folgt der tiefe Fall

In der Nachkriegszeit ist Tennis Borussia einer der mit Abstand erfolgreichsten Vereine aus Berlin. Regelmäßig gewinnt der Klub in der Hauptstadt die Stadtliga und später die Vertragsliga. Mit der Einführung der Bundesliga spielt TeBe jahrelang erfolgreich in der zweitklassigen Regionalliga, verpasst den Sprung in die 1. Liga gleich viermal in der Aufstiegsrunde. 1974 gelingt schließlich der Sprung in die Bundesliga, wo die Berliner direkt wieder absteigen, danach direkt aufsteigen und erneut direkt wieder absteigen. In der Folge pendelt Tennis Borussia viele Jahre zwischen 2. und 3. Liga, mit dem Abstieg als Tabellenletzter 1999/00 aus der 2. Bundesliga aber beginnt der Absturz. Berlin wird ein Jahr später direkt in die Oberliga durchgereicht, 2011 geht’s sogar bis runter in die sechstklassige Berlin-Liga. Erst in den vergangenen Jahren erholt sich TeBe von seiner sportlichen Krise und wechselt nun zwischen Abstiegskampf in der Regionalliga und Aufstiegsrennen in der Oberliga.
KFC Uerdingen (2005): Insolvenz-Abstieg bis ins Nichts

In den 1980er-Jahren ist der KFC Uerdingen, damals noch als Bayer 05 Uerdingen, aus der Bundesliga kaum wegzudenken. Der damals extrem erfolgreiche Verein gewinnt 1985 sogar den DFB-Pokal, schlägt im Finale von Berlin den FC Bayern München und wird in der darauffolgenden Saison sensationell Dritter. Entsprechend ist Uerdingen auch international ein deutsches Aushängeschild und kommt im Europapokal sogar bis ins Halbfinale. Mit der Trennung von der Bayer AG und der Umbenennung in KFC Uerdingen aber beginnen schwerwiegende Probleme. Nach dem Abstieg 1996 kehrt der Klub nie mehr in die Bundesliga zurück. Stattdessen muss er fünfmal (!) Insolvenz anmelden und stürzt binnen weniger Jahre ganz aus dem Profifußball (2005) und schließlich bis in die 6. Liga (2008) ab. Zwar taucht der KFC von 2018 bis 2021 kurzzeitig wieder in der 3. Liga auf, spielt nach erneutem Lizenz-Entzug nun aber wieder in der fünfklassigen Oberliga Niederrhein.
Wuppertaler SV (2010): Absturz nach Lizenz-Entzug

Schon vor Gründung der Bundesliga pendelt der Wuppertaler SV immer wieder zwischen Erst- und Zweitklassigkeit. In der dann eingeführten Regionalliga gehört der Verein zu den Top-Teams, der zwischen 1972 und 1975 auch drei Jahre in der Bundesliga verbringt. Völlig überraschend wird Wuppertal Tabellenvierter und qualifiziert sich sogar für den UEFA-Cup. Allzu lange halten die Glanzzeiten aber nicht an – schon 1980 geht’s runter in die drittklassige Oberliga. Dort hält sich der WSV zwar viele Jahre und spielt fast immer um den Aufstieg mit, schafft ihn aber nur einmal (1992). Als dem Klub 1999 dann die Regionalliga-Lizenz entzogen wird, muss er erstmals für kurze Zeit in die 4. Liga absteigen. Erst im Jahr 2010, als Tabellenletzter der 3. Liga, geht es dann endgültig in den Amateurfußball. Drei Jahre später folgt die Insolvenz und der Abstieg in die Niederrhein-Oberliga. Mittlerweile hat sich Wuppertal erholt und seit zehn Jahren in der Regionalliga West festgespielt.
Carl Zeiss Jena (2012): Wiederaufbau in der Regionalliga

Ganz so schlecht ist es um Carl Zeiss Jena gar nicht bestellt. Der Ost-Klub spielt seit vielen Jahren in der Regionalliga Nordost um den Aufstieg mit und träumt von der Rückkehr in die 3. Liga. Man würde dann wieder anknüpfen können an die großen Zeiten, die es in Jena einst gab – vor allem in der DDR-Oberliga. Dort zählt Carl Zeiss zu den erfolgreichsten Klubs des Landes, gewinnt dreimal die DDR-Meisterschaft und erreicht zweimal das Viertelfinale im UEFA-Pokal. Nach der Wiedervereinigung spielt Jena dann lange in der 2. Bundesliga, rutscht zu Beginn der 2000er-Jahre kurz in die viertklassige Oberliga und kehrt schnell wieder in den Profifußball zurück. Im Jahr 2008 aber muss sich der Verein endgültig aus der 2. Liga verabschieden, 2012 geht’s dann runter in den Amateurfußball. Dort baut sich Jena nun wieder auf, kehrt zwischenzeitlich (2017 bis 2020) in die 3. Liga zurück – und will das nun wieder schaffen.
Kickers Offenbach (2013): Von der Bundesliga immer tiefer

