Fußball-WM
Wieder Pfiffe bei der Hymne: Politische Botschaften überschatten WM-Spiel des Iran
Belgien und Iran trennen sich 0:0 und haben beide noch Chancen auf die K.o.-Runde der WM. Überschattet wurde die Partie von Pfiffen bei der Hymne.
Ein irregulärer Freistoß-Trick, zahlreiche Glanzparaden, eine Rote Karte – das WM-Vorrundenspiel zwischen Belgien und dem Iran hatte sportlich trotz des 0:0 einige Höhepunkte zu bieten. Das ist es, was bei dieser Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko eigentlich im Mittelpunkt steht. Tatsächlich aber war auch das zweite Gruppenspiel des Iran wieder Schauplatz von politischen Botschaften – inklusive Pfiffen bei der Nationalhymne.
Schon begrüßt wurden die Spieler des Iran im SoFi Stadium in Los Angeles so, wie es zu befürchten war: mit lautstarken Pfiffen. Und auch während der Hymne des US-amerikanischen Klassenfeindes wurde im Stadion nicht – wie üblich – respektvoll geschwiegen, sondern die iranische Nationalhymne mit deutlich hörbaren Pfiffen und Buhrufen übertönt.
Politische Plakate bei WM-Spiel des Iran gegen Belgien
Und das war nicht das einzige politische Zeichen an diesem Abend. Vereinzelt waren auch politische Plakate und Transparente auf den Rängen erkennbar. Vor Turnierstart hatte der Iran damit gedroht, die Spiele abzubrechen, wenn es entsprechende politische Statements im Stadion gebe. Diese Drohung machten die Ostasiaten nicht wahr – sondern traten an. Und die iranischen Spieler gaben die Antwort auf dem Platz.
Belgiens Torhüter Thibaut Courtois hielt erst noch glänzend gegen Hossein Kanaani (14.), war dann in der 25. Minute aber machtlos gegen einen frechen Freistoß-Trick des Iran: Ehsan Haji Safi legte den Ball flach an der Mauer vorbei auf Saeid Ezatolahi, der – wie einst der Niederländer Wout Weghorst bei der WM 2022 – aus der Drehung traf. Einzig: Er stand dabei mit dem Hintern knapp im Abseits und blockte zudem die Mauer weg. Glück für Belgien.
Belgien kann drückende Überlegenheit nicht nutzen
Die „Roten Teufel“ hatten phasenweise weit über 80 Prozent Ballbesitz, konnten daraus aber viel zu selten Gefahr kreieren. Nicolas Raskin (44.) und Maxim de Cuyper (59.) scheiterten jeweils an herausragenden Paraden des iranischen Torhüters Alireza Beiranvand. Und auch sein Gegenüber Courtois musste mehrfach rettend eingreifen, entschärfte etwa einen hochkarätigen Volley von Mehdi Taremi (53.).
Kurz vor der obligatorischen zweiten Trinkpause schöpfte der Iran dann noch einmal richtig Hoffnung, dass ihm die Sensation gelingen könnte – weil Belgiens Innenverteidiger Nathan Ngoy den Ball nach einem Rückpass verlor und Taremi dann von hinten umriss (67.). Der argentinische Schiedsrichter Darío Herrera hatte keine andere Wahl, als auf Notbremse und Rot zu entscheiden. „Er verhindert eine klare Torchance“, bewertete Ex-Referee Thorsten Kinhöfer im ZDF die Szene. „Der iranische Spieler wäre nicht mehr einholbar gewesen und war auf dem direkten Weg zum Tor. Dementsprechend ist der Feldverweis absolut korrekt.“
Rot gegen Ngoy: Iran hat in Überzahl Chancen zum Sieg
In Unterzahl hatten die Iraner jetzt plötzlich das Momentum auf ihrer Seite und durch Saeid Ezatolahi (81.) sogar die Chance auf den Siegtreffer. Für Belgien vergab de Cuyper die beste Gelegenheit zum goldenen Tor (86.). Zufrieden können sie mit dem zweiten Remis im zweiten WM-Spiel dennoch beide sein – der Iran hat am Samstag (5 Uhr MEZ) im letzten Vorrundenspiel gegen Ägypten noch alle Chancen auf das Erreichen der K.o.-Runde. Gleiches gilt für die Belgier, die parallel gegen Neuseeland gefordert sind.
Hoffnung macht dem Iran fürs Gruppenfinale auch eine Ankündigung aus dem Weißen Haus. „Für das letzte Spiel haben sie uns erlaubt, selbst zu entscheiden bei den Reiseplänen. Für die beiden ersten Spiele haben andere diese Entscheidungen und Pläne für uns gemacht“, hatte Trainer Amir Ghalenoei vor der Partie gesagt. Für die ersten beiden Gruppenspiele hatte das Team jeweils kurzfristig aus dem Teamquartier in Kanada in die USA ein- und noch am selben Abend wieder aus dem Land ausreisen müssen.
Sie sind bereits M+ Abonnement?