Fußball-WM
Jürgen Klopp will Bundestrainer werden – aber es gibt ein Problem
Viele Fans haben genau auf diese Worte gehofft: Jürgen Klopp ist bereit für den Job als Bundestrainer. Doch der Wunschkandidat des DFB macht auch klar: Einfach wird es nicht.
New York, kurz vor Mitternacht. Jürgen Klopp steht braun gebrannt vor der Skyline der Stadt, das Mikrofon in der einen Hand, die andere lässig in der Hosentasche. Fest in der Stimme spricht er bei MagentaTV über die Frage, die nach dem Rücktritt von Julian Nagelsmann ganz Fußball-Deutschland beschäftigt.
Will Klopp Bundestrainer werden? Seine Antwort dürfte vielen nach dem bitteren WM-Aus Hoffnung machen. „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt, also ich bin bereit“, sagt der 59-Jährige.
Jürgen Klopp macht deutlich: Die Gespräche werden kompliziert
Doch so klar diese Aussage klingt: Schnell wird es nicht gehen. Auf die Frage, was bis zu einer Unterschrift noch fehle, antwortet Klopp mit nur einem Wort: „Zeit“.
Der frühere Liverpool-Trainer und heutige Head of Global Soccer von Red Bull macht deutlich, dass die Gespräche kompliziert werden. Denn es geht nicht nur um ihn, sondern um deutlich mehr.
Jürgen Klopp bestätigt Gesprächsaufnahme durch den DFB
Klopp holt zunächst aus. Er spricht über das Elfmeterschießen gegen Paraguay. Hätte Deutschland gewonnen, sagt er sinngemäß, würde nun niemand über ihn als Hoffnungsträger sprechen. Fußball könne gemein sein.
„Aber jetzt sind die Dinge, wie sie sind. Julian ist zurückgetreten und der DFB kümmert sich um eine Nachfolgeregelung und ist in dem Zuge dieser Gedanken, die sie sich gemacht haben, auf mich zugekommen“, bestätigt Klopp.
Klopp will nicht nur Trainer sein, sondern mitgestalten beim DFB
Ein Selbstläufer werden die Verhandlungen mit dem Verband um DFB-Präsident Bernd Neuendorf nicht. Klopp sagt klar: „Es werden intensive Gespräche sein müssen, weil es natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen.“
Was dahintersteckt: Klopp will offenbar nicht nur Trainer sein, sondern gestalten können. Er will Einfluss und Spielraum. Er will nicht in die Mühlen des Verbandes geraten.
Vertrag von Klopp bei Red Bull läuft noch bis 2029
Schon Jürgen Klinsmann hatte 2004, als er zum Retter des deutschen Fußballs werden sollte, von seiner „Carte blanche“ gesprochen. Wer Bundestrainer wird, braucht Macht, um Dinge nach eigenen Vorstellungen zu verändern. Klopp will seinen guten Ruf nicht aufs Spiel setzen.
Klopp verhandelt nicht nur mit dem DFB. Er muss auch bei Red Bull eine Lösung finden. Sein Vertrag dort läuft bis 2029.
Vertrag spricht mit Red-Bull-Boss Mintzlaff über eine mögliche Trennung
Mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff gab es bereits Kontakt. Zu möglichen Trennungsproblemen sagt Klopp: „Es ist ja schwierig, Gesprächen vorzugreifen, aber wir haben natürlich auch schon Dinge angetextet und dementsprechend gehe ich da nicht von aus.“
Er halte Verträge „normalerweise super gerne“ ein, betont Klopp. Gerade deshalb zeigen seine Aussagen, wie ernst es ihm mit dem Bundestrainer-Job offenbar ist.
Klopp nimmt Minzlaff in die Pflicht
Mintzlaff nimmt Klopp dabei auch moralisch in die Pflicht. „Weil ich weiß, dass ihm der deutsche Fußball auch am Herzen liegt und er dementsprechend sehr offen ist für diese Gespräche. Aber geführt werden müssen sie ja trotzdem“, sagt er.
Im Interview fragt Johannes B. Kerner nach den Aussichten bis zur EM 2028. Klopp bremst sofort. „Also ich finde, es ist ja, wenn man so will, noch ein bisschen ein ungelegtes Ei.“
Klopp: „Wir müssen Dinge grundlegend verändern“
Klar sei für ihn: Es liege „nicht nur am Cheftrainer, ganz bestimmt nicht“. Anders gesagt: Handauflegen wird nicht reichen.
„Der deutsche Fußball steht jetzt natürlich an einem Wendepunkt. Wir müssen jetzt Dinge grundlegend verändern“, macht Klopp deutlich.
Klopps Batterien sind wieder voll
Ob er am Ende selbst derjenige sei oder jemand anderes, ändere daran nichts. „Ob das am Ende dann ich sein werde oder wer auch immer das sein wird, das ändert nichts daran, dass die Veränderungen notwendig sind“, sagt Klopp.
Mit zwei Dingen räumt Klopp auf. Die Erschöpfung nach den intensiven Jahren beim FC Liverpool ist weg. Seine Batterien sind wieder voll.
Klopp spricht von RB bereits in der Vergangenheitsform
Und auch sein Job bei Red Bull sei keine Alibi-Beschäftigung gewesen. „Ich bin da bereits 19 Monate dabei, die Öffentlichkeit fragt sich möglicherweise bis heute, was macht er da eigentlich ganz genau. Aber es war eine sehr intensive Zeit“, sagt Klopp.
Auffällig: Er spricht bereits in der Vergangenheit. Es „war“ eine sehr intensive Zeit.
Klopp nutzt die WM auch als Weiterbildung
Die WM hat bei Klopp offenbar neue Lust auf Spitzenfußball geweckt. „Und es ist jetzt natürlich wie eine Fortbildung. Also, wie auch immer es für mich weitergeht: Blöder werde ich nach dieser Weltmeisterschaft sicher nicht sein. „Ich werde wieder einiges dazugelernt haben, und das ist natürlich auch notwendig“, sagt er.
Ein Thema spart Klopp aus: das Geld. Dabei dürfte genau das eine große Rolle spielen.
Die Frage des Geldes wird eine ganz entscheidende werden
Red Bull wird ihn nicht einfach ziehen lassen, selbst wenn es ein Gentlemen-Agreement geben sollte. Und auch der DFB kann nicht unbegrenzt zahlen.
Der Abschied von Nagelsmann war bereits teuer. Dazu kam die WM, die für den Verband ein Verlustgeschäft in Millionenhöhe war.
Auch deshalb ist klar: Die Gespräche um Jürgen Klopp als Bundestrainer werden eines brauchen – Zeit. (dpa/mp)
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