Fußball-WM

Legendärer Abschied: Mexiko-Keeper (40) wird eingewechselt und bereitet Tor vor

Mexikanische Spieler feiern, während Guillermo Ochoa inmitten der Mannschaft hochgehoben wird.
Ochoa wird von seiner Mannschaft nach dem 3:0 gegen Tschechien gefeiert.

Der 40-jährige Mexikaner feiert beim 3:0 gegen Tschechien seinen emotionalen WM-Abgang in einer magischen Nacht und krönt diesen mit einer Torvorlage.

Guillermo Ochoa verneigte sich vor seinem „Wohnzimmer“, er gab beiden Torpfosten ein inniges Küsschen und ließ sich mit Tränen in den Augen von seinen Mitspielern durch die Luft werfen. „Mein erstes Spiel war im Aztekenstadion, mein letztes Spiel war im Aztekenstadion. Es war ein wunderschönes letztes Kapitel meiner Karriere. Vielen Dank an alle“, sagte der 40 Jahre alte mexikanische Kulttorhüter nach seinem emotionalen und womöglichen letzten Einsatz auf der großen Weltbühne.

Märchenhafter hätte es für den Nationalhelden an diesem denkwürdigen Abend in Mexiko-Stadt kaum laufen können. Nach seinem Kurzeinsatz inklusive Torvorlage beim 3:0-Erfolg des zuvor bereits als Gruppensieger feststehenden Gastgebers gegen Tschechien dröhnte „El Rey“ (Der König) von Vicente Fernández aus den Boxen, eine Hymne, die von Stolz, Unabhängigkeit und dem Feiern des eigenen Lebenswegs erzählt. Von allen Seiten prasselten die Huldigungen auf Ochoa ein - den mit sechs WM-Teilnahmen dekorierten König des mexikanischen Fußballs.

Emotionaler Abschied für Guillermo Ochoa

Eine Legende des Weltfußballs.

Javier Aguirre

„Heute Nacht wollte ich, dass Mexiko die Legende Memo genießt. Jeder hat 'Memo, Memo' geschrien, ich habe es geliebt“, schwärmte Nationaltrainer Javier Aguirre und adelte seinen Torwart als „Legende des Weltfußballs“. In der Nacht zu Donnerstag nahm der Mann mit der markanten Lockenpracht als nun ältester Mexikaner bei einer WM und fünftältester WM-Spieler überhaupt Abschied. Und wie.

Ohrenbetäubend laut wurde es im Aztekenstadion, als Ochoa in der 78. Minute vor mehr als 80.000 Fans für Stammkeeper Raúl Rangel eingewechselt wurde und bei seiner sechsten WM-Teilnahme (eingesetzt bei vier WM-Turnieren) die Kapitänsbinde übernahm. Und als der bald 41-Jährige dann auch noch das 3:0 von Álvaro Fidalgo (90.+4) mit einem langen Abstoß einleitete, riss er anschließend beide Arme glückselig in den Himmel. „Das Ergebnis war wunderbar, die Atmosphäre großartig“, sagte Ochoa: „Die ganze Zuneigung ist da, und das ist das Wichtigste, was ich mitnehme: die Freundschaft, die Wertschätzung und all die positiven Dinge.“

Mexiko gewinnt alle drei Spiele ohne Gegentor

Aguirre hatte seinem Keeper eine Einsatzgarantie für den Vorrundenabschluss gegeben. „Memo musste unbedingt spielen“, sagte er über den Moment, auf den ein ganzes Land gewartet hatte: „Er steht früh auf, geht ins Fitnessstudio, gibt nie auf und motiviert seine Teamkollegen. Er ist wirklich besser als je zuvor.“

Besser als je zuvor erscheint die gesamte mexikanische Mannschaft. Wie bei der Heim-WM 1986 gewann sie alle drei Gruppenspiele ohne Gegentor, damals ging es ins Viertelfinale. Nun träumen sie in Mexiko vom ganz großen Wurf - auch wenn der Trainer (noch) abwiegelt. „Ich bin durch die Hölle gegangen im Leben, deshalb bin ich kein Träumer. Ich bin ein alter Mann, ich gehe lieber Schritt für Schritt, ganz langsam - und genieße den Moment“, sagte Aguirre.

Die nächste Party scheint programmiert, wenn Mexiko im Sechzehntelfinale am frühen Miitwochmorgen auf einen Dritten aus den Gruppen C, E, F, H oder I trifft. Dass Ochoa im Turnierverlauf noch einmal zum Einsatz kommt, ist unwahrscheinlich. Die magische Nacht des Tschechien-Spiels kann dem König Ochoa aber keiner nehmen. (SID/eli)