Fußball-WM

Trump-Eingriff in die WM: Klopp, Tuchel & Co. sind fassungslos und fordern Erklärung

Trump hält im Oval Office eine rote Karte hoch, Infantino steht daneben.
Wollen das mit den Roten Karten jetzt offenbar unter sich regeln: FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und US-Präsident Donald Trump

Die Aussetzung der Rot-Sperre gegen US-Star Folarin Balogun sorgt bei der WM für einen Eklat. Nach Berichten über ein Telefonat zwischen Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino ist Jürgen Klopp fassungslos – und der DFB fordert Aufklärung.

Die Aussetzung der Rot-Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun sorgt bei der WM für massive Kritik – und wirft inzwischen grundsätzliche Fragen zur Glaubwürdigkeit der FIFA auf. Nach Berichten über eine mögliche Einflussnahme von US-Präsident Donald Trump fordert nun auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf eine schnelle Erklärung des Fußball-Weltverbands.

„Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll“, sagte Neuendorf in einer Stellungnahme. „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA.“

Trump soll Infantino um Aufhebung der Sperre gebeten haben

Balogun hatte im WM-Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) eine umstrittene Rote Karte gesehen, nachdem er unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners Tarik Muharemovic gelandet war. Am Sonntag setzte die FIFA die Sperre für den besten US-Torschützen zur Bewährung aus. Damit ist der 25-Jährige im Achtelfinale der USA gegen Belgien in Seattle spielberechtigt.

Brisant daran: „The Athletic“, AP, AFP und die „New York Times“ berichteten übereinstimmend, Trump habe persönlich bei FIFA-Chef Infantino angerufen, um eine Überprüfung der Roten Karte zu erbitten. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben sich bislang dazu geäußert.

Jürgen Klopp zeigt sich fassungslos

Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp reagierte bei MagentaTV fassungslos auf die Berichte. „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt, das stellt alles infrage“, sagte der 59-Jährige, der als DFB-Wunschkandidat für die Nachfolge von Julian Nagelsmann gilt.

Klopp kritisierte vor allem den möglichen Eingriff in eine Tatsachenentscheidung. „Da gibt es gar keine zwei Meinungen. Wenn es tatsächlich so war: Da gibt es immer noch die Möglichkeit, dass die USA ihn trotzdem nicht aufstellen, weil sie sagen: ,So wollen wir das nicht haben‘“, sagte Klopp. „Wir leiden alle unter Fehlentscheidungen. Trotzdem lernen wir alle im Laufe des Lebens, damit zu leben. Und das ist ganz einfach eine Tatsachenentscheidung.“

Auch Tuchel ist irritiert: „Einfach seltsam für mich“

Auch Englands deutscher Nationaltrainer Thomas Tuchel zeigte sich nach dem 3:2 seiner Mannschaft im WM-Achtelfinale gegen Mexiko irritiert. „Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen“, sagte Tuchel.

Für ihn stellt sich nun eine Grundsatzfrage: „Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben“, mahnte Tuchel. „Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist?“ Man könne nun endlos debattieren: „Wo fängt es an und wo hört es auf?“ Auf die Frage eines Journalisten, ob man vielleicht Trump fragen sollte, antwortete Tuchel: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“

Solbakken fürchtet Schaden für die WM

Noch deutlicher wurde Norwegens Nationaltrainer Ståle Solbakken, der nach dem 2:1-Viertelfinaleinzug gegen Brasilien von einem „großen Fehler“ der FIFA sprach. Es sei „eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird“, sagte Solbakken. „Es tut mir auch leid für die USA. Wenn sie gewinnen, wird es immer in der Schwebe hängen. Das ist nicht gut für den Sport.“

Solbakken sieht in der Entscheidung einen gefährlichen Präzedenzfall. „Was ist mit der nächsten Roten Karte? Was passiert dann? Wird es künftig irgendwo ein Gremium geben, das solche Karten einfach wieder aufhebt?“, fragte der Norweger.

Die FIFA steht damit wenige Stunden vor dem Achtelfinale der Gastgeber gegen Belgien massiv unter Druck. Solange der Weltverband nicht erklärt, wie es zur Aussetzung der Sperre kam – und ob das mutmaßliche Telefonat zwischen Trump und Infantino dabei eine Rolle spielte –, bleibt der Fall Balogun eines der brisantesten Themen dieser WM. (dpa/mp)

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