Fußball-WM
Gegen wen, wann und wo: So sieht Deutschlands Weg bis zum Finale aus
Ex-Nationalspieler Thomas Helmer blickt gemeinsam mit der MOPO auf den möglichen deutschen Weg bis zum Finale – und erinnert sich dabei an seine US-WM 1994 zurück.
72 Spiele, nur damit 16 Mannschaften ausscheiden: Die lange WM-Gruppenphase neigt sich dem Ende entgegen, sehr zur Freude von Thomas Helmer. „Das Turnier geht erst in der K.o.-Phase so richtig los“, sagt der 68-malige Nationalspieler, Europameister von 1996 und WM-Teilnehmer 1994 und 1998. Gemeinsam mit ihm blickt die MOPO auf den möglichen deutschen Weg bis zum Finale – und Helmer wagt eine Prognose.
Seine Nachfolger im DFB-Trikot ersparen sich durch ihren Gruppensieg einige Strapazen beim XXL-Turnier in ganz Nordamerika. „Go West“, das alte „Village People“-Motto, hat sich erst mal erledigt, die nächsten Spiele bestreiten die deutschen Kicker an der US-Ostküste. Die erste K.o.-Runde findet in Foxborough bei Boston (29. Juni) statt, bei einem Sieg zieht der Tross weiter ins fast benachbarte Philadelphia (4. Juli) und dann wieder zurück nach Boston (9. Juli).
DFB legt bei der WM bis zur 10.000 Kilometer zurück
Für US-Verhältnisse sind das Kurztrips, das Quartier in Winston-Salem/North Carolina hat sich bezahlt gemacht. DFB-Sportgeschäftsführer Andreas Rettig hatte gegenüber der MOPO die Quartierswahl auch damit begründet, dass die Spiele sich im Laufe des Turniers nach Osten verlagern. Gut 10.000 Flugkilometer muss das deutsche Team bei der mutmaßlich klimaschädlichsten WM aller Zeiten aber dennoch abreißen, um sich den großen Traum vom Titel zu erfüllen.
Zwar geht Helmer davon aus, dass längere Flüge angesichts der Ruhetage zwischen den Spielen als Belastung eher überschätzt werden. Aber der 61-Jährige sagt mit Blick auf die WM 1994 in den USA auch: „Wir wollten damals unbedingt unsere Gruppe gewinnen, um wieder in Chicago zu spielen.“ Damals bestritten Helmer und Co. ihre ersten beiden Spiele gegen Bolivien (1:0) und Spanien (1:1) in Chicago, reisten dann für ein „Glutofen-Spiel“ gegen Südkorea (3:2) rund 1300 Kilometer nach Dallas und durften somit zurück nach Chicago, wo Belgien in der K.o.-Runde 3:2 geschlagen wurde.
Dass für den Titelverteidiger danach im Viertelfinale gegen Bulgarien (1:2) das jähe Aus kam, schmerzt noch immer. Aber Helmer hat dadurch schon ein K.o.-Spiel in East Rutherford/New Jersey bestritten – dort, wo die aktuellen deutschen Kicker unbedingt hinwollen. Für sie wäre es das Endspiel um den FIFA-Weltpokal.
Helmer lobt Mentalität der deutschen Mannschaft
„Das Spiel gegen die Elfenbeinküste gedreht zu haben, tut der Moral gut“, blickt Helmer auf den wichtigen Nachspielzeit-Sieg durch Joker Deniz Undav zurück – und lobt seine Nachfolger: „Die richtige Mentalität hat die deutsche Mannschaft auf jeden Fall. Und dass von der Bank Verstärkung kommen kann, ist sehr beruhigend.“
In der ersten K.o.-Runde trifft das DFB-Team am Montag auf Paraguay. Im Achtelfinale würde vermutlich Topfavorit Frankreich warten, der im Sechzehntelfinale auf Schweden trifft. Im Viertelfinale käme es zu einer Begegnung mit den Niederlanden, Kanada, Marokko oder Südafrika.
Nur fürs WM-Halbfinale ginge es nach Westen
Richtigen Reisestress gäbe es für Manuel Neuer und Co. erst wieder beim Einzug ins Halbfinale, worüber sich wohl niemand beschweren würde. Da gilt, was die „Village People“ einst sangen: „Together we will fly so high.“ Abheben erwünscht. Für ihr vorletztes Spiel würde die DFB-Elf ins texanische Arlington (14. Juli) fliegen, rund 1600 Kilometer vom WM-Quartier entfernt. Es folgt der Final-Trip nach East Rutherford (19. Juli) – oder eine betrübte Reise zum Spiel um Platz drei nach Miami/Florida (18. Juli). Der letzte Gegner hätte nach seinem Halbfinale in Atlanta/Georgia vermutlich eine kürzere Rückreise, die Deutschen dafür einen Tag mehr Erholungszeit.
Zu wenig für Verteidiger Nico Schlotterbeck, für den durch seine Sprunggelenkverletzung im Spiel gegen die Elfenbeinküste die WM gelaufen ist. „Das tut mir richtig leid für ihn“, fühlt Helmer mit. Der frühere Verteidiger musste selbst nach einer Verletzung im WM-Achtelfinale 1998 gegen Mexiko (2:1) seine Nationalmannschafts-Karriere mit 33 Jahren beenden – knapp zwei Jahre, nachdem der „Kicker“ den Euro-Gewinner 1996 zum „Mann des Jahres“ ausgerufen hatte.
Der 26-jährige Schlotterbeck wird zweifellos zurückkommen – aber ohne ihn kommt es nach Helmers Meinung in den nächsten Wochen vor allem auf den Spieler an, der mit seinem andersfarbigen Jersey noch hinter der Abwehr steht. „Ich glaube“, wagt Helmer eine WM-Prognose, „dass die Mannschaften mit den besten Torhütern auch am weitesten kommen.“
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