Fußball-WM

„Mein Herz rast“: Neymar weint bei Brasilien-Comeback nach 981 Tagen

Neymar und Vinicius Junior begrüßen sich nach dem WM-Spiel in Miami Gardens.
Neymar und Vinicius Jr. im Spiel gegen Schottland.

Bei dem brasilianischen 3:0 Sieg über Schottland kommt Neymar zu seinem ersten WM-Einsatz, bleibt jedoch blass. Vinicius hingegen glänzt.

Neymar weinte. Natürlich. Brasiliens Superstar zog sich sein Trikot über das Gesicht, er rieb sich mit seinen Händen immer wieder die Tränen aus den Augen. Und die ganze Welt schaute ihm dabei zu.

Während Vinicius Junior die Selecao mit einer Galavorstellung in die K.o.-Runde bei der WM zauberte und die Jagd auf den Titel so richtig eröffnete, gehörte hinterher all die Aufmerksamkeit Neymar und dessen Comeback auf der großen Bühne.

Mein Herz rast. Ich bin so glücklich - zu 100 Prozent, ganz und gar glücklich.

Neymar

„Mein Herz rast. Ich bin so glücklich - zu 100 Prozent, ganz und gar glücklich“, sagte Neymar nach dem 3:0 (2:0) gegen Schottland. 981 Tage musste der einstige 222-Millionen-Mann wegen Verletzungen und anderer Problemchen darauf warten, wieder das gelbe Trikot tragen zu dürfen. Als Vinicius und die anderen das letzte Gruppenspiel längst entschieden hatten und der Einzug ins Sechzehntelfinale klar war, schickte ihn Trainer Carlo Ancelotti in der Endphase tatsächlich auf das Feld. Die Fans auf den Tribünen in Miami waren aus dem Häuschen.

Vinicius-Gala gegen Schottland

In seinen rund 20 Minuten blieb Neymar blass, er zeigte keine Tricks, er hatte kein Tempo - doch das kümmerte den 34-Jährigen nicht weiter. Er genoss den Moment und holte seine Kinder zu sich. Sein Töchterchen Mavi nahm er auf den Arm, seinen Sohn Davi Lucca knuddelte er, und seine schwangere Ehefrau Bruna Biancardi bekam ein Küsschen. „Es war großartig“, sagte Neymar.

Richtig großartig war auch Vinicius an diesem Abend in der Glitzer-Metropole Floridas, der Tempodribbler von Real Madrid war nicht zu halten und entschied mit seinem Doppelpack (7./45.+3) die Partie schon in der ersten Hälfte, ehe noch Matheus Cunha (60.) traf. Vinicius sei „einer der besten Spieler der Welt“, sagte Ancelotti über den 25-Jährigen, der nun schon auf vier Tore in drei Partien kommt.

Brasilien auf Mission sechster Stern

Keine Frage, 24 Jahre nach dem letzten Triumph will Brasilien endlich wieder zurück auf den Thron - und Vinicius ist „auf der Suche nach dem sechsten Stern“, wie er selbst sagte, vermutlich die wichtigste Waffe für den Rekordweltmeister. Jetzt, mit der K.o.-Phase, beginne die WM erst richtig, stellte Vinicius klar, und er forderte von seinen Kollegen: „Wir müssen bereit sein, große Spiele zu machen - um Brasilien an die Spitze zu bringen.“

213 Millionen Nationaltrainer fragen sich, ob Neymar bei dem geplanten Gipfelsturm noch einer der Antreiber sein kann. Oder ob er eher ein Bremsklotz ist. Vinicius scheint sich nicht so sicher zu sein. „Ohne Zweifel ist es ein sehr wichtiger Moment für uns alle, weil unser Idol zurückkehrt“, sagte er: „Ich hoffe, dass er sich weiterentwickeln und uns im Verlauf des Turniers helfen kann - das ist das Wichtigste.“ So oder so werden sicher wieder Tränen fließen. (dpa/eli)