Fußball-WM

Erster WM-Sieg seit 36 Jahren: Verrückte schottische Fans feiern ihren „Fleischklops“

John McGinn jubelt mit Schottland nach dem Führungstor gegen Haiti im Boston Stadium.
John McGinn (l.) wird nach seinem Treffer von seinen Teamkollegen gefeiert.

Die schottische Nationalmannschaft ist erfolgreich auf die WM-Bühne zurückgekehrt: Beim Auftaktspiel gegen Haiti gab es einen 1:0-Sieg.

Die Tartan Army nennt ihn humorvoll „Meatball, den Fleischklops, bei den schottischen Fans ist er ebenso hoch angesehen wie beim englischen Klub Aston Villa, mit dem er gerade die Europa League gewonnen hat. Und so war es passend, dass John McGinn, der auf der Insel den statthaften Ruf eines „blood-and-muscle-Spielers genießt, Schottland nach 36 langen Jahren den ersten Sieg bei einer WM-Endrunde bescherte.

Zum Gassenhauer „Yes sir I can boogie“ sangen und tanzten die schottischen Fans, darunter auch Edelfan Rod Stewart, und feierten wie schon zuvor in der Innenstadt von Boston. Nach Medienangaben hatten rund 30.000 Anhänger, viele davon in Schottenröcken, in der Stadt bereits in den vergangenen Tagen in eine Partyzone mit Dudelsackklängen verwandelt.

McGinn trifft nicht schön – aber ins Tor von Haiti

McGinn erzielte beim 1:0 (1:0) gegen den krassen Außenseiter Haiti den einzigen Treffer, sein Schuss war abgefälscht. „Es war nicht mein schönstes Tor, aber was soll's. Wir haben lange darauf gewartet“, sagte der 31-Jährige und ergänzte: „Eine ganze Generation von Fans hat so etwas noch nicht erlebt.“ Deshalb hoffe er, „dass die Kinder morgen aufwachen und genauso stolz sind wie ich“.

Dass sich McGinn die Reputation eines redlichen Kämpfers verdient hat, der im Notfall neben Schweiß auch Blut vergießt, gründet sich auch auf einen Vorfall, der ihn 2015 fast seine Karriere gekostet hätte. Nachdem er im Training bei seinem damaligen Klub St. Mirren Mitspieler Steve Thompson den Ball abgenommen hatte, riss der eine angespitzte Stange aus dem Boden und warf sie nach McGinn.

Eine ganze Generation von Fans hat so etwas noch nicht erlebt.

John McGinn

Horrorverletzung hätte fast McGinns Karriereende bedeutet

Die Stange blieb in McGinns Wade stecken, „da floss ganz schön viel Blut“, hat er bereits ein paar Mal berichtet. Der Muskel war lädiert, aber McGinn war schon damals hart im Nehmen: Nach drei Wochen stand er wieder auf dem Platz. Und konnte nun, elf Jahre später, seinen ganz besonderen Jubel auch der ganzen Welt zeigen – nach dem Treffer formte er mit den Händen eine Brille vor seinem Gesicht.


Mit der Geste weist McGinn auf seinen Neffen Jack hin. „Er hat eine Sehschwäche und muss beim Fußballspielen eine Schutzbrille tragen. Also habe ich entschieden, dass es ihm vielleicht ein bisschen Unterstützung gibt, wenn ich mir beim Torjubel die Brille aufsetze“, erklärte McGinn. Den Neffen mache das glücklich, seine Mitspieler in Schottland feierten nun ebenfalls mit dieser Geste – „und hoffentlich inspiriert das viele Kinder.“ Wenn McGinn so weitermacht, dürfte das klappen. (sid/vb)

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