Fußball-WM

Ex-HSVer auf der Liste: Diese Talente werden zum Thema für die Nationalmannschaft

Tom Bischof und Lennart Karl jubeln nach dem 1:0 für Deutschland U21 gegen Malta U21 in Fürth.
Zwei Youngster für die Zukunft des DFB? Tom Bischof (l.) und Lennart Karl bei einem Länderspiel der deutschen U21-Nationalmannschaft.

Nach der abermals enttäuschenden WM braucht der DFB einen Umbruch. Die MOPO wirft einen Blick auf die Talente um Lennart Karl oder Said El Mala, denen jetzt die Zukunft gehören könnte.

Wer erfolgreichen deutschen Fußball sehen möchte, hätte in dieser Woche nicht nach Nordamerika, sondern nach Wales schauen sollen. Dort fegten die U19-Talente des DFB um Otto Stange mit 4:0 über den Gastgeber hinweg und zogen vorzeitig ins EM-Halbfinale ein. Einigen von ihnen dürfte die langfristige Zukunft in der A-Nationalelf gehören. Vorerst jedoch braucht das Land andere Männer – junge, aufstrebende Profis, die schon bei der EM 2028 dabei sein könnten. Eine Auswahl an spannenden Kandidaten.

Lennart Karl: Der Pechvogel dieser WM

Lennart Karl im Deutschland-Trikot dribbelt den Ball in der MEWA Arena gegen Finnland.
Ohne Verletzung wäre Lennart Karl bei der WM wohl Stammspieler gewesen.

Die Frage, wie diese WM mit Lennart Karl verlaufen wäre, ist zwar müßig, aber berechtigt. Sein Spielwitz, seine Eins-gegen-eins-Qualitäten gegen tief stehende Gegner wie Paraguay, seine positiv gemeinte Frechheit auf dem Platz – all das hätte die DFB-Elf in Nordamerika gut benötigen können. Und sie braucht es auch in Zukunft. Neben Florian Wirtz (23) und Jamal Musiala (23) hat Karl das Potenzial, die Offensive über viele Jahre zu prägen. Der 18-jährige Bayern-Youngster kündigte bereits nach seinem verletzungsbedingten WM-Aus an: „Ich komme stärker zurück, versprochen.“

Said El Mala bekam keine Chance von Nagelsmann

Said El Mala läuft im Deutschland-Trikot mit dem Ball beim U21-Spiel gegen Nordirland.
Said El Mala durfte nicht mit nach Nordamerika, aber seine Zeit kommt bald.

Gar nicht nominiert von Julian Nagelsmann wurde Said El Malazum Unverständnis vieler Experten. Der 19-Jährige hatte den 1. FC Köln in der Bundesliga-Vorsaison mit 13 Toren und fünf Assists zum Klassenerhalt geführt. Der (Noch-)Bundestrainer bemängelte El Malas Defizite in der Defensivarbeit und bevorzugte Spieler wie Leroy Sané. Doch der 30-Jährige könnte sein letztes Länderspiel absolviert haben – und seine Nachfolger werden ziemlich sicher Karl und El Mala sein.

Nicolò Tresoldi könnte die Sturm-Lösung sein

Nicolo Tresoldi von Deutschland U21 führt den Ball im Spiel gegen Nordirland in Braunschweig.
Brügge-Stürmer Nicolò Tresoldi bewies seine Treffsicherheit bereits in der deutschen U21.

In der Spitze werden Nick Woltemade (24) und Kai Havertz (27) weitere Turniere spielen, vermutlich auch Deniz Undav, der 30 wird. Einer, der noch kein WM-Trauma erlebte, aber eine Chance verdient, ist Nicolò Tresoldi. Der 21-Jährige ist Stamm-Stürmer in der deutschen U21 (zwölf Tore in 24 Einsätzen) und bei Club Brügge (23 Treffer in 58 Spielen). Zu den Belgiern war Tresoldi im Vorjahr gewechselt – für 7,5 Millionen Euro von Hannover 96. Er ist der Sohn einer Argentinierin und eines Italieners, wurde 2004 in Cagliari geboren, erwarb mit 18 Jahren aber die deutsche Staatsbürgerschaft, nachdem seine Mutter einen Job am Flughafen Hannover-Langenhagen gefunden hatte.