Die Kickers Offenbach kämpfen gerade um einen Neuanfang in der Regionalliga Südwest. 25 Jahre lang spielt der Verein aus Hessen in der 1. Liga, auch nach Einführung der Bundesliga. Die meiste Zeit aber verbringen die Kickers in der zweitklassigen Regionalliga Süd und später in der 2. Bundesliga. 1970 gewinnt Offenbach als Zweitligist sogar sensationell den DFB-Pokal und spielt im darauffolgenden Jahr im Europapokal. Die großen Zeiten aber sind schon eine ganze Weile vorbei. Mitte der 1990er-Jahre stürzt der Klub schon einmal für zwei Jahre in die Oberliga Hessen ab, rehabilitiert sich aber schnell und kehrt in die 2. Liga zurück. 2008 ist dort Schluss, fünf Jahre später steigt Offenbach auch aus der 3. Liga ab. Seit jetzt elf Jahren kickt man am traditionsreichen „Bieberer Berg“ inzwischen in der Viertklassigkeit.
Stuttgarter Kickers (2016): Drittliga-Kampf und Abstieg

Zur Zeit der Wiedervereinigung in Deutschland sind die Stuttgarter Kickers mitten in ihrer erfolgreichsten Ära. Der jahrelange Zweitligist (ununterbrochen von 1963 bis 1988) erreicht im Jahr 1987 erstmals das DFB-Pokal-Finale, wo er dem HSV erst kurz vor Schluss mit 1:3 unterliegt. Ein Jahr später steigen die Stuttgarter gemeinsam mit dem FC St. Pauli in die Bundesliga auf und nach nur einem Jahr wieder ab – genau wie 1991 noch einmal, als der Aufstieg über die Relegation gegen St. Pauli gelingt. Im Jahr 2001 verabschiedet sich der bis heute Tabellenneunte der Ewigen Tabelle aus der 2. Bundesliga, hält sich bis 2009 immerhin noch in der 3. Liga und auch danach noch einmal vier Jahre. 2016 ist dann endgültig Schluss mit Profifußball, es geht runter in die Regionalliga und sogar in die Oberliga. Mittlerweile spielen die Kickers zwar wieder in der Regionalliga Südwest, kämpfen dort aber ebenfalls gegen den Abstieg.
FSV Frankfurt (2017): Die Bundesliga bleibt ein Traum

Vor der Liga-Reform im Jahr 1963 ist der FSV Frankfurt einer der Top-Klubs in Süddeutschland, spielt durchgängig in der höchsten Liga (Oberliga Süd). Dann aber pendeln die Hessen jahrelang zwischen 2. und 3. Liga, steigen auf und wieder ab und wieder auf und wieder ab. In der 2. Bundesliga kann der FSV nie richtig Fuß fassen. In den 1990er-Jahren schrammt man knapp an einer Insolvenz vorbei und muss sich in der Oberliga neu sanieren. Das Projekt ist erfolgreich, Frankfurt wird 2008 Regionalliga-Meister und kehrt für acht Jahre in die 2. Liga zurück. Dort spielt der Klub 2012/13 sogar die mit Abstand erfolgreichste Saison aller Zeiten und verpasst den Aufstieg in die Bundesliga als Tabellenvierter nur ganz knapp. Dann jedoch folgte der Abstieg aus der 2. (2016) und direkt auch aus der 3. Liga (2017). Seither hält sich der FSV in der Regionalliga Südwest im Mittelfeld.
SV Sandhausen (2025): Das Ende des Aufschwungs

Von einem traditionellen Profi-Klub kann man beim SV Sandhausen nicht sprechen. Über die 1. Amateurliga Nordbaden und die Oberliga Baden-Württemberg kommt der Klub lange Zeit nicht hinaus – bis zum Jahr 2007. Dann gelingt dem SVS der Sprung in die Regionalliga und die dann gegründete 3. Liga. Fünf Jahre später schafft Sandhausen sogar den Aufstieg in die 2. Bundesliga und hält sich dort elf Jahre lang, ärgert unter anderem den HSV. Nach dem Abstieg im Jahr 2023 schafft es der Verein nicht, den Profifußball zu halten, und steigt 2025 schließlich wieder in die Regionalliga Südwest ab. Dort bewegt sich Sandhausen im oberen Mittelfeld, spielt allerdings nicht um den direkten Wiederaufstieg mit.
Erzgebirge Aue (2026): Absturz nach über 20 Jahren

Seit der Wiedervereinigung spielt Erzgebirge Aue immer im bezahlten Profifußball. Der einst erfolgreiche DDR-Oberligist kämpft sich zu Beginn der 2000er-Jahre aus der damals noch drittklassigen Regionalliga in die 2. Liga und etabliert sich dort mehr als 20 Jahre lang. In der Saison 2010/11 wird Aue sogar Herbstmeister und darf vom Aufstieg in die Bundesliga träumen, belegt am Ende aber nur den fünften Platz – das beste Abschneiden in der Vereinsgeschichte. Im Jahr 2022 ist der Klub letztmals zweitklassig und steigt als Vorletzter in die 3. Liga ab. Dort kämpft Aue drei Spielzeiten lang erfolgreich gegen den erneuten Abstieg, wechselt im April 2026 noch einmal den Trainer. Doch auch Ex-St. Pauli-Liebling Khvicha Shubitidze kann den Sturz in die Regionalliga nicht mehr verhindern.
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