Fußball-WM

Nach Anruf von Trump? FIFA hebt Rotsperre gegen US-Superstar auf! Die Belgier toben

Folarin Balogun verlässt nach Rot den Platz im WM-Spiel USA gegen Bosnien und Herzegowina in San Francisco.
US-Star Folarin Balogun hat sicher nicht einmal selbst mit dem Einsatz gegen Belgien gerechnet.

Dreifacher Torschütze, Antreiber, Kreativposten: Die USA können im WM-Achtelfinale gegen Belgien doch wieder auf Folarin Balogun setzen. Eine merkwürdige Entscheidung, die dem Präsidenten gefällt.

Steckt da ein Gastgeber-Bonus mit drin? Hat Donald Trump Druck gemacht? Die USA haben jedenfalls ihren Hoffnungsträger zurück: Stürmer Folarin Balogun steht der Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino im WM-Achtelfinale gegen Belgien in der Nacht auf Dienstag (2 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) in Seattle doch zur Verfügung. Ein WM-Skandal?

Donald Trump zeigte sich jedenfalls dankbar. „Danke an die FIFA dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!“, schrieb der US-Präsident nach der Kehrtwende des Weltverbands auf seiner Plattform Truth Social. Dahinter schrieb er: „President DONALD J. TRUMP.“

Trump dankt der FIFA – Anruf aus dem Weißen Haus?

Danke an die FIFA dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen!

Donald Trumo

Dem US-Journalisten Ben Jacobs zufolge soll es zuvor einen Anruf aus dem Weißen Haus an die FIFA gegeben haben mit der Bitte an Boss Gianni Infantino, die Balogun-Sperre noch einmal zu überprüfen. Der Weltverband habe auf Nachfrage auf die Unabhängigkeit der eigenen Disziplinarkommission verwiesen.

„AP“ und „The Athletic“ berichteten später, Trump persönlich habe zum Hörer gegriffen. Demzufolge bestätigten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen diesen Ablauf. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben die Information bislang kommentiert.

Balogun kann im WM-Achtelfinale gege Belgien doch spielen

Der 80-jährige Trump war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet.

Ich wusste nicht, dass der 5. Juli der 1. April ist.

Belgien-Coach Rudi Garcia

Belgiens Fußballverband (RBFA) will derweil gegen die aufgehobene Sperre von Balogun vorgehen. Die RBFA sei „erstaunt“ und prüfe „derzeit alle möglichen Optionen“, hieß es in einer Stellungnahme bei Instagram. Die Belgier verweisen vor allem auf Artikel 66.4 des FIFA-Disziplinarkatalogs, der eine Kehrtwende wie im Fall Balogun eigentlich verhindert. „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli der 1. April ist“, sagte Belgiens Nationalcoach Rudi Garcia, betonte aber: „Als Trainer werde ich mich auf mein Team fokussieren.“

Belgiens Verband prüft Einspruch

Baloguns Rote Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina wurde von der FIFA aufgehoben, seine Sperre auf Bewährung ausgesetzt - die Erwartungen in einem plötzlich fußballbegeisterten Land steigen endgültig ins Unermessliche. Denn wenn die USA etwas hätte aufhalten können auf ihrer Traumreise bei der Heim-WM, so schien die Meinung einer ganzen Nation, dann das Fehlen von Balogun (25, AS Monaco, Marktwert laut transfermarkt.de: 40 Mio. Euro) Des dreifachen Torschützen, des Antreibers, des Kreativposten. Doch so weit wird es nicht kommen - dabei schienen die Regeln klar.

Schiedsrichter Raphael Claus zeigt Folarin Balogun im Levi's Stadium die Rote Karte.
Schiedsrichter Raphael Claus zeigt Folarin Balogun im WM-Achtelfinale USA gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte im Levis Stadium.

Laut FIFA-Regularien führt eine Rote Karte eigentlich automatisch zu einer Sperre von mindestens einem Spiel. Ein Einspruch, so hieß es nach dem Spiel der USA gegen Bosnien-Herzegowina, sei nicht möglich. Am Freitag hieß es noch, Balogun, der nach seinem Treffer in der 64. Minute nach einem unglücklichen Tritt auf den Knöchel seines Gegenspielers des Feldes verwiesen worden war, entgehe zumindest einer längeren Sperre. Die USA tobten dennoch.

US-Außenminister Rubio tobt nach Roter Karte

„Sie sind beschissen behandelt worden“, hatte US-Außenminister Rubio im Presseraum des Weißen Hauses in Washington gepoltert und gefordert: „Dafür muss es ein Einspruchsverfahren geben“. Schon vor Rubios Unmutsbekundung hatte Pochettino den Platzverweis kritisiert. ”Für mich ist das niemals eine Rote Karte“, sagte der Argentinier: „Es war zu keinem Zeitpunkt seine Absicht, den Spieler zu treten. Es war eine im Fußball ganz normale Aktion.“

Das sah nun wohl auch die FIFA so. Gemäß Artikel 27 des Disziplinarkatalogs des Weltverbands kann eine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Von einer derartigen Bewährung hatte nicht zuletzt Cristiano Ronaldo profitiert, nachdem er im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom Platz gestellt worden war. Ronaldo wurde von der FIFA zunächst für drei Spiele gesperrt, verpasste aber nur das anschließende Qualifikations-Duell gegen Armenien. Die weiteren Spiele wurden für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

Beschwerde gegen Infantino bei der FIFA-Ethikkommission

Entrüstet zeigte sich auch Nicholas McGeehan von der Organisation FairSquare, die Beschwerde gegen Infantino bei der FIFA-Ethikkommission eingereicht hat: „Die Regeln wurden eindeutig in einer Weise gebrochen, die den politischen Interessen des US-Präsidenten zugutekommt“, erklärte McGeehan. Die Frage sei, „welche Rolle der FIFA-Präsident dabei gespielt hat. Nationale Verbände und Politiker sollten Antworten von der FIFA fordern. Wenn das Gastgeberland seinen politischen Einfluss auf den FIFA-Präsidenten genutzt hat, um einen unfairen Vorteil zu erschaffen, wäre das ein skandalöser Verstoß gegen die Regeln und eine Manipulation des Wettbewerbs.“ (mit Material von dpa und sid)


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