Fußball-WM
Kommentar: Das deutsche WM-Aus muss Konsequenzen haben – und zwar für alle
Deutschland war einmal eine Fußball-Nation. Mittlerweile aber steckt das DFB-Team international nur noch im Mittelmaß fest – und das muss Konsequenzen haben. Ein Kommentar.
2014 war Deutschland auf dem Zenit. Doch seit dem WM-Triumph in Brasilien vor zwölf Jahren ging es krachend bergab für die Nationalmannschaft – zum dritten Mal in Folge ist bei einer WM ganz früh Schluss. Und wieder einmal hat die Art und Weise enttäuscht. Es geht jetzt kein Weg mehr an harten Konsequenzen vorbei.
WM-Halbfinale 2006, EM-Finale 2008, WM-Halbfinale 2010, EM-Halbfinale 2012 und schließlich der WM-Titel 2014 – und noch ein EM-Halbfinale 2016. Noch vor einigen Jahren hat die deutsche Nationalmannschaft binnen zehn Jahren sechsmal (!) hintereinander mindestens das Halbfinale eines großen Turniers erreicht. Es waren Glanzzeiten, in denen man sich sicher sein konnte, dass die deutsche Elf seine Fans begeisterte, weil sie zu den besten der Welt gehörte. Das ist eigentlich noch nicht lange her. Und doch ist es gefühlt sehr lange her.
Deutschland scheitert am zweitschlechesten WM-Team
Seither sind nun weitere zehn Jahre vergangen. Und der größte „Erfolg“ eines DFB-Teams bei einer WM war das Erreichen des neu geschaffenen Sechzehntelfinales. Gegen Paraguay. Eine Mannschaft, die – bei allem Respekt vor ihrer Leistung – die Vorrunde nur überstand, weil die FIFA die WM so sehr aufgebläht hat, dass nun auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen. Paraguay war der siebtbeste von zwölf Gruppendritten. Also faktisch die zweitschlechteste Mannschaft, die in die K.o.-Phase einzog.
Das Vorrunden-Aus in Russland 2018, als man hinter Schweden, Mexiko und Südkorea auf dem letzten Platz landete, konnte man noch als einmaligen Ausrutscher entschuldigen. Vier Jahre später in Katar reichte es hinter Japan und Spanien ebenfalls nur für Platz drei und es waren politische Nebengeräusche wie die „One Love“-Binde oder die „Mund zu“-Geste, die zu den Schuldigen wurden. 2026 ist es nun der Schiedsrichter. Irgendwie scheint es immer eine Ausrede zu geben.
Klar ist aber: Das dritte Mal in Folge so früh auszuscheiden und dabei gegen Ecuador (24. der FIFA-Weltrangliste) und Paraguay (vor dem Spiel noch 41.) zu verlieren, ist kein Zufall mehr. Es ist ein Muster. Es kann nicht jedes Mal jemand oder etwas anderes in die Verantwortung genommen werden für das eigene Scheitern. Kapitän Joshua Kimmich hat es in der Nacht bereits richtig gemacht und eingestanden, dass es die Mannschaft „einzig und allein verbockt“ hätte. Das ist ein Anfang. Doch im deutschen Fußball müssen sich jetzt alle hinterfragen, nicht nur die Nationalspieler. Auch der so selbstbewusste Bundestrainer und die sich gerne wegduckende DFB-Spitze.
DFB rutscht in der Weltrangliste immer weiter ab
Deutschland braucht nach dem erneuten Scheitern jetzt dringend einen kompletten Neustart, wenn es nicht langfristig im grauen Mittelmaß feststecken will. Schon jetzt wird der DFB in der Weltrangliste nur noch auf Platz zwölf geführt, bis zum Ende der WM wird er noch weiter abrutschen. Nationen wie Marokko oder Kolumbien haben Deutschland längst überholt, selbst Länder wie die Schweiz oder Senegal stehen womöglich bald weiter oben. Bei WM-Auslosungen ist das deutsche Team längst nicht mehr gesetzt, weil es einfach nicht mehr zu den besten Mannschaften gehört.
Geht die Entwicklung so weiter, steigt die DFB-Elf auch in der Nations League in Liga B ab (es war schon mal sehr knapp) und duelliert sich dann eben nicht mehr mit den Spitzenteams. Frankreich, Spanien, England – sie alle spielen dann nicht mehr nur im übertragenen Sinne in einer eigenen Liga. Vielleicht sind es dann Gegner wie Israel, Slowenien oder Nordmazedonien, mit denen sich Deutschland künftig messen wird. Vielleicht ist das die neue sportliche Realität. Aber das kann definitiv nicht der Anspruch einer solchen Fußballnation sein.
Fakt ist: Im Männerfußball ist die deutsche Nationalmannschaft derzeit nur noch Mittelmaß. Das hat diese WM-Nacht deutlich gemacht. Und das „schreit nach Konsequenzen“, wie 2014er-Weltmeister Mats Hummels es formuliert hat. Ich würde sogar sagen: Es geht spätestens jetzt einfach kein Weg mehr daran vorbei.
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