Ohne Kane auf Torejagd! Bayern zerlegt Bergamo – aber Sorgen um Davies und Musiala
Mit einer Gala-Vorstellung hat Bayern München praktisch das Viertelfinal-Ticket in der Champions League gelöst. Bei Atalanta Bergamo siegten die Bajuwaren im Hinspiel mit 6:1 (3:0) – und das, obwohl Torjäger Harry Kane auf der Bank Platz nahm.
Der englische Superstar, der zuletzt wegen eines Schlags auf die Wade ausgefallen war, wurde auch in Norditalien geschont. Stattdessen begann wie in der Bundesliga Nicolas Jackson in der Sturmspitze. Nach starker Vorbereitung von Serge Gnabry trug sich aber Josip Stanisic als Erster in die Torschützenliste ein, indem er eine Eckball-Kombination aus kurzer Distanz mit dem 1:0 nach zwölf Minuten abschloss.
Bergamos Vorzeige-Fußballklub ist nach der altgriechischen Jägerin Atalanta benannt, die für ihre Schnelligkeit gerühmt wurde. Dass ihre Patenkicker auch erfolgreich auf Torjagd gehen können, hatte Borussia Dortmund im Zwischenrunden-Rückspiel leidvoll erfahren müssen. Doch im Achtelfinale drückten allein die Bayern aufs Tempo. Mit einem Schuss von der Strafraumgrenze erhöhte Michael Olise (22.) auf 2:0.
Bayern München führt nach 25 Minuten mit 3:0
Damit nicht genug: Ganze drei Minuten später setzte Olise Gnabry in Szene, der Marco Carnesecchi zwischen den Bergamasker Pfosten keine Chance ließ. 3:0 nach 25 Minuten – Carnesecchi und seine Vorderleute mussten sich vorkommen wie die antiken Freier, die Atlanta einst zum Wettlauf herausforderten, in dem es um Hochzeit oder Hinrichtung ging. Es konnte nur einer gewinnen.
Derlei Strenge legten die Bayern zum Glück für die Gastgeber dann aber doch nicht an den Tag. In der völlig einseitigen ersten Hälfte traf der überaus starke Gnabry (44.) noch die Latte – doch dann machte er in der zweiten Hälfte Platz für Jamal Musiala. Ein barmherziger Wechsel, so schien es.
Kane-Vertreter Jackson trifft, Musiala macht das halbe Dutzend voll
Aber da war ja noch Jackson, der zeigen wollte, dass er nicht zu Unrecht den Platz von Kane innehat. Nach einem Freistoß für Bergamo fuhren die Münchner einen schulbuchmäßigen Konter, den der 24-jährige Leihspieler vom FC Chelsea zum 4:0 (52.) vollendete. Die Bayern waren einfach auch schneller im Kopf. Olise (64.) nutzte dies zu seinem zweiten Treffer, was vielleicht auch die antike Atalanta beeindruckt hätte. Doch auch sie hätte gar nicht so viel Zeit zum Staunen gehabt, denn Bayern-Edeljoker Musiala (67.) traf nach Vorarbeit von Jackson bald darauf zum 6:0.
Das weckte Erinnerungen an den Oktober 2014, als die Münchner noch etwas weiter südlich mit 7:1 bei der AS Roma gewonnen hatten, damals mit einem Doppelpack von Arjen Robben. In Bergamo hätte sich fast auch Verteidiger Dayot Upamecano unter die Torschützen gesellt, doch sein Kopfball (76.) prallte an den Pfosten. Mario Pasalic sorgte auf der Gegenseite in der Nachspielzeit für den Ehrentreffer Bergamos.
Tränen beim Kantersieg: Davies muss verletzt raus
Da lag der traurigste Moment schon hinter den Bayern: Alphonso Davies humpelte nach 70 Minuten verletzt vom Platz. Auch Musiala und Torwart Jonas Urbig verließen in den letzten Minuten angeschlagen das Feld, aber für Davies war es besonders bitter: Nach seinem Kreuzbandriss hatte er sich erst mühsam ins Star-Ensemble zurückgekämpft, nun muss der 25-Jährige erneut eine längere Pause fürchten.
Tränen flossen aus seinen Augen, als er, das Trikot vor dem Gesicht, vom Rasen humpelte. Bei Musiala, der in der Hinrunde mit einem Wadenbeinbruch ausfiel, waren die Folgen noch unklar – ebenso bei Keeper Urbig, der in der praktisch letzten Aktion des Spiels mit Bergamo Torschützen Pasalic zusammenprallte. „Wir müssen jetzt hoffen, dass die Verletzungen nicht so schlimm sind“, kommentierte Kapitän Joshua Kimmich bei Amazon Prime: „Das hat uns in der vergangenen Saison einiges gekostet. Das darf diese Saison nicht passieren.“
Olise und Kimmich holen sich Gelb-Sperren ab
Eine kurze Champions-League-Pause verabreichte sich Doppel-Torschütze Olise quasi selbst, indem er sich bei der Ausführung einer Ecke äußerst viel Zeit nahm. Die echte Atalanta hätte dies wohl über alle Maßen erzürnt, Schiedsrichter Espen Eskas griff als Bestrafung nur zur Gelben Karte.
Es war Olises dritte in der laufenden Königsklasse. Damit ist er in einem Rückspiel gesperrt, das nur Formsache sein sollte. Gleiches praktizierte Kimmich kurz darauf bei der (Nicht-)Ausführung eines Freistoßes. Eskas war so freundlich und zückte auch hier Gelb, womit Kimmich und Olise ab dem Viertelfinale ohne Gelbbelastung dastehen, wenn es denn erreicht wird. Doch so einen Vorsprung wie den der Bayern hätte wohl selbst die antike Atalanta nicht mehr aufgeholt.
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Die übrigen Achtelfinal-Hinspiele: Atlético Madrid – Tottenham Hotspur 5:2, Newcastle United – FC Barcelona 1:1, Galatasaray Istanbul – FC Liverpool 1:0. Am Mittwoch spielen: Bayer Leverkusen – FC Arsenal (18.45 Uhr), Real Madrid – Manchester City, Paris St. Germain – FC Chelsea, FK Bodö/Glimt – Sporting Lissabon (alle 21 Uhr).
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