Fußball-WM
Faustschlag, Nachtreten, Rudelbildung: Frankreich besiegt Paraguay in hartem WM-Kampf
Frankreich zieht nach einem kämpferischen Spiel gegen Paraguay ins WM-Viertelfinale ein. Den entscheidenden Treffer beim 1:0 erzielte – natürlich – Kylian Mbappé.
Mit einem glanzlosen, aber erfolgreichen 1:0 (0:0)-Sieg ist Frankreich ins Viertelfinale der WM eingezogen. Die „Équipe tricolore“ besiegte Deutschland-Bezwinger Paraguay in einem hart umkämpften Duell dank des Elfmeter-Tores von Kylian Mbappé (70.) und trifft im Viertelfinale nun auf Marokko. Dabei hatten die Paraguayer noch Glück, dass sie die phasenweise sehr hitzige Begegnung bei heißen Temperaturen überhaupt mit elf Spielern beenden durften.
Dabei war lange Zeit gar nicht klar, ob die Partie überhaupt stattfinden könne. Ein drohendes Unwetter in Philadelphia zur Zeit des Anpfiffes brachte die Austragung ins Wanken – die FIFA aber hielt trotz des „hohen Risikos“ für ein Gewitter an ihrem Spielkalender fest. Und das Wetter gab dem Weltverband Recht: Pünktlich zum Anstoß hatte sich das Gewitter verzogen und die Partie konnte wie geplant über die Bühne gehen.
Gefühlte Temperaturen weit über 40 Grad bei der WM
Das Einzige, was den Spielern am 250. Geburtstag der USA dann noch zu schaffen machte, waren die Temperaturen. 38 Grad Celsius wurden bei Spielbeginn um 17 Uhr Ortszeit (23 Uhr MESZ) auf der Tribüne gemessen, die gefühlten Temperaturen auf dem Spielfeld lagen nach Angaben des nationalen Wetterdienstes bei 44 bis 46 Grad. Eine echte Extremhitze, mit der die Paraguayer aus dem subtropischen Südamerika naturgemäß besser umgehen konnten.
Dass Frankreich das wiederum nicht ganz so konnte, sorgte dafür, dass der Unterhaltungswert der Partie litt. Die französischen Weltstars brachten ihr Spiel lange Zeit nicht auf den Rasen, auch weil Paraguay – wie schon im Sechzehntelfinale gegen Deutschland – mit einem massiven Abwehrblock verteidigte und defensiv selten bis nie etwas zuließ. Chancen gab es praktisch keine in der Hitze von Philadelphia.
Tätlichkeit von Galarza gegen Mbappé unbestraft
Dafür wurde auch die Atmosphäre auf dem Platz zunehmend heißer. Immer wieder kam es zu Rudelbildungen, die Spieler gifteten sich gegenseitig an. Schiedsrichter Ilgiz Tantashev (Usbekistan) hatte alle Hände voll zu tun. Abseits des Balles hatte Paraguays Matías Galarza Glück, dass er nach einem Faustschlag gegen Kylian Mbappé keine Rote Karte sah (39.). „Für mich ist das eine versuchte Tätlichkeit und damit eigentlich ein Feldverweis“, sagte der Hamburger Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich bei Magenta TV zu der Szene. Galarza aber kam – wohl auch, weil er Mbappé nicht richtig traf – ungestraft davon.
Spielerisch setzten beide Mannschaften kaum Highlights – es brauchte dafür schon einen Elfmeter. Nach einem Foul von Diego Gomez an den eingewechselten Désiré Doué (Ittrich: „Er stellt dem Gegenspieler ein Bein und trifft den Ball nicht, das ist ein klarer Strafstoß“) zeigte Schiri Tantashev mithilfe des VAR auf den Punkt. Passend zu der Stimmung beider Teams zerstörte Gustavo Velázquez noch auf unsportliche Weise den Elfmeterpunkt, Mbappé aber verwandelte unbeeindruckt dessen zum 1:0 (70.). Sein 19. WM-Tor im 19. WM-Spiel. Wahnsinn.
Mbappé-Tor reicht Frankreich zum Viertelfinal-Einzug
Der Treffer sorgte allerdings dafür, dass die Nickeligkeiten und Streitereien nur noch mehr zunahmen. In der Trinkpause kam es abermals zu Rudelbildungen, direkt anschließend trat Juan José Cáceres nach einem Zweikampf am Boden liegend gegen Mbappé nach (77.). Und auch der eingewechselte Gabriel Avalos kam mit einem Ellbogen-Schlag gegen Dayot Upamecano davon (80.). Referee Tantashev ließ all das durchgehen.
Frankreich aber ließ sich auch von der hektischen Schlussphase inklusive über zehn Minuten Nachspielzeit nicht mehr beirren gegen eine südamerikanische Mannschaft, die oft am Rande der Legalität kämpfte und das Spiel letztlich etwas glücklich überhaupt mit elf Spielern beenden durften. Der „Équipe tricolore“ aber genügte der Mbappé-Treffer zum glanzlosen Einzug ins WM-Viertelfinale, in dem sie bereits zum vierten Mal in Folge steht.
Bei den letzten beiden Malen 2018 und 2022 ging’s für Frankreich sogar bis ins Finale – und nun heißt die nächste Hürde Marokko. Der Afrikameister setzte sich einige Stunden zuvor mit 3:0 gegen Co-Gastgeber Kanada durch und duelliert sich nun am Donnerstag (22 Uhr MESZ) mit den Franzosen um das Ticket fürs Halbfinale.
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