Tom Bischof könnte ein Sechser der Zukunft sein

Tom Bischof kontrolliert den Ball im U21-EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland in Braunschweig.
Abräumer Tom Bischof steht vor dem Sprung von der U21 in das A-Team.

Tresoldis Kapitän in der DFB-U21 war bisher Tom Bischof. Dem 21-Jährigen wurden nach einem überzeugenden Premierenjahr beim FC Bayern (39 Einsätze, drei Tore) gute WM-Chancen eingeräumt, der Traum wurde nicht wahr – noch nicht. Im zentralen Mittelfeld ist Deutschland traditionell gut aufgestellt, auch gegenwärtig. Die Kombination aus Aleksandar Pavlovic (22) und Felix Nmecha (25) erwies sich in den USA aber als wackelig. Bei den nächsten ein, zwei Turnieren dürfte Routinier Joshua Kimmich (31) noch gefragt sein. Bischof könnte ihn perspektivisch beerben.

Defensiv haben Eichhorn und Jeltsch gute Chancen

Finn Jeltsch im Deutschland-U21-Trikot dribbelt im Eintracht-Stadion Braunschweig gegen Nordirland.
Stuttgart-Profi Finn Jeltsch zählt zu den talentiertesten Verteidigern der Republik.

Als langfristig spannend gilt auch die Entwicklung von Abräumer Kennet Eichhorn. Der 16-Jährige wechselte gerade für neun Millionen Euro von Hertha BSC nach Leverkusen, braucht aber noch Zeit. Schon ein paar Schritte weiter ist Assan Ouédraogo (20), der für Karl nachnominiert worden war, als einziger deutscher Feldspieler jedoch nicht eingesetzt wurde. Das Offensivtalent wird weitere DFB-Chancen bekommen – während Brajan Gruda, der zuletzt an Ouédraogos Klub RB Leipzig verliehen war, aber Brighton & Hove Albion gehört, noch auf sein A-Debüt wartet. Der 22-jährige Ex-Mainzer saß 2024 bei einem Testspiel mal auf der Bank. Auf der defensiven Außenbahn hingegen ist mit Nathaniel Brown (23) ein Mann für die Zukunft bereits gefunden, in der Zentrale gibt es hinter WM-Fahrer Malick Thiaw (24, Newcastle) und Yann Aurel Bisseck (25, Inter Mailand) aufstrebende Kandidaten für die Nachfolge von Antonio Rüdiger (33). Dazu zählt U21-Kante Finn Jeltsch, der sich mit 19 bereits im Stammspielerkreis des VfB Stuttgart befindet.

Spielt Ex-HSV-Talent Coulibaly bald für den DFB?

Karim Coulibaly am Ball im Deutschland-Trikot beim U21-Spiel gegen Nordirland in Braunschweig.
Das Ex-HSV-Talent Karim Coulibaly durchlief die DFB-Jahrgänge von der U17 bis zur U21.

Karim Coulibaly (19) ist zehn Monate jünger, hat seinen Profi-Durchbruch aber auch hinter sich – bei Werder Bremen. Dorthin war der gebürtige Oldenburger vor zwei Jahren vom HSV gewechselt. Im Volkspark verpassten sie es, das Abwehrjuwel von einem Verbleib zu überzeugen. Dem SVW könnte Coulibaly bereits in diesem Sommer eine Ablösesumme von mindestens 30 Millionen Euro bescheren. Besonders spannend: Der Ex-Hamburger ist Linksfuß – und somit in der Innenverteidigung eine interessante Alternative zu BVB-Star Nico Schlotterbeck (26).

Und im Tor? Da steht nach der Ära von Manuel Neuer (40) ein Umbruch an. Trotz Oliver Baumann (36) und Alexander Nübel (29) sollte früh langfristig gedacht werden. Bayerns Jonas Urbig (22) war als Trainingskeeper bereits mit bei der WM und wird extrem geschätzt. Der Noch-Freiburger Noah Atubolu (24) glänzte bis zum Vorjahr in der U21. Und Stuttgarts Dennis Seimen (20) wird eine große Karriere vorausgesagt.

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